| Predigt zur Verabschiedung im
Kolleg Sankt Georgen, Frankfurt/Main 1999 |
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| Mittwoch 4. Osterwoche. Abschiedsgottesdienst Sankt Georgen
28. April 1999 |
Lesung Apg 12,24-13,5a
Evangelium Joh 12,44-50 |
| Lesung
- Predigt - Orationen
- Fürbitten - alternative
Predigt |
| Predigttext:
Aufforderung zur Entscheidung: Joh 12,44-50: Jesus aber rief aus:
Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt
hat, und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin das Licht,
das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in
der Finsternis bleibt. Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt,
den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten,
sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt,
der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn
richten am Letzten Tag. Denn was ich gesagt habe, habe ich nicht aus mir
selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was
ich sagen und reden soll. Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben
ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat. |
| Hinweis: Es handelt sich
um eine persönlich gefärbte Predigt zum Abschied aus dem Jesuitenkolleg
Sankt Georgen in Frankfurt, wo ich fünf Jahre gearbeitet hatte. Für
das darauf folgende Jahr war geplant, dass ich nach Polen gehe. |
1. Der Anlass: Eine Verabschiedung
- Wenn die Schriftttexte ausgelost würden, könnte man von unmittelbarer göttlicher Fügung sprechen, wenn sie so gut passen. Wenn
die Schrifttexte - Lesung wie Evangelium - aber vor Jahren von einer Kommission von zumeist Professoren für den Mittwoch der 4.
Woche der Osterzeit festgelegt wurden und jetzt so gut passen, dann ist es ein unbestreitbares Wunder. Sie passen vorzüglich zum
heutigen Anlass.
- Die Lesung handelt nämlich von der Verabschiedung des Paulus und des Barnabas durch die Gemeinde in Antiochia. Die beiden
segeln ab nach Zypern, wo meines Wissens damals eine besonders schwer zu lernende Sprache gesprochen wurde. Die Idee dazu
mag nicht ohne göttliche Eingebung dem Paulus gekommen sein. Entscheidend aber ist, dass er einen Auftrag dazu bekommen hat.
Die Ältesten der Kirche hatten in Jerusalem Paulus zur Mission beauftragt. Er wird auf den Weg geschickt und lässt sich schicken, in
ein neues, ihm unbekanntes Land.
- Dazu, ihn nicht nur zu verabschieden, sondern für ihn zu beten und ihm den vollmächtigen Segen einer Kirche mit auf den Weg
gegeben, versammelt sich die Gemeinde in Antiochia. Allerdings, spätestens hier endet die Parallele zum heutigen Anlass, wird in der
Lesung vermerkt, dass die Gemeinde zum Abschied des Paulus fastete. Das ist sehr würdig und geziemend, aber meines Wissens hat
Pater Rektor für heute abend Bier kaltstellen lassen und ist das Küchenteam dabei, ein Fasten zum Abschied heute Abend
systematisch zu verhindern.
2. Christus sehen
- Das Evangelium passt - natürlich nur oberflächlich - auch gut zum Anlass einer Abschiedspredigt. Sie schildert uns eine letzte
öffentliche Rede - die unseres Herrn Jesus.
- Das Thema, das der Herr wählt, ist von einigem Gewicht. „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat." Das Unfassbare der
Menschwerdung ist hier auf den Punkt gebracht. Welch ein atemberaubender Glaube: Gott ist nicht fern und nur durch den
Denkschweiß der Philosophen oder die reflektierende Mühe der Theologen zu erahnen, sondern sichtbar, hörbar spürbar, erlebbar.
Gott hat sein Wort gesprochen, aber hat uns kein theologisches Kompendium gesandt, sondern seinen Sohn. Wenn Gott sich so
selbst mitteilt und schenkt, dann ist das das Schönste und Größte, was wir in dieser Welt haben können.
- Allerdings, auch das wird in der Rede Jesu deutlich, kommen wir nicht umhin, uns zu entscheiden, wenn Gott uns so leibhaft nahe
kommt. Wer ihn verachtet und ihn nicht annimmt hat sich selbst gerichtet, denn mehr als und gleich werden außer der Sünde kann
Gott nicht, um uns einen Weg zubereiten, nun unsererseits an seinem Leben teilzuhaben.
3. Den Gegenwärtigen verkündigen
- Wenn die Rede Jesu von der Kirche so im Evangelium verkündet wird, dann wird doch deutlich, dass diese Gegenwart Gottes in
Gestalt des Menschen nicht damit aufhört, dass Jesus zum Himmel aufgefahren ist. Vielmehr folgt auf die Himmelfahrt Pfingsten und
hat er seinen Geist der Kirche hinterlassen, damit wir den menschgewordenen Gott zu jeder Zeit sichtbar und hörbar machen.
- Das atemberaubende der Menschwerdung setzt sich also in der Kirche und jedem Getauften fort. Das meint der Apostel Paulus,
wenn er schreibt, dass wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern Christus. Jeder Getaufte verkündet Christus: durch sein Leben,
sein Sprechen, sein Schweigen, sein Beten und sein Fasten. Durchsichtig auf Christus sollen wir sein.
- Ich weiß nur zu gut, dass das Fenster, das wir sein sollen, allzuoft trübe ist und nur wenig, allzu wenig vom Licht der Welt
durchlässt. Deswegen ist es so dunkel, selbst dort wo Christen sind. Aber die Taufe bleibt, die Berufung und die Sendung. Und es
bleibt das Geschenk der Eucharistie, die wir feiern, damit in der Klarheit dieser Feier das Licht hell leuchtet, das Gott selbst ist -
inmitten dieser Welt.
Fürbitten
P: Christus ist als Licht in der Welt erschienen. Durch ihn dürfen wir zum Vater beten:
V: Hilf allen Getauften aus der Feier der Eucharistie zu leben, damit das Licht, das Du in uns entzündest, die Welt hell macht. - Stille -
Gott unser Vater: - A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Stärke alle, die die Kirche aussendet, dein Wort zu verkünden, dass ihr Sprechen und Leben den Blick freigibt auf deinen
menschgewordenen Sohn. - Stille - Gott unser Vater: - A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Sprich unermüdlich zu den Menschen, die sich dem Wort deines Sohnes verschließen, weil sie nicht frei werden von sich selbst oder
weil deine Kirche in ihrem Zeugnis unklar bleibt. - Stille - Gott unser Vater: - A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Segne alle, die auf Reisen sind, lass Sie deine Nähe spüren. - Stille - Gott unser Vater: - A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Erhalte alle hier in Sankt Georgen in deiner Liebe, damit die, die hier ein- und ausgehen Freude gewinnen am Glauben an dich, den
lebendigen Gott. - Stille - Gott unser Vater: - A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Wir bitten dich auch für alle, die krank sind. Lass sie spüren dass sie in dir geborgen sind. - Stille - Gott unser Vater: - A: Wir bitten
dich, erhöre uns.
P: Dein Wort, Herr, ist unser Leben. Bewahre uns und behüte uns in der
Gemeinschaft mit dir, durch Christus, unsern Herrn. A: Amen.
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