Predigt zu Karfreitag 2026
03. April 2026 - Heilig Kreuz Feldafing
Predigt
- Stärke
- Gewalt ist wieder salonfähig. Demonstrative Stärke hat wieder an Anziehungskraft gewonnen. Was früher Lüge genannt wurde wird bewundert als die Fähigkeit, die Welt nach dem eigenen Willen zu formen.
- Stärke zeigt sich angeblich darin, Entschlossenheit zu zeigen, Risiken zu übergehen, Zweifel als Schwäche zu markieren.
- Wer auf Grenzen und Folgen hinweist, gilt schnell als zögerlich und schwächlich. Diejenigen, die sich selbst als die Größten sehen, setzen sich darüber hinweg.
- Tapferkeit
- Als tapfer gilt in der christlichen Tradition nur, auch gegen Widerstände festzuhalten am Guten. Das ist für uns Christus am Kreuz. Daher ist das Kreuz der Einspruch gegen alle, denen Durchsetzungswille allein bereits das höchste gilt.
- Die Passion Christi stellt uns eine andere Gestalt von Stärke vor Augen. Jesus verwechselt Macht nicht mit Gewalt. Er sieht klar, was geschieht, und er bleibt bei der Wirklichkeit dessen, was ist. Er tritt Pilatus gegenüber, nimmt das Kreuz auf sich und geht den Weg bis ans Ende.
- Tapferkeit ist Standhalten in der Wahrheit. Nicht als Härte, sondern als innere Klarheit. Nicht als Selbstbehauptung, sondern als Treue. Jesus muss sich die Wirklichkeit nicht zurechtbiegen, um sich zu schützen. Bis in das Letzte hinein setzt er sich stattdessen Gott aus.
- Vertrauen
- Der Hebräerbrief vertieft diesen Blick. Er spricht von einem Hohenpriester, der unsere Schwäche kennt. Jesus hat Angst gekannt, hat gebetet und gerungen. Die Frucht des Gebetes war, dass die Angst ihn nicht bestimmt hat.
- Mehr noch. Selbst am Kreuz bleibt Jesus anderen zugewandt. Er sieht seine Mutter. Er vertraut ihr den Jünger an. Er bleibt in Beziehung, auch im Sterben. Tapferkeit heißt hier: die Liebe nicht preiszugeben, selbst dort, wo alles zerbricht.
- Karfreitag verklärt das Leiden nicht. Er zeigt einen Weg, auf dem Leid nicht sinnlos macht und Angst nicht wehrlos. Dieser Weg heißt Treue aus Vertrauen – oder eben Tapferkeit. Unter dem Kreuz lernen wir, dass Gottes Sieg nicht durch Gewalt kommt, sondern durch das Bleiben bei der Wahrheit und dem Vertrauen, dass Gott allein der Stärkere ist. Darin liegt die stille Hoffnung dieses Tages. Amen.