| Predigt zur Beerdigung (Matthäus 18, 1-5) |
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| Im liebenden Blick auf Gott sind wir denen nahe, die wir lieben. |
Lesung 1 Joh 2,24-3,2
Evangelium: Mt 18, 1-5 |
| Lesung
- Predigt - Einleitung
- Fürbitten - alternative Predigt |
| Predigttext: Der Rangstreit der Jünger: Mt 18,1-5: In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind
herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. |
| Zum Hintergrund: Die Verstorbene hinterlässt einen erheblich älteren Ehemann, als sie an Krebs stirbt. Im Trauergespräch hat der Witwer lange Photos ihrer letzten
gemeinsamen Reise gezeigt. Die Strophe aus "Hoch auf dem gelben Wagen" zu Beginn des Gottesdienstes war ein Wunsch des Witwers. |
1. Das Auge
- Mit keinem Organ nehmen wir so viel wahr wie mit dem Auge. Mehr als das Ohr, die Nase oder die Zunge teilt es uns mit. Das
Viele, Allzuviele um uns herum bündelt sich in unserem Auge. Es wird in uns Wirklichkeit. Es formt uns.
- Lieber Herr Sprang. Von dem, was Sie mir von Ihrer lieben Frau erzählt haben, hat mich vor allem eines wieder und wieder
beschäftigt: Dass sie gerade unter dem Schatten ihres nahen Todes ihren eigenen Augen sehen wollte; dass Sie beide zusammen
Länder und Landschaften gesehen haben. Sie haben wahrscheinlich gespürt: Was ich gesehen, wirklich gesehen und nicht nur
fern-gesehen habe, gehört mir.
- Diese Verbindung durch das einander Sehen ist auch der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen. Gerade, wo sich zwei Menschen
lieben, kann ein Blick so viel mehr sagen als viele Worte. Lange vor dem ersten Wort hat ihr Sohn das Lächeln seiner Mutter
gesehen und verstanden. Ein Blick in ein Gesicht sagt oft so vieles.
2. Gott sehen
- Die Texte aus der Heiligen Schrift, die wir heute gehört haben, mögen Sie in dieser Zusammenstellung erstaunt haben. Aber sie
sprechen beide vom Sehen. Der Erste Johannesbrief weiß als die Fülle der Gemeinschaft unseres Lebens mit Gott: Wir werden ihn
sehen, wie er ist. Dieses "Sehen Gottes, wie er ist", ist für Johannes die Fülle des Lebens, die Fülle des Lebens, das wir als Kinder
Gottes mitten in dieser Welt heute leben.
- Das Evangelium aus der Gemeinderede bei Matthäus sagt dies auch. Die Frage der Jünger war: Wer ist im Himmelreich der
Größte?. Die Antwort ist typisch für Jesus: Nicht die Größten, nicht die Mächtigsten, auch nicht die Frömmsten oder Kirchlichsten.
Im Himmelreich gelten andere Maßstäbe.
- Dieses Himmelreich beginnt nicht irgendwann, sondern hat schon begonnen. Jesus sagt von den Kleinen: Ihre Engel im Himmel
sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. In der Liebe sind wir schon jetzt ganz mit Gott verbunden. ["Die Engel sind
unsere Helfer und Bürgen dafür, dass unsere Hoffnung und Sehnsucht nicht ins Leere gehen, dass uns der Himmel offensteht" sagt
Walter Kasper.] Schon mitten in diesem Leben haben wir einen Weg in die Mitte Gottes, zu seinem Herzen.
Für die Verstorbene erfüllt sich jetzt, was sie in ihrem Leben gesucht hat: Das Sehen dessen, was ist.
3. In Gott sehen
- Was dem Ehemann, und was ihrem Sohn fehlt ist heute der liebe, der so vertraute Blick auf die Mutter, auf die Frau vieler Jahre.
Der Blick auf diesen Sarg hier macht unbarmherzig klar: Wir werden sie nie mehr so sehen, wie wir sie zu sehen gewohnt waren.
- Was ich Ihnen aber heute, im Angesicht des Sarges und des tiefen Grabes sagen möchte ist dies eine: In der Liebe sind unsere
Verstorbenen, mit ihrem ganzen Leben, so wie wir sie kennen, in Gottes Herzen geborgen. Wenn wir unser Leben, Ihres, meines,
jeder für sich und wir gemeinsam in die Liebe Gottes stellen, auf ihn schauen, dann sind wir denen, die wir tot glauben, näher als wir
es vielleicht jemals waren. Im gemeinsamen Leben: Die Verstorbenen bei Gott, wir auf Gott hin.
- Ich möchte schließen mit einem Satz Karl Rahners, der mir diesen Gedanken nahegebracht hat.
Wir begegnen den Toten, "wenn wir unser Herz der schweigenden Stille Gottes selbst öffnen, in der sie leben; nicht dadurch, dass
wir sie zurückrufen dahin, wo wir sind, sondern indem wir in die schweigende Ewigkeit unseres eigenen Herzens hinabsteigen und
in der Zeit durch den Glauben an den Auferstandenen die Ewigkeit werden lassen, die sie schon für immer ausgezeugt haben."
Sitzt einmal ein Gerippe
Hoch auf dem Kutschbock vorn,
Schwingt statt der Peitsch die Hippe
Das Stundenglas statt des Horns
Sag' ich "Ade, ihr Lieben,
die ihr nicht mitfahren sollt.
Ich wär' ja so gern noch geblieben,
aber der Wagen der rollt."
Jeder Meter, den der Wagen rollt, rollt er im Hinblick auf sein Ziel.
Jede Welle, die das Schiff kreuzt, hält es Kurs auf den Hafen.
So kommt am Ziel, im Hafen das ganze Leben zu seiner Erfüllung.
Wir dürfen sicher sein, dass nichts in diesem Leben vergebens war.
Gott ist das Ziel.
Das ist der Grund, warum wir Christen angesichts des Todes Eucharistie feiern.
Eucharistie ist Danksagung.
Treten wir mit unserem Leben unserer Trauer unserer Schwäche aber auch unserer Hoffnung vor den Herrn und rufen:
Kyrie eleison,
Christe eleison,
Kyrie eleison
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