Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A 2011 (1.Petrusbrief)

  • Ort: Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg
  • Datum: 29. Mai 2011
  • Bibelstelle: 1 Petr - 03,15-18

1. Kulturkrankheit Depression

2. Unzerstörbare Freiheit

3. Ermutigende Hoffnung

 


 

Wer sterben kann, wer will den zwingen?

Eintragung von Kaplan Johannes Prassek vorne in sein Neues Testament im Gefängnis 1942

"Du, das ist einer der großen tragenden und beglückenden Gedanken meines jetzigen Daseins, dass ich mit all meinem Alleinsein, mit meiner Einsamkeit, mit der Unbequemlichkeit im Körperlichen und Seelischen, mit Hunger und Kälte und Schmerz schließlich doch nicht zur Untätigkeit und Sinnlosigkeit im Dienste am Reiche Gottes verurteilt bin, sondern dass gerade dadurch so viele Kräfte frei werden, die Gott dann anderen Menschen wieder zur Verfügung stellt. Wenn Gott mich als sein Werkzeug draußen in der Freiheit gebrauchen will, dann wird Er mich holen, und ich bin bereit. Wenn er aber lieber will, dass ich hier in aller Stille und der Abgeschiedenheit leben und wirken soll, dann ist auch das gut, Ja, Fini, ich bilde mir ein, dass es gar nicht nur Einbildung ist, wenn ich meine, Gott in diesem halben Jahre um ein ganz beträchtliches Stück nähergekommen zu sein, ein Stück, das ich im Trubel der Arbeit da draußen sicher nicht geschafft hätte. Und vielleicht habe ich dadurch auch schon für manchen Menschen ein Weniges von Gott erbitten können. Hab' keine Angst, ich bin kein Buddhist der im Nirwana sein Genügen sucht, ich habe aber sehr stark den Wunsch, in soweit Christ zu sein oder zu werden, dass ich aus ganzer Seele und ohne Nebengedanken und Abstriche noch einmal sagen kann: Dein Wille geschehe." (Johannes Prassek an Josefine Gunkel am 11. November 1942 aus dem Marstallgefängnis in Lübeck; zitiert nach der Materialsammlung des Erzbistums Hamburg 2010 zur Seligsprechung der Lübecker Märtyrer, S. 92)

"Und so ist die ganze ältere geistliche Generation. Im Geheimen kochen sie vor Wut und schimpfen wie die Rohrspatzen, aber wenn es gilt, offen zu bekennen, dann sind sie aalglatt, wissen von nichts, dienern freundlich, so dass sie sogar als Pg. angesehen werden. Da wird geklagt und gestöhnt über dauernde Verluste der Kirche, da wird geklagt, dass die Familien versagen und keine Opferbereitschaft zeigen. Wie aber sollen sie denn, wenn die Hirten am Schlafen sind?" (Johannes Prassek aus dem Gefängnis 1943; zitiert nach Voswinckel, Peter: Geführte Wege. Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild. Kevelaer, Butzon & Bercker 2010)