| Predigt zur Trauung (Römerberief 12) |
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| Trauung eines konfessionsverschiedenen Paares 2003 |
Lesung: Röm 12,1-2.9-13
Evangelium: Lk 19,1-6 |
| Lesung
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| Lesung: Römerbrief 12,1-2.9-13: Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Schwestern und Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das
ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist:
was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist. Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger
Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen,
wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft!
Evangelium: Jesus im Haus des Zöllners Zachäus: Lukas 19,1-6: Jesus kam nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war
sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu
sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er
schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. |
1. Bindung
- Prüft man den Ring der Braut unter Feuer, erscheint darauf in alter
Schrift: "Ein Ring ihn zu knechten, / ihn abends zu finden, / nach
Hause zu treiben / und dort festzubinden". So zumindest wäre die
Variante, wenn wir von Thomas und Daniela den Sagenkranz von der "Herrin der
Ringe" erzählen würden. Es wäre die Erzählung einer Macht,
die aus der geheimnisvollen Tiefe kommt. Aber im Unterschied zum "Herrn der
Ringe", ist es keine dunkle Macht, sondern eine strahlend helle und schöne.
Ein Blick auf die Braut genügt, um sich des zu vergewissern.
- Und so ist der Ring auch nicht dazu da, dass Daniela in Bezug auf Thomas
künftig bestrebt ist, "ihn abneds zu finden, / nach Hause zu treiben /
und dort festzubinden". Er ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass Euch
etwas anderes an einander bindet. Etwas, das von Euch selbst kommt. Etwas,
das Ihr zu einem Teil von Eurem Leben gemacht habt und heute vor uns allen
im Bund der Ehe bestätigen wollt.
- Beide habt Ihr schon eine gute Wegstrecke Eures Lebens hinter Euch gebracht. Diese Jahre waren nicht vergebens, arm oder leer. Aber dennoch, wenn Ihr
von jetzt darauf zurückschaut, dann könnt Ihr entdecken, dass Ihr jetzt erst dabei seid die wahre Freiheit zu entdecken: Die Freiheit, das Leben einander zu
schenken, einander anzuvertrauen und sich zu trauen.
2. Erbarmen, Gottesdienst, Leib und Denken
- Drei Stichwörter stehen am Anfang der Lesung aus dem Römerbrief; eines davon war der Grund, warum ihr diesen Text ausgesucht habt.
Zunächst aber erst: "Erbarmen Gottes". Was Paulus Euch für Eure Ehe mit auf den Weg gibt, sind nicht persönliche, gut gemeinte Ratschläge. Vielmehr tut er
es "angesichts des Erbarmen Gottes", oder wie es wörtlich im griechischen Text heißt: durch das Erbarmen Gottes. Denn dies ist gleichsam der Raum, in den
hinein Ihr Euer Leben stellen könnt. Es ist der Boden, der Euch tragen will. Gottes Erbarmen bezeichnet das bedingungslose Angenommensein. Gott will
Euch, als Schwester und Bruder in der Gemeinschaft der Kirche, hineinnehmen in seine Gemeinschaft. Es braucht dafür keine Legitimation und keine
besondere Rechtfertigung als die eine: dass Gott es will. Der Liebesbund braucht sich nicht mit zusätzlichen Gründen zu verteidigen. Er nimmt den und die
andere an, so wie sie sind.
- Das zweite Stichwort ist "der wahre und angemessene Gottesdienst". Gottesdienst, mag man meinen, ist das was wir hier in der Kirche feiern. Ja, das ist es,
auch. Aber Paulus sieht, dass dieser Gottesdienst und auch diese Feier heute nur hinführt zu dem einen wahren und vernünftigen Gottesdienst, mit dem Ihr
Euer Leben in das Erbarmen Gottes stellt. Und in eben dieser Weise ist auch die Feier der Hochzeit nur der Gottesdienst, der ausstrahlen soll auf den wahren
Gottesdienst: Euer gemeinsames Leben. Dort findet Eure Hochzeit und Eure Ehe statt. Der Lobpreis Gottes, das Gebet und der Segen ist nur der verdichtete
Ort, an dem das sichtbar gesagt und gefeiert wird, was das Leben selbst ist. Nur wenn Ihr Euer Leben als Gottesdienst, als Liebesdienst an einander feiert,
nur dann wird sichtbar, woher der feierliche Gottesdienst seine Motivation erhält und worauf hin er abzielt.
- Das dritte Stichwort heißt "Denken". Paulus fordert Euch auf: "erneuert euer Denken"! Das macht darauf aufmerksam, dass er zunächst gesagt hat, Ihr möget
Euch selbst "als lebendiges und heiliges Opfer darbringen". Wörtlich heißt es in der Bibel: Ihr sollt Euren Leib darbringen. Das ist nicht wenig. Denn mit
dem Wort "Leib" meint Paulus nicht weniger als das ganze Leben, ganz konkret, mit dem was wir sind. Dem stellt er dann das Denken gegenüber. Wir können
den Bund der Liebe nur leben, wir können mit unserem Leib und Leben den wahren Gottesdienst, Tag für Tag, nur vollziehen, wenn wir ausbrechen aus
Denkgewohnheiten, die um uns herum üblich sind: Wo das Haben-Wollen und der Egoismus die prägende Kraft ist. Ihr müsst Euch anstecken lassen von
einem neuen Denken, "damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist." Ihr müsst Euch
aufmachen auf die große Reise, das Leben prägen zu lassen von der Liebe.
3. Gefunden
- Wir feiern Eure Hochzeit als Sakrament. Das Ja-Wort, das Ihr Euch gebt,
ist für Euch und für uns alle ein Zeichen, in dem Gott selbst wirkt.
Noch vor dem Ring, den Ihr Euch ansteckt, hat Gott Euch in den Ring seiner
Gemeinschaft und seines Erbarmens hinein genommen.
- Es mag uns Menschen so vorkommen, als seien wir diejenigen, die uns Gott
gesucht oder ausgesucht haben. Es mag sein, dass mancher sich vorstellt, dass
Ihr einander gesucht und ausgesucht habt. Vielleicht so wie der kleine Zachäus,
der auf einen Baum gestiegen ist, um Jesus zu sehen. Das war er selbst, der
das getan hat, in der Tat. Aber als er Jesus gefunden hatte, als Jesus in
sein Haus eingekehrt ist, als Jesus bei ihm zu Gast war, hat er gemerkt und
gespürt, dass dies kein Zufall war, sondern das Ziel, auf das sein Leben
zugelaufen ist.
- In eben der Weise wünsche ich Euch und bete für Euch, dass Eure
Ehe, Eure Gemeinschaft und Eure Liebe, in der Ihr zu einander gefunden habt,
etwas ist, von dem Ihr spürt, merkt und wisst, dass diese Liebe Euch
gefunden hat. Es war kein Zufall. Es ist die Weise, in der Gott Euch dafür
bestimmt hat, den Gottesdienst Eures Lebens miteinander zu feiern. Mit ganzem
Leib, mit erneuertem Denken, Tag für Tag. Diese Gewissheit, soll Euch
tragen. Amen.
Fürbitten
P: Lasst uns beten zu Gott, der die Liebe ist, und dessen gütige Hand
uns im Leben führt.
Für Th. und D. Dass ihre Liebe weiter wachse dass sie auch in schweren
Stunden füreinander da sind und immer wieder neu zueinander finden.
Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns.
Für alle Familien: Dass Eltern und Kinder in Liebe und gegenseitiger Achtung
zusammenstehen und so eine Gemeinschaft sind, in der einer des anderen Last
mitträgt.
Gemeinde: Wir bitten Dich. erhöre uns.
Für alle Menschen: Dass sie nicht in steter Angst und Sorge leben, sondern
das Geschehen eines jeden Tages dankbar annehmen und aus dem Guten, das sie
anderen tun, auch für sich Freude und Zuversicht schöpfen.
Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns.
Für A.B. und E. V., die wir an einem Tag wie heute gern dabeihätten
und für alle anderen, die diese Welt schon verlassen haben: dass sie, die
wir nicht vergessen können, für immer in Gottes Frieden geborgen sind.
Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns.
Für die Kirchen, die Jesu Christi Namen tragen:
Dass sie offen sind für jede Zeit und jede Kultur, dass sie den Menschen
keine toten Lasten aufbürden, sondern ihnen nach Jesu Beispiel helfen,
glücklich und voll Hoffnung zu leben.
Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns.
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