| Examensfeier der Lehramtsstudierenden der Universität Frankfurt
27.Juni 2009 |
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| Evangelium Mt 23, 8-10 |
1. Kernstück
- Der kurze Abschnitt aus dem Evangelium bringt knapp das Wesentliche auf den
Punkt. Es ist keine Zugabe, sondern Kernstück und Schlüssel.
- Dabei sollte man denken: Kernstück des Evangeliums ist, dass Gott Liebe
ist, dass Gottes Liebe in Jesus Christus unter uns erschienen ist, in seinem
Leben, Kreuz und Auferstehung, und dass wir berufen sind, diese Liebe zu leben,
in Nächstenliebe und Feindesliebe.
- Ja, das ist das Kernstück. Aber die drei kurzen Verse heute reden davon,
wie das überhaupt geht und was dafür Voraussetzung ist. Und zwar unabdingbare
Voraussetzung. Denn Voraussetzung für Liebe ist Freiheit. Nur in dem Maße,
in dem wir frei sind, geht das.
2. Nicht Rabbi, nicht Vater, nicht Lehrer
- Die erste Freiheit ist die Freiheit von Anerkennung. "Ihr sollt euch nicht
Rabbi nennen lassen." Unter den Jüngern Jesu sollen wir uns nicht
zum Meister machen lassen, der von allen Anerkennung bekommt. Nicht weil Anerkennung
etwas Schlechtes wäre. Sie tut jedem gut! Sie ist aber auch die süße
Falle. Wenn wir sie nicht in Freiheit annehmen, machen wir uns abhängig
vom Applaus der Anderen. Schleichend machen wir das, was andere gut finden und
nicht das, was wir für gut und richtig halten.
- Die zweite Freiheit ist die Freiheit von Herrschaft. "Ihr sollt niemanden
unter euch Vater nennen auf Erden". Das klingt hart und kann hart sein.
Denn "Vater" steht nicht nur im alten paternalistischen, und gerade in der katholischen
Kirche verbreiteten Weltbild für Autorität, aber auch Sicherheit und
Geborgenheit. Meine Erfahrung ist, dass Jesu Skepsis gegenüber den Vätern
auch heute noch aktuell ist. Bei der zweiten Freiheit geht es nicht um "sich
Vater nennen lassen" - das darf man. Es geht - aktiv - um das "jemanden
auf Erden Vater nennen". Ebenso wie im Politischen "der Herr" -
damals der Kaiser - so ist auch im Existentiellen der Vater die Gefahr, dass
ich mich von anderen her definiere, obwohl auch sie nur irdisch sind. Deswegen
ist Christus der Herr und nut Gott der Vater.
- Die dritte Freiheit ist die Freiheit von Selbstüberhebung. "Ihr sollt
euch nicht Lehrer nennen lassen", klingt paradox bei einem Examensgottesdienst
für Lehramtsstudierende. Aber gerade in der überspitzen Form ist die
Warnung Jesu für Lehrer zentral: Ja, ihr habt einen Wissensvorsprung gegenüber
den Schülern. Aber die Rolle des Lehrers erfordert die ständige selbstkritische
Reflexion, ob ich in der Rolle des Lehrers die Freiheit der Schüler achte.
Leicht ist man versucht, die Überlegenheit des Lehrerberufes auszunützen.
Aber wenn ich andere ihrer Freiheit beraube, mache ich mich selbst zugleich
unfrei.
3. Schwestern und Brüder, ein Vater im Himmel, Christus
- Freiheit ist Voraussetzung für jede Form von Liebe, auch von gesunder
Selbstliebe. Gerade auch für die Selbstliebe ist es das große Geschenk,
dass wir unseren "Rabbi" und "Meister" im Himmel haben und
unter einander nicht auftrumpfen müssen um die Anerkennung. Mit der Taufe
sind wir berufen, unter einander Schwestern und Brüder zu sein.
- Zum Volk Gottes zu gehören, bindet nicht an andere Menschen, sondern
nur an Gott - das gerade macht frei gegenüber allen irdischen Autoritäten.
Ob Sie fürderhin ihren Erzeuger "Vater" nennen wollen oder die Anrede dem
himmlischen Vater vorbehalten, müssen sie selbst sehen. Aber von der Sache
her ist es das Geschenk, dass wir alle zusammen gegenüber den Herren Vätern
auf Erden den einen Vater im Himmel haben, der die Autoritätsansprüche
der irdischen Väter begrenzt.
- Und schließlich haben wir in Christus einen Lehrer. Nicht nur durch
das, was Jesus gesagt hat, sondern vor allem durch sein Leben in Hingabe und
seine Auferstehung öffnet er uns das große Tor der Freiheit. Er hat
Barmherzigkeit und Vergebung gelehrt, und das bewahrt uns vor Selbsttäuschung
und Selbstüberhebung. Er hat die Hingabe gelebt, und das ist das Geschenk
an uns, dass wir darauf bauen können. Wir werden uns nicht verlieren, sondern
Freiheit und Leben gewinnen, wenn wir auf diesen Segen bauen. Amen.
Fürbitten
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