Studentengottesdienst: "Liebst Du mich?" (Lola rennt) IHS - Jesuiten
Kommunitätsmesse Seminar Sankt Georgen/Frankfurt/Main
"Studentenwohngemeinschaft Pedro Arrupe", 26. Januar 1999 .
Joh 21,15-19
Zur Filmpredigt: Tom Tykwer: Lola rennt ; ->> Link zum Film: Link zum Film
Zum Hintergrund:
Diese Texte sind an einem Wochenende der "Studentenwohngemeinschaft Pedro Arrupe" in Frankfurt/Main im Winter 1998/99 entstanden. Dabei sollten Motive aus dem Film genutzt werden, um einen Gottesdienst thematisch zu gestalten.
Die Interpretation des Films greift im Wesentlichen zwei zentrale Themen auf: Zeit und Zufall. Schon die formale Struktur des Films wird ganz durch das Zueinander dieser beiden Themen bestimmt. Die sehr begrenzte Zeit (im Film 20 Minuten) setzt den Rahmen, in dem sich die Handlung des Lebens abspielt. Die drei Versionen malen im Grunde genommen aus, wie der "Zufall" einiger weniger Sekunden, über den Fortgang der Lebensgeschichte, ja über Leben und Tod entscheiden können. Gleichzeitig wird aber gegen ein Ausgeliefertsein an den Zufall das "Nein" gesetzt, mit dem Lola und Manni den (tödlichen) Ausgang der ersten beiden Versionen ihrer Geschichte zurückweisen. Der "Realismus" dieses Schnitts besteht natürlich nicht in der Möglichkeit, die Geschichte noch einmal von vorne beginnen zu können, wohl aber darin, dass der sogenannte "Zufall" eben nicht das letzte Bestimmende ist. Das, was "zufällig"geworden ist, wird immer Teil der Lebensgeschichte eines Menschen bleiben. Darüber steht aber noch einmal die Kraft des Menschen, das Leben anzunehmen.
Eine Filmpredigt darf beim Zuhörer nie voraussetzen, dass er den Film gesehen hat. Vielmehr muss versucht werden, Themen eines Films so in einem neuen, den christlichen Glauben deutenden Rahmen einzubetten, dass es für die, die den Film gesehen haben zu einer neuen Sicht des Films führt, für die, die ihn nicht gesehen haben, aber immer auch eine Bereicherung ihres Glaubens mit neuen Einsichten, Bildern, Motiven ist.
Bei dem Gottesdienst zu "Lola rennt" wurde im Rahmen der Predigt der Dialog eingeblendet, der zwischen die ersten beiden Episoden des Films geschaltet ist (von der Mini-CD, die dem Buch zum Film beiliegt). Anschließend wurde der Dialog aus dem Film umgewandelt in einen Dialog, der unmittelbar an das Evangelium Joh 21 anschließt: Ein Dialog zwischen Petrus und Jesus um den "Zufall" unserer Berufung, der auch mit dem "Zufall" zu tun hat, dass wir an diesen Jesus Christus glauben. Ist der Glaube dadurch wertlos?

Einzug Lied: Das ist das Fest, das uns der Herr bereitet

Eröffnung (Das Semesterthema lautet: Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Dies ist das Geheimnis der Liebe eines Gottes, der uns nahe ist in unserer Freude und in unserer Trauer. Diese Liebe und Nähe Gottes, müssen wir uns nicht verdienen: sie wird uns geschenkt. Darin sind wir eingeladen, die Liebe des Gottes, der selbst die Liebe ist, zu lernen: eine Liebe, die den anderen mit leeren Händen und offenem Herzen begegnet. So ist die Liebe, die wir von Gott lernen, immer auch ein Auftrag)

Kyrie
1. Herr Jesus, du hast uns geliebt, noch bevor wir dich geliebt haben.
2. Herr Jesus, du setzt in uns Vertrauen, obwohl wir schwache Menschen sind.
3. Herr Jesus, du nimmst von uns die Sorge, nicht geliebt zu werden.

dazu jeweils eine Strophe Lied: Herr, erbarme Dich unserer Zeit

Tagesgebet Gott, unser Vater. Du hast uns deinen Sohn gesandt, damit wir deine Liebe erfahren können. Angesichts unserer Versuche, uns durch unsere Leistungen diese Liebe zu verdienen, bitten wir dich: Lass deine Frohbotschaft in unseren Herzen Wurzeln schlagen, damit sie uns Halt gibt. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung 1 Joh 4, 7-16
Zwischengesang Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen
Evangelium Joh 21,15-19 (Der Auferstandene fragt Petrus: Liebst Du Mich?)


Predigt"Liebst Du mich?" (in Notizen)

1 Joh 4, 7-16, Joh 21,15-19

1. Die dreifache Frage Jesu an Petrus: Liebst Du mich?

2. Der Zweifel am Zufall: Liebst Du mich?

Eingespielt: Dialog Manni und Lola
(CD, liegt dem Buch zum Film bei)

Gelesen Dialog Petrus und Jesus:

Jesus und Petrus - ein fiktiver Dialog

Jesus, Sohn der Maria, liebst Du mich?
Na sicher!

Wie kannst Du sicher sein?
Weiß nicht, ich binīs halt.

Aber ich könnte auch irgendein anderer Fischer sein.
Nee.

Wieso nicht?
Weil du der beste bist.

Der beste was?
Na der beste Petrus.

Von allen, allen Fischer vom See Genesareth
bin ich der beste Felsen für deine Kirche?
Klar.

Woher willst du das wissen?
Ich weiß es halt.

Und wenn du mich nie getroffen hättest?
Was wär dann?

Dann würdest du jetzt dasselbe einem anderen erzählen.
Was erzähl ich denn?

Dass ich der beste bin, und so.

3. Rennen um die Liebe


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. Joh 21,15-19

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes,
liebst du mich mehr als diese?

Er antwortete ihm:
Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Lämmer!

Zum zweitenmal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm:
Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!

Zum drittenmal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig,
weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte:
Hast du mich lieb?
Er gab ihm zu Antwort:
Herr, du weißt alles;
du weißt, dass ich dich liebhabe.

Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!

Amen, amen, das sage ich dir:
Als du noch jung warst,
hast du dich selbst gegürtet
und konntest gehen, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist,
wirst du deine Hände ausstrecken,
und ein anderer wird dich gürten
und dich führen, wohin du nicht willst.

Das sagte Jesus, um anzudeuten,
durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde.
Nach diesen Worten sagte er zu ihm:
Folge mir nach!


Fürbitten

Gabenbereitung Die Teilnehmer werden aufgefordert, das Brot in die Schale zu legen
(wie Kommuniongang; thematisch: wie Gabengebet)
dazu: Instrumentalmusik

Gabengebet Herr, unser Gott, mit diesem Brot und mit diesem Wein bringen wir unser Leben vor dich. Auch wenn vieles darin nur zufällig und unvollkommen erscheint, so sind diese einfachen Gaben doch Ausdruck unserer Liebe zu dir. Nimm sie an und schenke sie uns wieder als Speise zum Leben. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Präfation In Wahrheit ist es würdig und recht, dich Gott und Vater zu loben. Denn du hast die Kirche auf der Liebe des Petrus gegründet. Ihm, der deinen Sohn dreifach verleugnet hat, wurde das Werk des Glaubens anvertraut. So können wir unvollkommene Menschen Mut zur Liebe finden und im Glauben unsere Hoffnung auf dich setzen. Darum loben wir dich mit allen Engeln und Heiligen und stimmen ein in ihren immerwährenden Lobgesang.

Sanctus Lied: Heilig, der da war
Hochgebet 2. Hochgebet für besondere Anliegen
Vater Unser gesprochen
Agnus Dei Lied: Würdig das Lamm
Dank Lied: Ein Licht in dir geborgen

Schlussgebet Gott, du Quelle aller Liebe. In dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Durch die Teilnahme am Sakrament des Altares weckst du in uns deine Liebe. Hilf uns, sie zu erkennen, damit wir fähig werden, aus ihr zu leben. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Segen
Schlusslied Lied: Bleibe, Herr, jetzt bei uns

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