['magis] das Konzept zur Gestaltung der Tage

magis - mehr mit Gott leben

['magis] ist seit dem Weltjugendtag 2005 in Köln das Stichwort für eine bestimmte Weise in der Tradition von Ignatius von Loyola ein gemeinsames Experiment zu gestalten. Der lateinische Titel magis (mehr) verweist auf ein dynamisches Prinzip der ignatianischen Spiritualität: Glauben verstehen wir als Weg mit Christus, als Wachstumsprozess und Befreiung zu immer mehr Gemeinschaft mit Gott. Wer schon einmal geistliche Übungen (Exerzitien) gemacht hat, weiß, wie wichtig es ist, eigene Gebetserfahrungen zu sammeln und sich darüber mit einem erfahrenen Begleiter auszutauschen. Auch bei ['magis] gibt es deshalb Zeiten für persönliches Gebet, Austausch und geistliche Begleitung.

In allem Gott suchen und finden

Gott ist Ursprung und Schöpfer. Alles, was existiert, hat in ihm seinen tiefsten Grund. Wenn wir das ernst nehmen, dürfen wir Gott nicht nur dort suchen, wo das Leben leicht und süß ist. Wir können die Wirklichkeit auch dort an uns heranlassen, wo sie schmerzhaft und unverständlich ist. Vertrauen wir darauf, auch dort Gottes Spuren entdecken zu können.

Das Experimentieren mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen in unserer Wallfahrts-Gruppe wird nicht immer mühelos sein. Das soll euch jedoch nicht entmutigen. Im Gegenteil, das Ziel von ['magis] besteht gerade darin, gemeinsam zu suchen und auszuprobieren, wie wir - bei allen Unterschieden und Eigenarten - miteinander und doch jeder für sich den Weg für sich und mit Gott zu suchen und zu finden.

Morgengebet und Fokus der Aufmerksamkeit

Jeder Morgen beginnt mit einem gemeinsamen Gebet. Dabei soll ein besonderer Impuls helfen, die Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Tagesakzent zu richten: der Fokus der Aufmerksamkeit. Vorbild dazu ist das Vorbereitungsgebet, mit dem in ignatianischen Exerzitien einzelne Meditationen beginnen. Ähnlich wie die "Punkte", die der geistliche Begleiter dem Exerzitanten für die Meditation vorlegt, werden euch beim Morgengebet Hilfen gegeben, um für den angebrochenen Tag das Wesentliche in den Blick zu nehmen.

Tagesrückblick und ['magis]-Runde

Die wichtigste Gebetszeit war für den heiligen Ignatius der tägliche Tagesrückblick. Dies geschieht auf der Wallfahrt am Abend, wenn wir im Rahmen des Gottesdienste Zeit haben werden, die Eindrücke und Erfahrungen des Tages mit einander zu teilen. Zugleich soll durch den "Focus der Aufmerksamkeit" der Tag vom Impuls und von der stillen Stunde an einen besonderen Akzent haben.

Wie läuft die ['magis]-Runde?

Wenn dies nicht schon im großen Kreis geschehen ist, sprecht ein Gebet zusammen oder singt ein Lied.

Nehmt Euch dann zu Beginn einige Minuten der Stille. Einer aus der Gruppe kann leise und langsam einfach Stationen und Zeiten des Tages aufzählen, um die Erinnerung anzuleiten.

Dann hat jeder Zeit, das zu sagen, was er oder sie sagen will: was hat mich heute besonders beeindruckt? was ist mir im Rückblick hängen geblieben oder wichtig? welche scheinbare Kleinigkeit ist es wert, festgehalten zu werden? was hat mich heute besonders berührt? Bitte keine Unterbrechungen oder Zwischenfragen. Hört einander zu, was dem oder der anderen wichtig ist.

Wenn es vereinbart wurde, ist in einer zweiten Runde (aber erst dann) die Möglichkeit Nachfragen zu stellen. Bitte nicht Kritik üben oder Widersprechen, sondern nur nachfragen, um besser zu verstehen.

Die ['magis] - Runde wird durch ein Gebet oder Lied, am besten immer auch mit einem Vater Unser geschlossen.

Worum geht es bei ['magis]?

Ziel dieser Gestaltung der Tage ist es, dass wir einander helfen, "mehr" aus dem Tag zu machen, damit die Erfahrungen jedes Einzelnen nicht vergessen werden, sondern ein Baustein sind für das Leben. Dieses "mehr" (lat. magis) klingt leicht nach mehr Leistung, Effizienz und Durchsetzungsfähigkeit. Genau so hat Ignatius von Loyola auch gedacht - am Anfang seines Pilgerwegs. Begeistert vom Leben der Heiligen dachte er: So will ich auch werden. Und nicht nur so wie sie: Ich setze noch eins drauf. - Ich, Ignatius, kann mehr.

Und Ignatius fällt so richtig auf die Nase. Ehrgeizig zieht er sich zurück in die Einsamkeit nach Manresa. Er fastet immer mehr, betet immer mehr, büßt immer mehr. Und erfährt immer weniger die Gegenwart Gottes. Bis er ganz unten angekommen ist. Bis er lernt: Was ich hier tue, das will Gott nicht. Gott will mehr - aber ein anderes Mehr.

Ignatius wird wieder ein Schüler und entdeckt ein neues magis. Keines, das antreibt immer mehr zu tun, sondern eines, das hilft, sich richtig zu entscheiden: Wie oft, so bemerkt er, muss ich mich nicht zwischen dem Guten und dem Schlechten entscheiden, sondern zwischen dem einen Guten und dem anderen, das auch gut ist. Wie oft wäre es gut, beides zu tun! In dieser Situation der Unsicherheit entdeckt Ignatius das magis neu - als eine Hilfe zur Entscheidung: Wähle das, von dem du urteilst, "es sei mehr zur Ehre Gottes".

Und was ist "mehr zur Ehre Gottes"? "Mehr", so Ignatius, "ist das, was uns mehr zu dem Ziel hinführt, zu dem wir geschaffen sind".

Was heißt das konkret?

1. magis ist das, was dich bewegt. Dich einzurichten und lieber alles beim Alten zu lassen ist sicher kein Zeichen für das Mehr. Nicht alles, was uns in Bewegung setzt, führt zu "mehr". Aber ohne Dynamik kein magis.

2. magis kann immer nur dein Mehr sein. Es gibt keine "magis-Messlatte", die für alle gültig ist. Das magis zu leben bedeutet zu versuchen, sich selbst kennen zu lernen und ein Gespür zu entwickeln, was für das eigene Leben stimmig ist.

3. magis heißt jedoch vor allem, sich der Führung Gottes anzuvertrauen. Wer bewegt wird und sich bewegt, nimmt sich oft viel vor. Das ist gut, aber im Grunde ist nicht so wichtig, was du meinst, noch alles tun zu müssen. Letztlich zählt dein Gespür für Gottes Phantasie. Das magis zu leben heißt: immer offener zu werden und immer mehr zu spüren, was Gott dir zeigen will. Und das kann durchaus etwas sein, was du für weniger gehalten hast.

So hat auch Ignatius am Ende seines Lebens nicht den Erfolg seiner Ordensgründung am meisten geschätzt, sondern sein größtes Glück war für ihn, dass er "immer mehr gewachsen sei, in der Leichtigkeit, Gott zu finden."