Predigt zum 5. Fastensonntag Lesejahr C 2013 (Johannes) & Bemerkungen zur Papstwahl

  • Ort: Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg
  • Datum: 17. März 2013
  • Bibelstelle: Joh - 08,01-11

1. Verurteiler und Tolerante

An dieser Stelle ein paar aktuelle Bemerkungen:
Vielen ist aufgefallen, dass die Jesuiten weit weniger begeistert auf die Wahl des neuen Papstes reagiert haben, als manch andere. Das ließe sich zwanglos durch die These erklären, dass kein Prophet in seiner Heimat anerkannt werde - eine These, der ich allein schon der Prominenz ihres Urhebers wegen nicht widersprechen würde. Aber diese Zurückhaltung in der Begeisterung hat vermutlich auch andere Gründe.

Zunächst einmal liegt das in einem nüchternen Verständnis des Papstamtes, das nach den ersten Signalen zu urteilen, Papst Franziskus teilt. Der Papst ist erst einmal der Bischof der Kirche und Gemeinde von Rom. Da er damit auch Nachfolger des Hl. Petrus ist, kommt ihm eine besondere Aufgabe im Blick auf die Einheit der Weltkirche zu und die Aufgabe, seine Brüder im Bischofsamt zu stärken. Dass der Papst die Inkarnation der ganzen Kirche sei und alles andere nur von ihm abgeleitet ist, wäre eine Häresie. Und diese Fehleinschätzung des Amtes wird fatal, wenn sie sich mit einer Papalatrie (Papstverehrung) verbindet, die den jeweiligen Papst verehrt wie einen Popstar und Heiligen zugleich. Jesuiten versprechen Gehorsam gegenüber den Sendungen des Papstes, nicht um ihn schon zu Lebzeiten heilig zu sprechen. Zudem muss man gegenüber manchen Formen hysterischen Katholizismus betonen: Der Papst ist nicht dazu da, dass sich auch Katholiken begeistert fühlen dürfen, wie Teenager bei einem Justin-Bieber-Konzert. Ich rate uns als Kirche dringend dazu, dass wir uns von der Medienhype nicht anstecken lassen - es fällt eines Tages gewiss auf uns als Kirche und auch auf den Papst zurück.

Denn, das ist das zweite, natürlich hat auch dieser Papst eine Vergangenheit, die nicht nur glänzt. Wer so lange Zeit Verantwortung getragen hat, hat auch Fehler gemacht. Die geringere Begeisterung der Jesuiten über die Wahl hängt wohl auch damit zusammen, dass vielen von uns eben diese zunächst einmal vor Augen standen. Die Zeitungen haben ja schon begonnen, sich dieser Seite der Geschichte anzunehmen. Wer sich über den Jubel und die auswuchernden Sondersendungen zur Wahl gefreut hat, der wird jetzt auch die Beleuchtung der Schattenseiten aushalten müssen. Wir sollten in der Missbrauchsdebatte gelernt haben, dass überhöhte Selbstbilder vom Bösen sind. Ich gehe selbstverständlich (auch ohne jegliche Kenntnis in der Sache) davon aus, dass jemand, der 15 Jahre an der Spitze eines großen Bistums wie Buenos Aires gestanden hat, auch in der Leitung Fehler gemacht hat. Das ist doch weniger entscheidend als die Frage, wie man später damit umgeht. Das gilt genauso für die problematischeren Erfahrungen, die wir als Jesuiten mit José Bergoglio als jungem Provinzial der Jesuiten damals in Argentinien gemacht haben. Auch da gehen die Meinungen auseinander.

Man tut einem Menschen ebenso wie dem Papstamt dann Unrecht, wenn man ihn und das Amt blind in den Himmel lobt, und nicht, wenn man nüchtern die anstehenden Aufgaben angeht. Und damit wären wir wieder beim heutigen Evangelium.

2. Jesus und die Ehebrecherin

3. Urteilen und neu Anfangen