Predigt zur Beerdigung (Matthäus 6) IHS - Jesuiten
Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz
Evangelium: Mt 6,19-21
Lesung - Predigt - Orationen - Fürbitten - alternative Predigt
Predigttext: Von der falschen und der rechten Sorge: Mt 6,19-21: Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Liebe Frau Klein, als wir über die Frage sprachen, welchen Text aus der Bibel ich heute lesen solle, meinten Sie: Vielleicht etwas aus der Bergpredigt. Liebe Verwandten und Freunde von Wolfgang Klein. Das kurze Evangelium, das Sie eben gehört haben, stammt aus der Bergpredigt, auch wenn es zu den unbekannteren Teilen gehört.

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Diesen Satz darf ich, so scheint mir, auch umgekehrt lesen: Die wahren Schätze sammeln wir nicht bei der Bank oder in Anlagen und Immobilien. Die wahren Schätze sammeln wir in den Herzen.

Dieser Schatz ist nicht immer nur eintönig. Nicht nur Gute Erfahrungen sammeln sich dort an. Aber wichtiger ist doch, was am Ende zählt: Das ist das viele Gute und die viele Liebe. Das ist ein wahrer Schatz.

Nur: In dieser Stunde spüren die, die mit Wolfgang Klein zusammengelebt haben etwas anderes: Im Herzen ist die Erinnerung an einen Ehemann, der viele Jahre gemeinsamen Lebens bedeutet, im Herzen ist die Erinnerung an den Vater, der jetzt so schmerzlich fehlt.

Im Herzen ist ein Schatz. Aber er selbst ist nicht mehr da. Und je größer der Schatz ist, der sich in den Herzen seiner Familie angesammelt hat, desto größer wird der Verlust gespürt.

Ich vermute wohl richtig, dass dieses Gefühl Sie, liebe Frau Klein, bewogen hat, den Satz von Jean Cocteau über die Mitteilung vom Tod ihres Mannes zu schreiben: Das wahre Grab der Toten ist das Herz der Lebenden.
Jean Cocteau kreist in seinen Romanen und Gedichten immer wieder um die Fragen von Leben und Tod. Und er weiß, dass es ein Leben gibt, das dem Tod näher ist als das wahre Leben. Er weiß aber auch, dass der Tod dem Leben näher ist, als der äußere Schein es wahrhaben will. Das wahre Grab der Toten ist das Herz der Lebenden.

Für Jean Cocteau als wieder-bekehrten Christen hatte dies noch eine Dimension, die alles private übersteigt: Im Glauben wissen wir vertrauend, dass unsere Toten in das Herz Gottes hinein begraben sind. Das Evangelium, das wir gehört haben, hat dafür den Namen "Himmel". Und weil Gott der Gott der Lebenden ist, darf ich Ihnen versichern: Das wahre Grab Ihres verstorbenen Ehemannes und Vaters ist im Herzen des Lebens, zu dem jedes Herz, das lebt, einen Zugang hat. In Gott stirbt keine Gemeinschaft, die auf dieser Erde auf Liebe gegründet wurde. Amen.

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