Das Mafia Spiel ( Nacht in Corleone)

0. Zielsetzung

Das Mafia-Spiel spielt einen Entscheidungskampf zwischen Guten und Bösen, der vorwiegend mit rhetorischen und argumentativen, aber auch mit analytischen Mitteln ausgefochten wird. Persönliche Überzeugungsfähigkeit ist dabei wichtig. In prozessähnlichen Situationen wird der Spieler gezwungen, um sein Leben zu reden. Meist kommt es dabei zu einem hohen Grad an Identifikation mit der eigenen Rolle, was den Spaß erheblich steigert. Wie im richtigen Leben, ist die Mafia als solche für Außenstehende nicht zu erkennen, denn Mafiosi spielen Tags die Gerechten, nachts morden sie heimlich - eine Versuchsanordnung, die auch dazu beiträgt, die Mechanismen realer Subversion zu begreifen.

1. Hintergrund

In Corleone treibt die Mafia ihr Unwesen, jede Nacht sucht sie sich aus den Reihen des guten Volkes ein Opfer, welches am nächsten Morgen nicht mehr erwacht. Die Bürger ihrerseits versuchen die Mafia zu bekämpfen, doch wer kennt sie? Niemand. Sie können jedoch durch geschickte Verhöre versuchen, die Mafiosi zu enttarnen. Diese kennen sich untereinander und beteiligen sich ‚eifrig' bei der Suche. Das geschieht untertags. Die Bürger treffen sich auf dem Marktplatz, setzen Verdächtige auf eine Liste und verurteilen einen zum Tode, natürlich ganz demokratisch. Die Bürger haben gewonnen, sobald alle Mafiosi tot sind, die Mafiosi haben ihr Ziel erreicht, sobald es mindestens gleich viele Mafiosi wie Bürger gibt.

2. Hilfsmittel / Vorbereitungen

Man benötigt einen großen Tisch, so dass jeder seine Mitspieler sehen und beobachten kann. Des weiteren braucht man zwischen sechs und zwanzig Mitspieler. Auf die Zusammensetzung von Guten und Bösen wird später genauer eingegangen. Zum zufälligen Verteilen der Bürger- und Mafiosirollen werden traditionell Skatkarten benutzt. Dabei braucht man die gleiche Anzahl Karten wie Spieler mitmachen. Sie werden gemischt und verdeckt ausgeteilt, jeder bekommt genau eine Karte, sieht sie sich an und merkt sich seine Rolle.

Gerecht oder Mafiosi ? (Rollenverteilung)

Je nach Anzahl der Mitspieler werden folgende Karten benötigt. Das Spielerverhältnis sollte ungefähr 3:1 (Bürger : Mafia) betragen. Das Verhältnis ist nur eine grobe Richtlinien und kann natürlich variiert werden, wodurch es leichter bzw. schwerer für die Mafia wird, ihr Vorhaben durchzusetzen. Folgende Karten symbolisieren die Rollen: Auf die Funktion des Spitzels komme ich später noch zu sprechen. Die Aufgabe der Bürger besteht darin, die Mafiosi zu entlarven und zu töten. Hierbei müssen sie jedoch vorsichtig vorgehen, das sie sich sonst als Mafiosi selbst verdächtig machen und vorzeitig in die Schusslinie geraten. Die Mafiosi haben das Ziel, nicht als solche enttarnt zu werden. Sie verdächtigen mit, lenken von sich ab und versuchen wie alle anderen am Leben zu bleiben.

Spielverlauf

Die erste Nacht (Der Akt der partiellen Zueinanderführung)

Der Spielleiter lässt es mit blumigen Worten Nacht werden ("Die Sonne über Corleone versinkt bei Capri im Toten Meer ..." oder ein ähnlicher periphrastischer Unfug). Die Spieler schlafen alle ein, d.h. sie halten sich die Augen zu und legen evtl. den Kopf auf den Tisch. (Hierbei ist Ehrlichkeit gefordert. Beobachtungen in dieser Phase zu sammeln ist streng verboten, weil das dem Spiel seinen Charme nimmt; was man da gehört oder gesehen hat, ist als Argument am Tage unzulässig! Die Mafiosi sollten diesen nächtlichen Akt mit möglichst wenig Bewegungen und Lauten hinter sich bringen.) Dann lässt der Spielleiter mit unheilsamer Stimme die Bösewichter erwachen ("Alles schläft, einsam wacht ... die Mafia: drei Häupter erheben sich ..."): Die Mafiosi öffnen ihre Augen und blicken einander an. Nun kennen sie sich gegenseitig und können im Spiel entsprechend handeln. Die Mafiosi werden darauf wieder vom Spielleiter schlafen gelegt; "Es wird Tag in Corleone, und das gesamte Volk erwacht."

Der erste Tag (erster Justizmord)

Die Tage sind immer eine Mischung aus öffentlichen Überlegungen, Ermittlungsverfahren und Gerichtsverhandlung. Es beginnt also ein allgemeine Diskussion (die der Spielleiter notfalls in Gang bringen muss) über die Frage, wer verdächtig sein könnte. Naturgemäß liegt zunächst nichts Belastendes vor, zumal nächtliche Beobachtungen wie schon erwähnt als Argument unzulässig sind. Dennoch wird vielleicht der eine oder andere sich anders als üblich verhalten, oder man kann ihm dies zumindest unterstellen. Durch Gespräche, Diskussion in der Gruppe, Äußerung von Vermutungen und Verdachtsmomenten, Bewertung der Aussagen oder Handlungen anderer Mitspieler usw. muss die Gruppe sich nun einigen, wer Mafiosi ist oder ob ein bestimmter Mitspieler zur Gruppe des Bürger gehört. Nach einer angemessenen Diskussionszeit kann man dann eine Anklage gegen einen Mitspieler erheben. Natürlich kann man sich dieser jederzeit versuchen zu verteidigen - aber nur mit Argumenten und Beschwörungen - die Karte zu zeigen, ist verboten. Per Abstimmung wird dann letztendlich ein Urteil gefällt, wer an diesem Tag öffentlich hingerichtet werden soll. Der Verurteilte dreht seine Karte um, so dass man sieht, ob er Bürger oder Mafiosi war. Direkt nach der Abstimmung lässt der Spielleiter alle noch lebenden (die bereits getöteten Personen dürfen die Augen offen lassen, dürfen aber auch keinen Einfluss durch Zeichen oder Hilfen auf das Spiel mehr nehmen und müssen stumm bleiben) Teilnehmer einschlafen, es beginnt ...

Die zweite Nacht (erster Mafia-Mord)

Die Mafiosi erwachen wieder und einigen sich nur mit stummem Blicken auf ein Mordopfer und geben es dem Spielleiter zu erkennen. Dann schlafen sie wieder ein und es tritt der Spitzel ins Spiel. (Dumm gelaufen ist es natürlich, wenn dieser bereits am ersten Tage verurteilt wurde) Der Spitzel gehört zur Gruppe der Bürger, öffnet seine Augen wie ihm geheißen und darf den Spielleiter (ebenfalls stumm) befragen, ob eine bestimmte Person zur ehrenwerten Gesellschaft der Mafia gehört oder nicht. Der Spielleiter signalisiert daraufhin dem Spitzel mittels Kopfbewegungen oder auf-/abwärtsgerichtetem Daumen die Gruppenzugehörigkeit der Person; durch Abzählen mit den Fingern kann er sicher gehen, dass er verstanden hat, wen der Spitzel gemeint hat. Hat dieser seine Information bekommen, schläft auch er wieder ein. Aufgabe dieser nicht ganz einfachen Rolle ist es, mit dezenten Hinweisen oder nachdenklichen Fragen die Ermittlungen in die richtige Richtung zu lenken, ohne als Spitzel aufzufallen, denn das würde ihn zum nächsten Mafia-Opfer machen. Er muss versuchen, mit dem zusätzlichen Wissen, das er besitzt, am Tage die Aktionen der Mafia zu beobachten und den Bürgern Auffälligkeiten bei der Personengruppe zukommen zu lassen. Es beginnt ...

Der zweite Tag

Alle Augen öffnen sich von neuem und alles wartet gespannt auf die folgenden Worte: "Es beginnt ein neuer Tag in Corleone, jedoch hat die Mafia in der Nacht XXXXX erhängt". Die in der letzten Nacht bestimmte Person ist somit offiziell tot und muss als letzte Handlung vor ihrem vollständigen Dahinscheiden noch ihre Karte umdrehen. Am zweiten Tag und allen darauffolgenden Tagen gibt es schon viel mehr Diskussionsstoff: Wer hatte wen am letzten Tag angeklagt, wie wurde abgestimmt, warum suchte sich die Mafia gerade dieses Opfer aus, gab es auffällige Allianzen usw. Das weitere Fortfahren gleicht dem des ersten Tages. In den weiteren Nächten begeht die Mafia nach dem gleichen Schema weitere Morde, der Spitzel darf den Spielleiter wiederum nach genau einer Person befragen. Der Ausgang der Abstimmungen entscheidet schließlich das Spiel: Wird das Verhältnis Bürger zu Mafiosi immer kleiner, wird es immer schwerer Mehrheiten zu finden. Sind einmal gleichviel Mafiosi wie Bürger im Spiel, hat das Volk so gut wie verloren; werden alles Mafiosi rechtzeitig als solche erkannt und öffentlich hingerichtet, hat die Gerechtigkeit gesiegt.

Anmerkung:

Der Spaß am Spiel geht auch dann nicht verloren, wenn man früh stirbt; denn nun erkennt man die Rollenverteilung und bekommt mit, mit welchen Methoden die Mafiosi versuchen, das unschuldige Bürgervolk, das seinerseits ja auch Vermutungen anstellt, um die Ecke zu bringen. Auch die Rolle des Spielleiters muss im Gegensatz zu vielen anderen Spielen hier nicht von Nachteil sein.

Gerade oder ungerade Spieleranzahl ?

Damit in den Tagrunden eine ungerade Anzahl an Mitspielern vorhanden ist, sollte mit einer ungeraden Spielerzahl begonnen werden. Dies hat auch den Vorteil, dass in der letzten Runde ein Mafiosi und zwei Spieler vom Volk übrig bleiben. Wird der Mafiosi entlarvt, hat das Volk gewonnen. Wird einer der beiden Spieler getötet, hat die Mafia gewonnen, da eine Nachtrunde folgt - und nicht anzunehmen ist, dass der letzte verbliebene Mafiosi jetzt einen Selbstmord begeht ;-). Bei zwei Mafiosi und einem Spieler der Gruppe Volk haben die Mafiosi gewonnen. Grund: Es sollte dem einzelnen Spieler des Volkes nicht möglich sein, bei dieser Konstellation eine Mehrheit zu finden. Ansonsten kann entweder in der ersten Tagrunde ein Doppelmord ausgeführt werden, d.h. es wird eine Nacht ausgelassen, oder es wird mit der Regelung des provisorischen Spielleiters gespielt.