| Pfarrbrief St. Michael, Göttingen, 25. Juni 2000 | ![]() |
| Evangelium Mk 04,35-41 |
"Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief"
Der geruhsame Schlaf Jesu während des Seesturms, während das Boot mit Wasser voll läuft und die Jünger sich abmühen, wirkte nicht
nur auf die Jünger skandalös. Er ist es für uns nicht minder.
Die Frage dahinter heißt wahrscheinlich nicht "Wie kann jemand schlafen, während das Boot zu sinken droht", sondern: "Wie kann die Welt sich in sicheren Bahne drehen, wenn ich mich zur Seite lege und schlafe?" Die Stadt New York rühmt sich dieser Schlaflosigkeit: "The city that never sleeps". Längst ist die Schlaflosigkeit, die Ruhelosigkeit zum Kennzeichen aller Städte weltweit geworden.
Von Jesus weiß der Glaube, dass das "Besondere" an ihm seine Nähe zu Gott, dem Vater ist. Das ist das Geheimnis seines guten Schlafes. Wer keine Beziehung zum ruhenden Punkt des Kosmos, zu Gott als Schöpfer aller hat, der hat keinen Grund, auf dem er Halt findet. Der muss in ständiger Anstrengung wie im antiken Mythos der Atlas die Welt auf seine Schultern laden, aktiv sein, sich und seine Umwelt kontrollieren, damit ihn im Schlaf nicht Unheil überfällt.
Wie völlig unverständlich wird die Gestalt Jesu, der mitten im Seesturm im hinteren Teil des Bootes liegt und schläft, wenn wir vergessen, dass wir weder Ursprung noch Ziel des Universums sind! Wenn es an der Zeit ist, spricht Jesus das Machtwort gegen den Sturm. Aber nicht aus hektischer Betriebsamkeit, sondern göttlicher Ruhe.
Vgl. dazu die Adventspredigt zu Joseph Vilsmeier: "Schlafes Bruder"
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