Predigt zum Sonntag Christkönig im Lesejahr A 2011 (Ezechiel)

  • Ort: Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg
  • Datum: 20. November 2011
  • Bibelstelle: Ez - 34,11-12.15-17

1. Ein Abschiedsbrief im Angesicht des Todes

2. Gott, der Hirt seines Volkes

3. Christus unser König

 

 


 

 

Brief von Kaplan Eduard Müller an seine Schwester Lisbeth, vom 10.11.1943, dem Tag seiner Hinrichtung am Hamburger Gefängnis Holstenglacis

Quelle: Erzbistum Hamburg

Meine liebe, liebe Lisbeth,

jetzt ist es soweit! In wenigen Stunden habe ich meinen Lebensweg vollendet.

Der Herr über Leben und Tod, Christus, mein König, holt mich heim zu sich. Die letzten Zeilen von dieser Erde sollst Du haben. Was soll ich Dir noch sagen, da ich in wenigen Stunden vor seinem Richterstuhl erscheinen muss!?

Vergiss mich nicht in Deinem Gebet, denn auch für alle mir einst Anvertrauten muss ich Rechenschaft ablegen. Noch einmal, zum letzten Mal, grüße ich Dich aus innerstem Priesterherzen.

Grüße auch alle Deine lieben Mitschwestern. Ebenso bitte ich Dich, alle lieben Geschwister und Verwandten in meinem Namen zu grüßen, und schreibe allen, dass es mein innigster Wunsch ist, dass wir uns alle im Himmel wiedersehen. Ich werde keinen oben vergessen, und vergesset auch mich nicht! Mögen sie doch alle den Weg zum Heiland zurückfinden!

Nun, meine liebe Schwester Lisbeth, lebe wohl. Gleich kommt noch einmal mein Heiland unter der Brotsgestalt zu mir, und dann darf ich Ihn, so hoffe ich, von Angesicht zu Angesicht schauen. -

Als kleines Andenken von Deinem Priesterbruder habe ich Dir meinen Rosenkranz zugedacht, der während meiner etwa eineinhalbjährigen Gefangenschaft mein treuer Begleiter gewesen ist. - Nun wollen wir den schweren Gang - der menschlichen Natur nach - gehen, und dann ist es aus dem Leid und Schmach, mit Kämpfen und Ringen.

Lisbeth, lebe wohl! Im Himmel sehen wir uns wieder. Mein letztes Wort: »Christus, unserem König, ewige Treue!« Zum letzten Mal grüßt Dich in der Liebe Christi

Dein Priesterbruder Eduard

Gerade eben erhalte ich Deinen Brief vom 24. Oktober. Das ist nun der letzte. Lebe wohl in Christus.

English Translation

Farewell-Letter from Fr. Eduard Mueller, Nov 10th 1943
"My dear, dear Lisbeth! Now the time has come. In a few hours, I will have finished my life. The Lord of life and death, Christ, my King, calls me home to him. The last lines to be written on this earth - you shall have it. What shall I tell you yet, since I need to appear before his  judgement seat  in a few hours? Do not forget me in your prayers, because  I will be put accountable for all those who where entrusted to me. Once again, the last time, I greet you from the depths of my priestly heart. (...)  I will not forget you from above, and you do not forget me! May they all find their way home to the Savior! Well, my dear sister, Lisbeth, farewell. In a few moments my savior will come to me in the form of bread, and then I hope to see face to face. (...)  Now we want to go the dark and heavy path - according to human nature - and then there will be an end to all the suffering and humiliation, the fights and struggle.  Lisbeth, farewell! In heaven we will meet again. My final words: "Christ, our King, eternal loyalty" - In the love of Christ I greet you the very last time, your priestly brother Edward!"
(Translation. Martin Löwenstein SJ)