Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zu Gründonnerstag 2026

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2. April 2026

Predigt

1. Finsternis konkret

  • Jesus wusste, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.“ – Mitten in der zärtlichsten Geste Jesu, mitten in der Liebe, die sich verschenkt bis zuletzt, bricht die Finsternis ein.

  • Die Finsternis wird konkret, weil ein konkreter Mensch sich dem Licht verschließt. Dennoch wäre es zu billig, alles auf Judas abzuschieben. Die Schrift legt ihn uns eher vor wie einen Spiegel: So nah kann der Mensch der Liebe sein – und so weit weg zugleich. Man kann das Brot aus der Hand Jesu nehmen und doch das Herz verschließen.

  • Ist Judas unausweichlich verloren? Mir scheint, wenn ich das Evangelium höre, die Finsternis ergreift die Gelegenheit und ist keineswegs allmächtig oder unausweichlich. Ja, sie sucht den Moment, in dem der Mensch nur noch die eigene Strategie und die eigene Perspektive sieht. Aber das ist nicht alles.

2. Rein sein

  • Jesus streckt die Hand aus, auch zu Judas. Er sagt nicht: Jetzt ist es genug. Er wäscht auch Judas die Füße – wissend, was kommt.
  • Die Liebe wird nicht vorsichtig, wenn es gefährlich wird. Sie bleibt und kniet und hält aus – und ist gerade darum stärker.
  • Der morgige Karfreitag ist kein Drama zwischen zwei Mächten auf Augenhöhe. Es ist der Tag, an dem sichtbar wird, wie weit die Liebe geht – und wie ohnmächtig letztlich die Finsternis ist, wenn ein Mensch sich ihr nicht mehr verschließt, sondern sich Christus überlässt.

3. Hingabe

  • Die Fußwaschung und die Eucharistie sind eine einzige Bewegung der Liebe. Was Jesus am Tisch schenkt – sich selbst im Brot –, das vollzieht er am Boden – sich selbst im Dienst. Er gibt nicht etwas. Er gibt sich. Und er gibt sich so, dass es den ganzen Menschen umfasst: die Hände, die das Brot brechen und weiterreichen; die Knie, die sich beugen; das Herz, das sich verströmt. Im Brot sagt Christus: „Das bin ich für euch.“ In der Fußwaschung sagt er: „So bin ich für euch.“
  • Beides gehört untrennbar zusammen: Wer von diesem Brot lebt, kann nicht stehen bleiben in sich selbst. Er wird hineingenommen in diese Bewegung – vom Empfangen zum Weitergeben, von der Anbetung zur Hingabe, vom Altar in den Alltag.
  • So wird Reinheit nicht etwas, das man besitzt, sondern etwas, in das man eintritt: die Spur Christi selbst. Und vielleicht ist das die leise Antwort auf die Finsternis: nicht ein großer Gegenentwurf, sondern Menschen, die sich unterbrechen lassen, die sich niederbeugen, die das Brot nicht nur für sich selbst behalten – sondern weiterreichen.