Studentengottesdienst: Frankfurt: Fremde oder Heimat?IHS - Jesuiten
Ökum. Gottesdienst zur Semestereröffnung FH Frankfurt, Koselburg 17. Oktober 2004
1. Lesung Lev 19,2.33-34.37
2. Lesung Hebr 11,01-02.08-19

Frankfurt: Fremde oder Heimat?
(Philipp Müller, ESG an der FH Frankfurt,
2. Teil nach Anregungen von Pastor Hans-Ulrich Hofmann, Christuskirche am Merianplatz)

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer. 13,14

Frankfurt: Fremde oder Heimat? diese Frage bildet den thematische Hintergrund für unseren Ökumenischen Semesteranfangsgottesdienst.

Mehr als 1.500 Studierende haben in diesem Semester das Studium an der FH aufgenommen! Ca. 300 von ihnen kommen aus einer anderen Stadt, aus einer anderen Region oder gar aus einem anderen Land oder Kontinent. Wie die insgesamt 2000 der fast 10.000 Studierenden an der FH - Frankfurt.

Wie ist das wenn man neu ist in der Weltstadt Frankfurt. Nur einen Koffer in der Hand oder gar nur eine Plastiktasche mit dem Notwendigsten im Glauben im reichen Deutschland wäre der Erwerb von Gütern der Wohlstand kein Problem.

Wie ist das
• ohne Familie, ohne Freunde, in einer anderen Kultur- in der Fremde?
• wenn dann schon das finden einer Bleibe zum Problem wird,
• in einer Stadt in der rechnerisch 20 Hochhäuser an Bürofläche leer stehen,
• in der die Wartezeit auf einen Platz im Studentenwohnheim für manche Nationalitäten mehr als 2 Jahre beträgt.

Im vergangen Jahr gab es in Frankfurt rund 150.000 Umzüge, Zuzüge und Wegzüge. Eigentlich müsste man Umzugsunternehmer sein! In den letzten 15 Jahren hat sich rein rechnerisch die Bevölkerung in Frankfurt komplett ausgetauscht. Wobei es genau gesehen so ist, dass etwa die Hälfte der Einwohner sehr sesshaft ist, also schon über 15 Jahre hier wohnt, während die andere Hälfte desto schneller rotiert und den Wohnort wechselt.

Aber es gibt auch die andere Hälfte, die Zugvögel. Elisabeth Schweeger, seit 2 Jahren Intendantin des Frankfurter Schauspiels, ist so ein Zugvogel. Sie lebte vorher in Wien, Paris und München. Über Frankfurt sagt sie: "Diese Stadt ist anders. Frankfurt ist keine Stadt, die Heimat bietet. Aber genau das ist ihr Reiz. Heimatlosigkeit, das Umherziehen von Stadt zu Stadt, dem Job hinterher, das Verweilen am Ort für ein paar Jahre, so sieht die Zukunft aus, und in Frankfurt ist das schon zu besichtigen. Natürlich ist das schwerer, und manchmal auch härter.“

"Frankfurt ist keine Stadt, die Heimat bietet. Aber genau das ist ihr Reiz.“ Ein provokanter Satz. Das wäre interessant, wenn wir jetzt darüber diskutieren könnten, welche Lebensform sie mehr reizt. Und vielleicht wird es manche geben, die gerne das Lager wechseln möchten, die einen, die an der Fremdheit und Einsamkeit leiden und sich nach einer festen Heimat sehnen, und die anderen, denen es langsam zu eng und zu langweilig wird und die was Neues suchen…..