Predigt zum Palmsonntag im Lesejahr A 2026
29. März 2026 - Mariae Geburt, Traubing
Predigt
1. Innehalten
- Vielleicht ist Ihnen heute Morgen aufgefallen, wie ungewohnt der Anfang des Gottesdienstes ist. Wir stehen draußen. Kein normaler Beginn, kein „Alltag“. Palmzweige in der Hand. Ein kurzer Text. Ein Segen. Ein Zug setzt sich in Bewegung.
- Und plötzlich ist klar: Wir tun nicht das Übliche. Wir haben unsere alltäglichen Bewegungen unterbrochen. Die Schwelle vom Gewohnten zum Besonderen ist überschritten. Es ist so, wie auch viele Leute instinktiv irgendwie eine andere Haltung einnehmen, die Zigarette vor der Tür lassen, wenn sie eine Kirche, ein Museum oder einen Apple-Store betreten. Nicht wegen eines moralischen Gebotes, sondern weil sie spüren: Jetzt beginnt etwas anderes.
- Eine Schwelle wird übertreten, die uns sagt: Wach auf – du trittst ein in einen Raum, der dich verändert. Palmsonntag ist genau so ein Moment.
2. Einzug in die heilige Stadt
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Der Einzug Jesu in Jerusalem ist keine politische Demonstration, kein Triumphzug wie bei den Römern. Es ist ein Übergang, das Überschreiten einer Schwelle: • vom Gewöhnlichen ins Heilige, • vom Lärm der Stadt in die Nähe Gottes, • von dem, was wir kennen, in das, was Gott tun will.
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Die Menschen am Weg ahnen es irgendwie: Sie rufen „Hosanna“, aber sie ahnen bestenfalls, welche Dimension das Ereignis hat. Sie breiten Kleider aus – eine alte Geste, die sagt: Ich lasse meine Welt unterbrechen. Das ist die Schwelle: Jesus kommt – und nichts bleibt wie es war.
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Manche sehen Schwellen oder Grenzen nur als hinderlich: Was darf ich? Was nicht? Was ist erlaubt? Was verboten? Aber die Bibel erzählt anders. Die Grenzen, die das Heilige Gottes in der Welt markieren sind Einladungen, nie Schranken. Palmsonntag ist so ein Einladungstag: Du darfst aus deinem Alltag heraustreten. Du musst nicht funktionieren. Du darfst dich unterbrechen lassen. Das Heilige beginnt dort, wo ich mir nicht mehr selbst genüge.
3. Heilige Woche
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Die heilige Woche – Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern –, die vor uns liegt, ist voll neuer Wirklichkeit, in die wir eintreten, indem wir Schwellen des Gewohnten überschreiten: • Gründonnerstag: der Meister wird zum Dienenden • Karfreitag: das lebendige Wort, das Mensch geworden ist, verstummt • Ostern: das Dunkel und die Trauer wandelt sich in das Licht und die Freude
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Der Palmsonntag ist die Ouvertüre dazu. Sie sind eigeladen, diese Gottesdienste mitzufeiern. Tun sie dies nicht als "Gewohnheit", sondern suchen sie sich persönlich Zeichen und Erinnerungen, dass Gott uns über eine Schwelle in sein Heiligtum führt: • einen Moment früher kommen, • schweigend einen Moment knien oder stehen, bevor ich mich setze, • aus ganzem Herzen „Hosanna“ rufen – bei allen Fragen, • am Karfreitag das Fasten zu üben – nicht nur am Essen, sondern z.B. auch das Handy auslassen, • am Karsamstag die Stille aushalten. Nicht viel. Nur der Mut, an einer Grenze stehen zu bleiben und zu sagen: Hier beginnt etwas anderes. Hier darf Gott handeln.
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Der heutige Palmsonntag ist der Tag, an dem Jesus die Grenze zwischen Alltag und Heiligkeit durchschreitet. Nicht mit Gewalt, nicht mit Pracht, sondern auf einem jungen Esel. Er überschreitet die Schwelle zur heiligen Stadt Jerusalem – damit auch unser Herz eine Grenze spürt: Ich werde berührt. Ich werde anders. Ich werde neu. Amen.
Fürbitten
P: Herr Jesus Christus, du führst uns in dieser Heiligen Woche über die Schwelle unseres Alltags hinein in Gottes Geheimnis. Zu dir rufen wir.
V: Dass wir mit deinem Einzug in die Heilige Stadt Jerusalem, die Schwelle überschreiten, auch selbst den Weg des Gehorsams zu gehen, der in Gottes Nähe führt. – Christus, gekommen als der Gesalbte Gottes. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Dass dein Dienst der Fußwaschung auch uns als deine Kirche über die Schwelle vom Gewohnten zur wirklichen Gemeinschaft führt. – Christus, gekommen als der Gesalbte Gottes. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Dass wir im Anblick deines Leidens Kraft finden, die Schwelle von der Angst zum Vertrauen zu überschreiten. – Christus, gekommen als der Gesalbte Gottes. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Dass wir wie jeder Mensch, der dir vertraut, die Schwelle aus Einsamkeit und Tod überschreiten – hin zum neuen Leben in dir. – Christus, gekommen als der Gesalbte Gottes. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
P: Christus, du begleitest uns durch die Tage deines Leidens und deiner Auferstehung. Dich preisen wir heute und in Ewigkeit. A: Amen.