Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt 4. Adventssonntag Lesejahr A 2013 (Römerbrief)

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22. Dezember 2013 - Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg

1. Weihnachtliche Handlungsanweisung

  • Josef tat "was der Engel des Herrn ihm befohlen hat". Damit endet das Evangelium vom Vierten Adventssonntag. Drei Tage vor Weihnachten wird also eine angelische Traumanweisung und ihre Ausführung durch Josef berichtet.
  • Advent kann eine Handlungsanweisung im Blick auf Weihnachten sein. Es wäre somit interessant, hinter den vielen Termin-Imperativen der letzten Wochen im Jahr - zwischen Geschenkstress und Jahresabschlussbilanz - danach zu suchen, was für uns von Gott her eine Handlungsanweisung sein mag.
  • Bilanz ziehen und Geschenke vorbereiten könnte dazu gehören. Ich sehe nicht, dass das Weihnachten widerspricht, wenn denn nur die Bilanz nicht frisiert ist, und wenn wir mit den Geschenken wirklich versuchen, uns für andere Menschen zu öffnen und eine echt empfundenen Zuneigung und Liebe einen Ausdruck zu geben - und nicht auch im Schenken nur um uns selbst kreisen, denen schenken, die auch uns schenken, und strategisch die Wirkung des Geschenkes zu meinen Gunsten berechnen.

2. Apostolischer Auftrag

  • In den ersten Zeilen seines Briefes an die Christen in Rom stellt Paulus sich vor. In den früheren Briefen an die von ihm selbst gegründeten Gemeinden, tritt er als Apostel und Bischof auf. Er nimmt dort eine Leitungsfunktion ein und nimmt sie ernst. Hier, gegenüber der römischen Kirche, hat Paulus keine solche Funktion. Deswegen stellt er das Gemeinsame heraus: Ich, wie ihr sind berufen, das Evangelium Gottes zu verkünden!
  • Das Evangelium, die Freudenbotschaft Gottes, hat Jesus Christus zum Inhalt. Sein Herauskommen aus der Vergangenheit Israels - vielfach verheißen und Nachkomme Davids. Aber vor allem sein Herausgekommensein aus dem Tod - er ist lebendig unter uns, seiner Kirche. Durch ihn haben wir etwas empfangen und haben einen Auftrag. Das Empfangene nennt Paulus "Gnade", ein Geschenk, in dem Gott sich selbst schenkt. Den Auftrag nennt er: "Apostelamt", das "wir empfangen haben". Die ganze Kirche und daher jeder Getaufte ist apostolisch: Ausgesandt, im Namen Christi zu verkündigen.
  • Was zu verkündigen ist, wird meist (mit Luther) übersetzt als "Gehorsam des Glaubens" Sprachlich und inhaltlich ist aber die bessere Übersetzung "Botschaft des Glaubens", wobei Glauben in der Bibel ja immer ein Trauen und Vertrauen meint. Also: Wir haben einen Auftrag "allen Völkern", zu denen wir ja selbst gehören, begreiflich machen, dass sich in Jesus ein Gott offenbart, dem zu trauen ist.

3. Vertrauen praktisch umsetzen

  • Fügen wir die beiden Gedanken zusammen: Uns ist der Auftrag gegeben, das Evangelium für uns selbst zu entdecken und anderen Menschen zugänglich zu machen, dass Gott zu trauen ist. Ihm vertrauen zu können ist die größte Gnade, das größte Geschenk, das an Weihnachten denkbar ist. Jeder, der hier in diesem Gottesdienst ist, ist berufen und bekommt solch einen apostolischen Weihnachts-Auftrag.
  • Erstens: Paulus spricht nur so vorsichtig von Weihnachten. Die 'Geburt des Gottessohnes' kann allzu leicht von einem heidnisch-antiken Publikum falsch verstanden werden. Nur auf dem Hintergrund des Glaubens Israels denkt man bei 'Sohn Gottes' nicht an Halbgötter á la Herkules, sondern versteht: Hier zeigt sich Gott selbst, in Zuwendung an sein Volk, "dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids". Das genau ist "verheißen in den heiligen Schriften".
    Der apostolische Auftrag für die Christen ist entsprechend, die Botschaft von Weihnachten aus dieser Tradition neu zu entdecken und zu deuten. Hinter den Geschenken von Weihnachten steht das große Geschenk Gottes: Er schenkt sich selbst in seinem Sohn. Das zu erfahren haben die Menschen, mit denen wir in einer Familie, einer Stadt und keiner Kultur zusammen leben, ein Recht.
  • Zweitens: Im Mittelpunkt steht die "Botschaft des vertrauenden Glaubens". Die Frage, mit der uns der Vierte Advent auf Weihnachten zugehen lässt, ist die, ob uns die Botschaft von Weihnachten Gott vertrauenswürdig werden lässt. Können und wollen wir einem Gott vertrauen, der sich als Kind im Stalle zeigt? Ist einem Gott zu trauen, der alle Allmacht und Ewigkeit eingehen lässt in die ohnmächtige Liebe, in das Kind von Betlehem?
    Die Frage, ob mir dies Gott vertrauenswürdig macht, muss jeder für sich beantworten, nicht nur in der Theorie. Vielmehr ist es die Frage, ob ich mich auf den Weg dieses Gottes einlassen will. Oder will ich lieber den Halbgöttern nacheile, die sich uns anbieten.
    Josef hatte sich für Gott entschieden und daraus die Konsequenz gezogen, Maria zu sich zu nehmen. Ein Beispiel, wie Vertrauen in Gott praktisch aussieht. Amen.