Was ist ein Sakrament? - Abgrenzungen



Sakrament ist nicht Magie

Magie ist, wenn ich durch eine Handlung Gott zwingen will, etwas zu tun. Ob im Guten oder im Schlechten, immer läuft es darauf hinaus Gott (oder das Schicksal oder irgendeine "höhere Macht") zum Automaten zu machen: Wenn man nur das Richtige reingibt, kommt zwingend das Richtige raus. Das gilt auch für die Meinung, Gebete hätten eine bestimmte, festlegbare Wirkung: "Wenn Du das und das betest, wirst Du gesund!" oder "Weil Du heute morgen nicht gebetet hast, ist Dir dieses Unglück widerfahren." Magie ist eine schwere Sünde, denn sie verstößt gegen das Gebot "Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen".

Sakramente sind von Magie völlig verschieden.



Ein Sakrament ist mehr als nur ein Zeichen

Zeichen sind Dinge, die auf etwas Anderes zeigen. Verkehrszeichen funktionieren so. Ein Smily in der e-mail oder der SMS kann ein Zeichen sein "Ich fühl mich gut". Manche Zeichen haben eine Beziehung zu dem, was sie zeigen (wie das Smily, das ein fröhliches Gesicht andeutet), manche Zeichen gar nicht (wie das eckige Spiegelei an Vorfahrtsstraßen). Zeichen selber sind eigentlich nichts. Sie zeigen auf etwas anderes.

Sakramente sind auch Zeichen. Das Wasser der Taufe ist Zeichen für die Reinigung von Sünden. Die Salbung der Firmung ist Zeichen für die Würde der Gotteskindschaft usw. Sakramente sind aber Zeichen, die selbst etwas bewirken.



Sakramente sind wie ein Versprechen

Wenn ich einem anderen Menschen sage "Ich verspreche Dir....", dann ist das zunächst ein Satz wie jeder andere Satz auch. Es sind ein paar Schallwellen. Wenn ich dabei dem Anderen die Hand auf die Schulter lege, ist das auch nur ein Zeichen. Trotzdem passiert etwas, wenn ich den Satz ausspreche und die Hand auf die Schulter lege. Der Satz ist nicht nur Zeichen für etwas anderes, sondern verändert selbst die Wirklichkeit. Ich werde zu "Einem, der etwas versprochen hat" und der andere wird zu "Einem, dem etwas versprochen wurde". Die Eheschließung ist ein wichtiges Beispiel dafür.

Sakramente sind wie so ein Versprechen ebenfalls Zeichen, die etwas verändern, wenn sie gesetzt werden. Durch die Taufe und die Firmung werde ich ein Glied der Gemeinschaft der Kirche, durch das Brot, das ich esse, erhalte ich Gemeinschaft mit Christus, durch das Bekenntnis im Sakrament der Versöhnung und das Wort der Lossprechung ist meine Beziehung zu Gott erneuert, durch die Weihe wird einer zum Priester usw. Wie ein Versprechen wirkt ein Sakrament aber nur deswegen, weil da eine Beziehung da ist zwischen dem, der das Zeichen setzt und dem, an dem es geschieht.



Das Ur-Sakrament ist die Kirche als der Leib Christi in der Zeit

Das Zweite Vatikanische Konzil spricht von der Kirche als Ur-Sakrament, denn in der Kirche wird für jeden von uns die Beziehung zu Jesus Christus konkret und fassbar. So wie Gott in Christus Jesus Mensch geworden ist, so begegnet er dem Menschen konkret in einer Gemeinschaft, die nach dem Willen Jesu durch die Taufe und die Eucharistie entsteht. Die Sakramente können daher nicht "gezaubert" werden, sondern nur im Rahmen der Kirche gefeiert werden.

Jesus wurde gekreuzigt, weil er "mit Vollmacht" gesprochen hat: Er hat im Namen Gottes Sünden vergeben und die Gebote erklärt. Nach dem Zeugnis der Bibel hat Jesus die Jünger mit dieser Vollmacht ausgestattet, wenn er sie aussendet zu taufen, die Vergebung der Sünden zu predigen oder das Brot zu brechen um den Leib Christi zu empfangen. In den Sakramenten wird für den Einzelnen sichtbar und spürbar, dass er teilhat an der Gemeinschaft mit Jesus Christus durch die Gemeinschaft der Kirche.