Kleine Hinführung zum christlichen Glauben an die Dreifaltigkeit

15. März 2017, P. Martin Löwenstein SJ Kleiner Michel Hamburg
Im Rahmen des Glaubenskurses "Von einander Glauben lernen"

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Theologie - Glauben nach-denken

Christliche Theologie ist immer Nachdenken über die Glaubenserfahrung der Gemeinschaft der Kirche. Theologie ermöglicht auf diese Weise, Erfahrung zu verstehen und darüber zu sprechen.

Dogma - Glauben bewahren

Das Dogma soll dieses Nachdenken gegen Einseitigkeit und Loslösung der Glaubenserfahrung Israels und der Kirche schützen - also in der Gemeinschaft mit Jesus zu bewahren. Das alles gilt auch und besonders von der Lehre vom dreifaltigen Gott. Diese soll die Glaubenserfahrung der Jünger mit Jesus verstehbar machen und vor Verfälschung bewahren. Es geht also immer um die Erfahrung der göttlichen Gegenwart und darum, ein Gespür dafür zu bekommen, wo ich statt dessen meine eigene Sehnsucht und Phantasie mit dieser Erfahrung verwechsele oder vermische.

Der Mensch - ein religiöses Wesen

Menschen scheinen von Anfang an ein grundsätzlich religiöses Gespür gehabt zu haben, also ein Gespür dafür, dass da mehr und Größeres ist als nur wir selbst.

Oder, anders gesagt: Nach allem, was wir wissen, gab es mit dem Menschen immer schon das Wissen um die Heiligkeit des Lebens; das Leben ist letztlich der Verfügungsgewalt des Menschen entzogen und heilig. Wahrscheinlich ist das etwa der Hintergrund der ältesten Höhlenzeichnungen. Die Menschen lebten zwar vom Fleisch der Tiere. Zugleich aber ahnten sie, wie prekär das ist, Leben zu nehmen. In der Bibel schlägt sich diese Erfahrung in dem Verbot nieder, Blut zu verzehren. Dieses Verbot ist eigentlich ausdrücklich auch im Neuen Testament bestätigt ("Apostelkonzil"), weil im Blut der Sitz des Lebens gesehen wurde. Und Leben ist heilig. Es hat seinen Ursprung in Gott, dem Heiligen.

Gott der Schöpfer aller Dinge

Mit einem anderen Wort: Gott ist Ursprung und Schöpfer aller Dinge. Alles außer ihm ist geschaffen. Je tiefer Menschen das erfahren haben, desto mehr wird ihnen diese Einzigkeit Gottes bewusst. Für die Glaubenserfahrung Israels und der Kirche ist daher immer ganz zentral: Gott ist nur einer und alles andere ist von Gott geschaffen.

Monotheismus statt der Vertauschung von Geschöpf und Schöpfer

Etwas Geschaffenes mit Gott zu verwechseln und anzubeten, ist eine Grundversuchung des Menschen. Wo dies geschieht wollen Menschen auf diese Weise letztlich immer Gott manipulieren und eigenen Interessen nutzbar machen. Aber der eine, einzige und wahre Gott ist eben Schöpfer und Ursprung von allem und damit grundverschieden von allem, was wir sind, was wir berühren und in unsere Welt einordnen können. Die Theologie nennt diese Überzeugung 'Monotheismus'.

Gott in Welt

Nicht nur für das Volk Israel ist diese Erkenntnis ein langer Weg. Für jeden gläubigen Menschen ist das eine bleibende Herausforderung aber eben auch Versuchung. Der Grund dafür ist, dass ich als Mensch ja nie Gott unmittelbar erfahre, sondern immer nur durch Geschaffenes. Gott ist - so beschreibt das Karl Rahner - der irgendwie mit jeder Einzelerfahrung mit gewusste Horizont der Schöpfung. Aber eben nie mit ihr zu verwechseln.

Das christliche Bekenntnis von der Dreifaltigkeit hat ein Ziel: Diese Einzigkeit Gottes zu bewahren und zugleich zu verstehen, wie es sein kann, dass Gott inmitten der Welt erfahren werden kann. Wir bekennen mit dem trinitarischen Glauben (so das Fremdwort zu Dreifaltigkeit), dass Gott sich in der von Menschen erfahrbaren Welt und Geschichte konkret "offenbart", also nicht nur als irgendwie mitgewusster Urgrund allen geschaffenen Seins, sondern als geschichtliches Ereignis.

Ich glaube und bekenne als Christ, dass Gott aus freier Entscheidung und vor allem aus Liebe sich uns Menschen in der Geschichte zeigt, mitteilt, offenbart und zwar in dem historischen Jesus, dem Christus, und durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wenn Jesus sich seinen Jüngern offenbart als "der Herr", der in die Welt gekommen ist, dann ist das nicht die Aufführung eines pädagogischen Theaterstücks, sondern Gott selbst, der in Jesus unsere Menschennatur angenommen hat, um uns als Mensch zu begegnen. Das glauben Christen: Dass der eine und einzige Gott in Christus gegenwärtig ist und dass die Beziehung zwischen Christus und Gott, dem Urgrund, dem Gott, den Jesus seinen "Vater" nennt, dass diese Beziehung Liebe ist. Diese Liebe ist selbst Gott und ist erfahrbar als Heiliger Geist (von Letzterem ist in diesem Impuls - leider auch typisch katholisch - viel zu wenig die Rede).

In der Kürze der Zeit dazu zwei Bemerkungen, die vielleicht für eine römisch-katholische Herangehensweise an den gemeinsamen christlichen Glauben ebenso typisch sind, wie die bisherigen Überlegungen zum Erfahrungs-Bezug des Dreifaltigkeitsglaubens.

Jesus Christus ist wahrer Gott als der Gekreuzigte

In den Zehn Geboten wird nicht nur die Einzigkeit Gottes betont, den allein wir als Gott lieben und mit ganzem Herzen ehren sollen. Es heißt gleich danach: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Damit ist sehr präzise gemeint: Wir müssen uns immer der Gefahr bewusst sein, dass wir gegenüber Anderen Gott für eigene Zwecke missbrauchen. Das geschieht etwa wenn Eltern die mangelnde eigene Autorität dadurch überspielen wollen, dass sie auf ihre Kinder Druck ausüben, indem sie Gottes Gebote dafür instrumentalisieren. Gerade weil Gott sich seinem Volk in der Welt offenbart, ist dieses immer in Gefahr, den Namen Gottes zu missbrauchen. Das war und ist so in Israel, das war und ist so in der Kirche.

Das spiegelt sich im Neuen Testament wieder. Immer dort, wo die Jünger erfahren und verstehen, dass Jesus der von Gott Gesalbte ist, dass er mit der Autorität und Kraft Gottes spricht und handelt, verbietet Jesus seinen Jüngern davon zu sprechen, "bevor er von den Toten auferstanden ist". Das bedeutet, dass die ohnmächtige, liebende Hingabe am Kreuz so sehr zur Offenbarung Gottes dazu gehört, dass es unmöglich ist, davor zu verstehen und als Christ zu verkünden: Jesus ist Gottes Sohn. Nur wenn Gottes Sohn als der verkündigt wird, der völlig wehrlos in seiner Liebe bis in den Tod geht, kann verstanden werden, dass das wahrhaft Gott ist und nicht das religiös überhöhte Abbild menschlicher Herrschaft.

In Christus leben und ihm nachfolgen als dem Weg zum Vater

Das alles ist der Hintergrund, warum in der Kirche immer wieder zu Gott, dem Vater, gebetet wird "durch Christus, unseren Herrn". Jesus Christus, ist für uns der Weg zu Gottes Herrlichkeit, die wir in dieser Welt immer nur schattenhaft, vermittelt, durch Zeichen und Symbole, durch seine Kirche und die Feier der Sakramente erahnen.

Dort wo wir Christus in seiner Armut anschauen, dort spüren wir das besonders. Für Katholiken spielt deswegen die Gegenwart Christi im Heiligen Brot der Eucharistie eine so große Rolle; stundenlang können sie vor dem Stück Brot knien - und im Glauben immer tiefer hinein geführt werden in dieses Geheimnis, dass hier Gottes Sohn selbst sich schenkt und gegenwärtig ist. Wenn wir die feierliche Liturgie der Heiligen Messe feiern, geht es nur darum, mit Christus auf das Wort der Bibel zu hören, sich von seinem Wort im Evangelium ergreifen zu lassen, mit ihm zum Vater im Himmel zu beten, in seiner Hingabe am Kreuz, die im Brechen des Brotes gegenwärtig geschieht, uns selbst vor Gott bringen zu lassen. Das alles macht für uns Dreifaltigkeit aus, weil wir darauf vertrauen, dass Gott selbst in seinem Heiligen Geist wirkt und wir in den Leib Christi, die Kirche, hineingenommen sind, um mit ihm hineinzuwachsen in die Liebe, mit der Gott uns immer schon geliebt hat vom Anfang der Welt.