Predigt zum 33. Sonntag im Lesejahr A 1999 (Matthäus)

  • Datum: 14. November 1999
  • Bibelstelle: Mt - 25,14-30

[Eine Kiste vorbereiten, mit Steinen von ca. 40 kg füllen und oben mit dem Münzgeld der letzten Kollekte(n) bedecken. Das bietet einen Eindruck dafür, wie viel Silbergeld ein Talent ist. Für die Gemeinde ist solch eine greifbare Demonstration wichtig, weil die Assoziation des Wortes Talent = Begabung im Deutschen übermächtig ist.]

1. Das Gleichnis vom anvertrauten Geld

2. Anvertraut

3. Besitzen

a) Warum wird das Gleichnis so erzählt, dass der Diener mit dem kleinsten Teil leer ausgeht? Man hätte ja auch den mit den fünf Talenten zum ängstlichen Geld-Vergraber machen können und dafür den mit dem einen Talent als erfolgreichen Verwalter dastehen lassen können. Jesus aber erzählt das Gleichnis anders, weil es so viel besser unser Denken trifft. Wer von uns, Hand auf´s Herz, ist denn der Ansicht, er hätte für sein Leben zu viel anvertraut bekommen? Wer ist der Ansicht, er hätte zu viele Möglichkeiten, Chancen, Startkapital für sein leben? Viel häufiger ist es so, dass wir uns mit anderen vergleichen und die Ungerechtigkeit bemäkeln, dass andere so viel mehr bekommen hätten als wir. Dieser Neid, dieses Gefühl, selbst zu kurz gekommen zu sein, dürfte in der Haltung des Dieners eine entscheidende Rolle spielen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob wir "objektiv" zu kurz gekommen sind. Das Gefühl allein kann jede Initiative abtöten.

b) Beim Weltgericht werden die Völker vor Gott geführt, wenn jeder einzelne Rechenschaft für sich abzulegen hat. Wie werden dann wir Nachkriegsdeutschen und Nachkriegseuropäer dastehen? Kann man im Blick auf uns das Gefühl haben, wir hätten das ungeheure Vermögen unser Kultur, unserer Technik, unserer sozialen Ressourcen etc. wie ein anvertrautes Gut verwaltet und es gemehrt? Vielleicht ist es ja viel schlimmer noch. Wir haben es nicht einmal vergraben und so den Nominalwert gesichert. Wir haben uns am Vermögen unseres Herrn vergriffen und es für uns verbraucht, statt es zu vermehren.

c) Angenommen der Diener hätte versucht, seine fünfhunderttausend Euro zu investieren und es wäre schiefgegangen. Er hätte seinem Herrn sagen können: Ich habe das Geld in das Gummibärchen-Geschäft gesteckt, das galt immer als völlig krisensicher. Dann kam Greenpeace mit der Kampagne "Rettet das Gummibärchen" und der Gummibärchen-Weltmarkt ist zusammengebrochen. Sorry, nur diese zweihundertfünfzigtausend Euro habe ich retten können. Ich bin mir sicher, der Herr hätte ihn glimpflicher behandelt.