Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 3. Fastensonntag Lesejahr A 2026 (Johannes)

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8. März 2026 - Mariae Geburt, Traubing

Predigt

1. Hörhilfe und Lebenssituation

  • Statt einer Predigt, heute vorab eine Hilfe zum Hören. In der Heilige Schrift bricht Gott immer zu uns in der Weise, wie unsere Ohren es hören - und es gibt ja sogar die Situation dass wir hören, jedoch so in unseren Interessen gefangen sind, dass wir doch nicht hören. Daher also eine Hinführung zu dem Evangelium, das viele von Ihnen kennen werden.
  • Zunächst: Achten Sie darauf, dass Jesus erst so auftritt, wie er eigentlich immer Menschen begegnet, nämlich in der Begleitung seiner Jünger. Das ist der normale und erste Ort, an dem wir Jesus sehen können: Inmitten seine Kirche. Aber heute wird berichtet, dass Jesus seine Jünger fortschickt und allein ist. Es geht also um eine ganz besondere, geradezu intime Begegnung mit Jesus.
  • Das zweite ist die Person, von der gleich berichtet werden wird, dass sie Jesus begegnet. Ihre Lebenssituation ist nicht die meine. Aber ich kann versuchen, mich zu erinnern oder mich hinein zu versetzen an oder in eine Situation, in der auch ich nicht getragen war durch eine Gemeinschaft, sondern am Rand stand, sei es aus eigener Schuld, sei es, weil ich nicht angenommen wurde, wie ich bin. Diese Situation ist für das folgende Gespräch mit Jesus ganz wesentlich. Denn von so einem Mensch wird uns erzählt, der allein ist und der Jesus allein begegnet.

2. Jesus, den Messias, erkennen

  • Wenn Sie den Abschnitt aus dem Johannesevangelium kennen, dann ist ihnen in Erinnerung, wie lange es braucht, bis dieser Mensch erkennt wer Jesus ist.
  • Wir sind so tief in unseren eigenen Sorgen und Themen, dass der Übergang zu dem Leben , dass Jesus geben kann, uns schwerfällt.
  • Um diese Lebendigkeit zu erfahren braucht es aber uns und unsere Bereitschaft, über uns hinauszusteigen.

3. Alles, was ich getan habe

  • Der eine Satz aus dem langen Abschnitt, den wir gleich hören werden, und den ich Ihnen besonders ans Herz lege lautet: "Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe."
  • Bitte lassen Sie das einen Augenblick auf sich wirken und stellen sich vor, Sie würden diesen Satz sprechen, über einen Menschen, der ihnen alles sagt, was sie getan haben. – Das könnte bedrohlich klingen. Jemand wirft Ihnen all das vor, was Sie falsch gemacht haben. So etwas kann vernichtend sein. Deswegen tun wir uns auch ganz schwer damit, uns gegenüber Gott zu öffnen, weil wir uns so schwer vorstellen können, dass es auszuhalten ist, wenn er alles weiß.
  • Dabei ist es Gott. Und hier begegnet ein Mensch Gott in Jesus, dem Messias, der mit uns spricht. Jesus, der Sohn Gottes, der in einem ruhigen, freundschaftlichen Gespräch alles sagt, was ich getan habe. Und ich versuche zu trauen, dass dieser Jesus Gottes Gegenwart für mich ist. Und ich versuche zu ahnen, dass es nicht bedrohlich ist, sondern ein großer Trost, wenn ich mich vor ihm nicht verstellen muss – gerade in dem, wo ich mich ändern muss und will. Ich kann es angehen, weil er es weiß, und weil er mich dennoch nicht verurteilt. Denn er ist Gott für uns.

Fürbitten

P: Jesus Christus begegnet uns so, wie wir es hören und annehmen können. Er sucht uns auf in unserer Lebenssituation, auch dort, wo wir alleinstehen, verwundet sind oder uns zurückgezogen haben. Im Vertrauen auf den Messias, der uns kennt, ohne uns zu verurteilen, rufen wir zu ihm:

V: Für alle, deren Lebenssituation sie an den Rand stellt – die sich einsam fühlen, übersehen oder nicht getragen von einer Gemeinschaft. Dass sie erfahren, wie Christus ihnen persönlich begegnet und ihnen Würde und Zukunft zuspricht. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für uns selbst, wenn wir gefangen sind in eigenen Sorgen, Verletzungen oder Interessen und nur schwer hören können, was Jesus uns sagen will. Dass sein Geist uns weitet und wir die Lebendigkeit annehmen, die er schenken möchte. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die mit ihrem Leben ringen – mit Schuld, mit ungelösten Fragen oder mit dem, was sie vor Gott verbergen möchten. Dass sie Mut finden, dem zu vertrauen, der „alles sagt, was wir getan haben“, und doch nicht verurteilt, sondern heilt. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für die Kirche, die den Menschen Christus sichtbar machen soll. Dass sie Räume schafft, in denen echte, persönliche Begegnung mit Jesus möglich wird. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die anderen das Evangelium erschließen — durch Wort, Begleitung und durch ihr Leben. Dass sie Menschen helfen, Jesus als den Messias zu erkennen, der Quelle des lebendigen Wassers ist. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für unsere Verstorbenen. Dass Christus, der die Tiefe des Herzens kennt, sie vollendet in seinem Frieden. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

P: Herr Jesus Christus, du bist gekommen, um uns zu begegnen, jede und jeden auf dem eigenen Weg. Dafür danken wir dir heute und alle Tage, bis du uns vollendest in deinem Reich. A: Amen.