Predigt zu Aschermittwoch 2026
18. Februar 2026 - Mariae Geburt, Traubing
Predigt
1. „Wenn wir etwas aus Liebe tun …“
- Wenn wir etwas aus Liebe tun, dann ist uns wichtig, dass der, den wir lieben, es mitbekommt. Nicht, damit er uns lobt. Nicht, damit wir groß dastehen. Sondern weil unser Herz sich sehnt, gesehen zu werden von dem, dem es gehört.
- Jesus spricht heute davon, dass wir vor den Menschen kein Aufheben machen sollen – weder vom Spenden noch vom Beten noch vom Fasten. Aber er sagt nicht: Verstecke deine Liebe. Er sagt vielmehr: Zeige sie dort, wo sie hingehört – vor meinem Vater.
- Der Ort, an dem die Liebe echt wird, ist nicht die Öffentlichkeit, sondern das Herz zu Herz mit Gott. Vielleicht hat es nicht jeder so erfahren dürfen, aber vielleicht kennen wir es zumindest aus der eigenen Sehnsucht: Es gibt Gesten der Liebe, die nur dann ihre Tiefe entfalten, wenn sie nicht ausgestellt sind. Eine Hand, die ich heimlich halte. Ein stilles Wort. Ein Blick. Wir wissen: Da ist ein Du, dem ich nahe sein will. So lädt Jesus uns heute ein: Wenn du fastest, wenn du betest, wenn du verzichtest – dann tu es wie jemand, der geliebt wird und liebt.
2. Fasten und Beten aus einer liebenden Beziehung
- Fasten und Beten werden erst dann zu etwas Schönem, wenn sie aus einer Beziehung kommen. Wenn sie Ausdruck eines Vertrauens sind – nicht einer frommen Pflicht.
- Jesus kennt die Gefahr, dass Fasten zu einer Leistung wird, die man vor sich herträgt. Oder zu einem spirituellen Fitnessprogramm. Oder zu einem moralischen Wettkampf mit sich selbst. Aber er spricht vom Vater, der ins Verborgene sieht. Nicht: der kontrolliert. Sondern: der wahrnimmt. Der aufmerksam ist für die kleinste Bewegung unseres Herzens.
- Wenn ich faste – nicht für andere, nicht für mein eigenes Ego – sondern um wacher zu werden für den Gott, der mich liebt, dann wird Fasten leicht. Dann entsteht etwas Schönes darin: Ein Raum, in dem meine Sehnsucht hörbar wird. Ein leiser Hunger, der mich daran erinnert, wer wirklich nährt. Das gleiche gilt für das Gebet: Nicht das viele Tun, sondern das offene Herz macht es fruchtbar.
3. Kleine Schritte – aber mit Stille und offenem Herzen
- Die Fastenzeit will nicht, dass wir Großes leisten. Sie will uns auf Ostern vorbereiten – auf eine Begegnung, die nicht durch unsere Anstrengung, sondern durch Gottes Liebe geschieht.
- Darum ist es oft besser, wenig zu tun – aber dieses Wenige mit echter Präsenz. Ein kleiner Verzicht, der mich bewegt. Ein kurzes Gebet, das ich wirklich bete. Ein Moment Stille, in dem ich mich wage, vor Gott da zu sein, wie ich bin. Jesus sagt: „Geh in deine Kammer“. Diese Kammer ist nicht unbedingt ein Zimmer. Sie ist ein innerer Raum, in dem ich Gott mein Herz hinhalte. In der Stille, ohne Publikum, ohne Maske.
- Vielleicht können wir diese Fastenzeit so beginnen: Nicht mit einem Katalog von Vorsätzen, sondern mit dem Wunsch: „Herr, mach mein Herz offen für dich.“ Und dann ein kleines Zeichen setzen – ein bewusstes, liebevolles Fastenzeichen –, das ich jeden Tag einen Moment lang in dieser inneren Kammer Gott hinhalte.
Fürbitten
P: Am Beginn dieser Fastenzeit treten wir vor Gott, der unser Herz sieht und unsere leisen Wege kennt. Zu ihm bringen wir unsere bitten und halten danach eine kurze Stille mit dem, was uns bewegt.
V: Für uns selbst: dass wir in diesen vierzig Tagen kleine, aber echte Schritte tun – aus Liebe zu Gott und nicht aus äußeren Erwartungen; dass wir die Stille finden, in der er uns begegnen kann.
— Stille —
V: Für alle, die sich schwer tun zu glauben oder zu beten: dass sie erfahren, wie Gott aufmerksam auf ihr Herz schaut und jeden Anfang mit seiner Güte trägt.
— Stille —
V: Für alle, die sich verausgaben, um stark zu erscheinen: dass sie vor Gott ohne Maske stehen können und von ihm empfangen, was wirklich nährt.
— Stille —
V: Für unsere Kirche: dass sie Räume schafft, in denen Menschen die Stille entdecken, die das Herz öffnet für Gottes leise Gegenwart.
— Stille —
V: Für die Menschen, die leiden – an Krankheit, Sorge oder Einsamkeit: dass der barmherzige Vater ihnen im Verborgenen nahe ist und ihnen Kraft schenkt durch Menschen, die achtsam sind.
— Stille —
P: Guter Gott, du kennst unsere Wege und hörst, was wir im Stillen vor dich bringen. Begleite uns durch diese Fastenzeit und öffne unser Herz für deine Liebe. Durch Christus, unseren Herrn.
A: Amen.
Gebete
Tagesgebet
Gott, vierzig besondere Tage liegen vor uns – Fastenzeit. Vierzig Tage, in denen du uns einlädst, in die Stille unserer inneren Kammer zu gehen und neu auf dein Wort zu hören. Sende uns die Kraft deines Geistes, auf deine Nähe zu vertrauen. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Segnung der Asche
Gott, deine Freude ist es, wenn wir umkehren zu dir und uns neu deinem Leben zuwenden. Diese Asche soll ein Zeichen unserer Umkehr sein – ein kleines, schlichtes Zeichen. Hilf, dass unsere Umkehr gelingt und wir uns vor dir zeigen können, so wie wir sind.
Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen. Wir wissen: Wir sind, weil du bist – aus dir und auf dich hin leben wir. Lass uns das Unvergängliche mehr lieben als das Vergängliche, und schenke uns durch die Auferstehung deines Sohnes das unvergängliche Leben. Darum bitten wir dich durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Gabengebet
Gott, wir begegnen einander und dir so, wie wir sind – mit unseren Möglichkeiten und Grenzen, mit unserer Sehnsucht danach, gesehen zu werden von dir. Wir bringen vor dich, was wir haben, und öffnen dir die innere Kammer unseres Herzens. Du kannst das Gute stärken und das, was uns belastet, verwandeln, wie dein Heiliger Geist Brot und Wein verwandelt und heiligt, Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit: damit wir die Kommunion feiern können, in der wir dir und einander begegnen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Schlussgebet
Herr, du allein weißt, wie unser Leben gelingen kann. Lehre uns, in der Stille deiner Gegenwart das Geheimnis zu verstehen, dass wir in deiner liebevollen Wahrnehmung zu uns selbst finden – als dein Bild und Gleichnis. Hilf uns in diesen vierzig Tagen vor dem Osterfest, loszulassen, was uns hindert, dir und einander wirklich zu begegnen. Lass uns das kleine, bewusste Fasten und die schlichten Schritte der Hingabe mit einem offenen, wachsamen Herzen tun. Und gewähre uns, dass in uns Mensch werde, was du seit jeher in uns gelegt hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.