Studentengottesdienst: "Bleiben in Christus" IHS - Jesuiten
Gottesdienst zur Semestereröffnung am Fachbereich kath. Theologie der Uni Frankfurt, 18. April 2007
Evangelium: Mt 7,24-27
Predigttext: 2 Kor 4,16-18

1. Regression

Als ich sah, welche Texte die Vorbereitungsgruppe ausgesucht hat, habe ich sofort meine Psychoanalytikerin angerufen. Telefonate nach New York sind heutzutage ja nicht mehr so teuer. Die fachliche Analyse hat meine Vermutung bestätigt: Ein deutlicher Fall von narzisstischer Regression.

Der 'Baum am Wasser' ist noch harmlos. Aber er ist fest eingepflanzt, anders etwa als der Hirsch, der sich am Wasser stärkt um fortzuspringen. Im Evangelium kommt es dann gehäuft: bleiben, bleiben, bleiben. Da sehnt sich doch jemand nach der vorgeburtlichen Geborgenheit zurück. Vielleicht ist das bei religiösen Menschen ohnehin so, dass sie der Freiheit nicht gewachsen sind.

Der haarstreubenden Wissenschaftlichkeit solcher Analyse entspricht dennoch eine reale Gefahr. Es gäbe genug Gründe, sich zurück zu ziehen. Die monatelangen Proteste gegen Studiengebühren haben nichts gebracht, weder in der Anfangsphase, als Tausende sich beteiligt haben, noch in der späteren Phase, als Hunderte kreativen Protest übten. Und ähnlich geht es vielen auch sonst. Es bringt nichts, sich zu engagieren; Rückzug in den lebbaren Innenraum ist angesagt. Warum also nicht sich einpflanzen wie ein Baum und bleiben, bleiben, bleiben?

2. In Christus bleiben

Die Psychoschnellanalyse wird der Hl. Schrift nicht gerecht. Schon bei dem kurzen Text aus dem Buch des Propheten Jeremia geht es um eine konkrete Alternative: Auf menschliche Herrschaft zu bauen oder auf Gott. Das Heil aus den Machtspielchen der Koalitionen und Trends zu erwarten oder von dem lebendigen Gott. Dafür steht der Vergleich zwischen trockener Steppe und dem Baum, der am Wasser gepflanzt ist.

Auch das Bleiben in Christus ist dynamisch. Als die ersten beiden Jünger vom Täufer Johannes zu Jesus geschickt werden, fragt dieser sie, was sie denn von ihm wollen. Sie fragen ihn: "Meister, wo ist deine Bleibe" (Joh 1,38). Dann aber geht es nicht um das Bleiben in seinem Haus, sondern um die erste Erfahrung des Bleibens "bei ihm".

Schnell lernen die Jünger, dass das 'Bleiben in Christus' bedeutet, mit ihm unterwegs zu sein. In seiner Abschiedsrede konkretisiert Jesus denn auch: "Bleibt in meiner Liebe", was ja bedeutet, dass wir in einer lebendigen Beziehung bleiben dürfen, wir auf unserem Weg mit ihm.

3. Frucht

In Christus bleiben wird hier konkret. Hier am Fachbereich Katholische Theologie sind Sie Kirche. Zumindest auch hier üben Sie ein und hier leben Sie es, denn natürlich geht das gemeinsame Leben in Christus weiter, als die Gemeinschaft der Studierenden an der Uni. Aber es ist für mich kein Zufall, dass Studierende in diesem Fachbereich die Erfahrung machen, dass man sich kennt und anders mit einander umgeht. Hier können Sie Ihren Beitrag dazu leisten und hier können Sie das Getragensein durch andere erfahren. Auch ganz konkrete christliche Haltungen kann man hier einüben, etwa in Bezug auf die Schriftgelehrten aufmerksam darauf zu achten, auf das was sie sagen, aber nicht nachzuahmen, was Sie tun :)

Jesus hat euch "dazu bestimmt dass ihr euch aufmacht". Dazu bleiben wir in seiner Liebe. Das bedeutet doch, dass wir in immer neuer Meditation seines Lebens, im immer neuen Empfang seines Leibes im gebrochenen Brot und im lebendigen Gebet die Mitte finden, die es uns ermöglicht, furchtlos rauszugehn.

So ist das Ziel dieser Beziehung die Frucht: "Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt." Frucht bedeutet ein verändertes Leben, veränderte Beziehungen, eine Kirche der Aktiven, die fähig ist, in ihrer Umgebung und in dieser Welt etwas zu verändern. Das ist ein großes Programm. Aber diesem Programm gilt die Verheißung Jesu an die, die er seine Freunde nennt: "Dass eure Frucht bleibt"! Amen.

Veröffentlicht nur im Internet vorbehaltlich einer Überarbeitung
Anregungen und Kritik bitte an Martin.Loewenstein@Jesuiten.org