Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 1. Fastensonntag Lesejahr A 2026

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22. Februar 2026 - Mariae Geburt, Traubing

Predigt

1. Der Versucher versucht es

  • Der Versucher versucht es immer wieder. Daher sein Name. Er hat damals nicht Jesus auf die Probe gestellt und ist danach von der Erde verschwunden. Er ist vielmehr zu allen Zeiten präsent, führt in Versuchung und versucht zu Verwirrung. Daher betet der Priester (im "Embolismus") nach dem Vater Unser in der Messe vor dem Abschlussvers der Gemeinde: "gib Frieden in unseren Tagen" und "bewahre uns vor Verwirrung und Sünde". Der Versucher versucht Verunsicherte zu verwirren.

  • Mag sein, dass die Zeit Jesu auch solche Tage der Verunsicherung waren. Dann waren die drei Versuchungen in der Wüste damals nicht nur zeitlos, sondern auch hoch aktuell. "Du bist Gottes Sohn", schmeichelt der Versuchung: Du kannst die wirtschaftliche Ungerechtigkeit machtvoll beseitigen, du kannst das Volk spektakulär beeindrucken, dir können alle Reiche zu Füßen liegen.

  • Es ist eine Versuchung, weil es nicht offensichtlich böse wäre. Im Gegenteil. Deswegen hat der Versucher freies Feld. Die Ziele klingen vielmehr gut, aber sozusagen dahinter setzen wir nicht Gott, sondern uns selbst an erste Stelle

    • sowohl in der Kirche (ob Gemeinde, Schwesternkloster oder im Jesuitenorden),
    • wie in unseren Beziehungen und Familien,
    • wie auch zu allen Zeiten dort, wo öffentlich Macht ausgeübt wird, wo Influencer oder Publizisten, wo Wirtschaftsführer, Militärs oder Politiker auf die Probe gestellt werden.

    Wir alle werden auf die Probe gestellt. Nur wer im Herzen und im Kopf klar ist, wird das erkennen. Dumm ist der Versucher nicht. Er ist nur gottlos.

2. Privatisierung der Macht

  • Wenn Rechtsstaat und Demokratie demontiert werden, dann folgt eigentlich immer die Privatisierung der Macht. – Die exekutive Macht wird nicht mehr durch ein Amt oder eine Sendung definiert, nicht mehr durch Gerichte und Parlamente in der Balance gehalten. Es werden nicht mehr andere beteiligt. Sie werden nur noch verstrickt.
  • Das ist der Kern des angeblichen Friedensrat von Donald Trump. Er als Privatperson – nicht der US-Präsident – hat in diesem Gremium die Macht. Er privatisiert die vereinten Nationen. Dasselbe machen die zunehmend populären autoritären Herrscher an vielen Orten. Es geht um sie selbst, ihre Familie und ihre Anhängerschaft. Andere werden nicht beteiligt, sie werden verstrickt. Ich habe das Muster in der Herrschaft der Leiterin des Seniorenkreises über den Gemeindesaal erlebt, ich kenne das Muster aus vielen Zusammenhängen und es ist derselbe Versucher, der ganze Völker lockt, sich in autoritäre Herrschaft verstricken zu lassen.
  • Macht wird privatisiert. Das ist im Kleinen anschaulich, wenn bestimmte Politiker ihre Familienangehörigen alternative Jobs bei den Parteifreunden verschaffen. Schamlos ist die Privatisierung der Macht, wo der eigene Schwiegersohn in diplomatische Mission geschickt wird, wo es um den "Deal" geht, nicht den Frieden, nicht den Staat, sondern das private Bankkonto.

3. Keine Macht ohne Beziehung

  • Wie also widersteht Jesus dieser Versuchung? – Jesus hat ein Gespür dafür, dass es nicht darum geht, den besten Deal durchzusetzen, das beste Ergebnis zu erzielen, endlich mal klare Verhältnisse zu schaffen. Statt dessen stellt er Gott und seines himmlischen Vaters Sendung an erste Stelle.
  • Er baut nicht auf Macht, sondern auf eine ganz besondere Form der Ohnmacht. Die Ohnmacht, die sich auf Beziehungen mit anderen einlässt. Die einen Bund schließt, keinen Deal. Er verfügt nicht über andere und instrumentalisiert nicht Gott, den Unverfügbaren für eigene Zwecke. Statt dessen lässt Jesus sich auf Gott und die Menschen ein. Er lässt sich – wie wir das in der Heiligen Messe so deutlich erleben – brechen und gibt sich in die Hände der anderen.
  • Wo Menschen zusammenleben, braucht es Macht. Aber es braucht eben auch Strukturen der Macht. Es braucht Macht, die in Beziehungen eingebettet ist, in Balance und in Abhängigkeit. Es braucht Macht, die sich zurücknehmen kann und die eingegrenzt werden kann. Letztlich braucht es immer das eine: Das Vertrauen und das Wissen, dass alles, was ich kann und vermag, nur gut ist, wenn ich der Versuchung widerstehe, nicht Gott, sondern mich selbst in allem an erste Stelle zu setzen. Das ist Jesus. Gott anzubeten, den unverfügbar Allmächtigen allein, ist es. Die eigne Ohnmacht zuzulassen, um Gott mächtig sein zu lassen. Es wird konkret dort, wo mir unter den Menschen Macht anvertraut ist – in einem Amt und in einer Sendung.

Fürbitten

P: Christus, du hast dem Versucher in der Wüste widerstanden. Dir vertrauen wir unsere Bitten an:

V: Für uns als deine Kirche: bewahre uns vor der Versuchung, den Glauben zu verwalten statt ihn zu leben. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die in der Öffentlichkeit oder Institutionen Macht ausüben: Hilf ihnen, sich nicht über andere zu erheben, sondern Verantwortung als Auftrag und Sendung zu erkennen. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

V: Für uns, wenn wir nach falschen Sicherheiten suchen und dich zum Mittel machen wollen: lehre uns das Vertrauen in Gott, deinen und unseren Vater. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die versucht sind, sich von Mächtigen verstricken zu lassen: stärke sie, Gott an die erste Stelle zu setzen und darin ihr Leben zu gewinnen. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

V: Für die Leidenden und Verunsicherten: lass sie Menschen begegnen, die aus der Nähe zu Gott leben. – Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

P: Christus, du hast uns den Weg des Vertrauens gezeigt. Bleibe bei uns in dieser Fastenzeit und führe uns tiefer in die Beziehung zu Gott. A: Amen.