3. Fastenpredigt in St. Michael, Göttingen, 24. März 2001
IHS - Jesuiten
Die Predigt wurde 2001 gehalten und für das Internet überarbeitet im Zusammenhang der Adventspredigten in der Reihe "Über alle Engel" im Frankfurter Kaiserdom 2005

Hinführung

 
Alois Hingerl, Dienstmann auf dem Münchner Hauptbahnhof, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, dass er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb.
Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde. Der Apostel gab ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt. Von acht Uhr früh bis zwölf Uhr mittags "frohlocken", und von zwölf Uhr mittags bis acht Uhr abends "Hosianna singen".
"Auweh!" dachte der neue Engel Aloisius, "dös werd schö fad!"
Dann setzte er sich aber, wie es ihm befohlen war, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
"Ha-lä-lä-lä-lu-u-hu-hiah!"..
Er schrie so, dass der liebe Gott von seinem Mittagsschlafe erwachte und ganz erstaunt fragte: "Was ist denn da für ein Lümmel heroben?"
Sogleich ließ er Petrus kommen und stellte ihn zur Rede. "Horchen Sie doch!" sagte er. Sie hörten wieder den Aloisius singen: "Ha - aaaaah - läh - - Himml - Himml Herrgott - Saggerament - uuuuuh - iah!" ...
Petrus führte sogleich den Alois Hingerl vor den lieben Gott, und dieser sprach: "Ja, sagen Sie einmal, warum plärren denn Sie so unanständig?"
Alois war aber recht ungnädig, und er war einmal im Schimpfen drin. "Ja, was glaab'n denn Sie?" sagte er. "Weil Sie der liabe Good san, müaßt i singa, wia 'r a Zeiserl, an ganz'n Tag!
"Petrus", sagte der liebe Gott, "mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muss meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Staatsregierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München."
Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluss zu besorgen und flog ab.
Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, woselbst er sogleich seinen Stammplatz fand, die Rosi ihm sein gewohntes Bier hinstellte und er sich wie im Himmel fühlte.
Dies ist der Grund, warum die bayerische Staatsregierung noch heute vergeblich auf die göttliche Eingebung wartet.

 

1. Das Wesen der Engel

2. Der mystische Lobgesang der Engel

3. Über alle Engel

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