Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 12. Sonntag im Lesejahr C 2026 (Lukas/Aloisius)

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21. Juni 2026 - Heilig Kreuz, Feldafing

Predigt

1. Die Krone zu Füßen Jesu gelegt

  • Ein junger Mann geht auf die Knie, greift mit einer Geste zum Kopf, die deutlich macht, dass er die Krone, die Menschen ihm aufgesetzt haben, niederlegt. Er kniet vor dem Kreuz, legt die Krone dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu Füßen. Dann greift er nach dem Kreuz und legt es sich an die Brust. Die Szene ist unzählige Male zu sehen: Aloisius, Fürstensohn und Erbe; die Krone, die er abgelegt hat, kullert rechts im Bild achtlos zu Boden. Stattdessen hält er das Kreuz in seinen Händen. Die Szene ist fünfhundert Jahre alt. Als es passierte, waren viele der etablierten Gesellschaft geschockt. Heute ist Alois von Gonzaga ein Heiliger. (Bild und Artikel auf explizit.net)
  • Die andere Szene ist eine Woche alt. Auch sie wird unzählige Male gezeigt, gepostet und geliked. Aber auch gehated. Die Krone, die der junge Mann symbolisch zu Boden legt, steht für den Jubel, mit dem sein Tor einem Fußballspiel den entscheidenden Kick gab; am Ende stand das 7 zu 1 für Deutschland. Aber Felix Nmecha, der gebürtige Hamburger, wird seitdem vor allem deswegen kontrovers diskutiert, weil er den Ruhm von sich ablenken und stattdessen Jesus, seinen Herrn ehren wollte. Nach dem Spiel hat sich ihm Jonathan Tah, ein weiterer Hamburger, angeschlossen und mit einigen Spielern der gegnerischen Mannschaft standen sie für ein kurzes Gebet eng zusammen. (Bericht auf sportschau.de)
  • "Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen." Der Satz stammt von Jesus aus dem heutigen Evangelium. Zeigen uns Felix Nmecha letzte Woche und Alois von Gonzaga, dessen Todestag und Heiligenfest heute ist, was dieser Satz bedeutet?

2. Das Bekenntnis leben

  • Die Geste spricht für sich. Entscheidend aber ist, dass das Leben dazu passt. Jesus Christus bezeugt man und "bekennt ihn vor den Menschen" nur dann durch Gesten und Worte, wenn das Leben dazu stimmt. Beurteilen kann – und wird! – das am Ende nur Christus selbst, wenn er sich "vor seinem Vater im Himmel" zu uns bekennt. Er bestätigt die Gemeinschaft, die wir hier auf Erden mit ihm haben, auch im Himmel, in der Gegenwart der Liebe des Vaters, in die er uns mit hineinnimmt – jetzt und einst.
  • Ich soll nicht urteilen, ob diese Geste "echt" ist. Felix Nmecha wird kritisiert, weil seine evangelikale Gemeinschaft zu manchen kulturellen und gesellschaftlichen Fragen quer liegt zu dem, was in Deutschland allgemein anerkannt ist. Aber auch, wenn ich diese Kritik teile, kann es mich berühren, dass er und die anderen nach einem Spiel gegen einander zum Beten miteinander kommen und damit ein Zeichen setzen.
  • Bei Aloisius ist für mich die Lilie entscheidend, die zu seinem Bild dazu gehört. Sie ist das Zeichen der Reinheit. Rein zu sein bedeutet, dass Alois von Gonzaga in seinem Handeln nicht berechnend war. Das gilt besonders für den Augenblick, an dem dieser junge Mann sich entschieden hat, den Pestkranken beizustehen, statt wie viele andere in Angst um sich selbst davon zu laufen. In dieser Entscheidung ist keine Berechnung und kein Kalkül. Sie ist rein.

3. Vertrauen in Gott

  • Das verweist direkt auf den zentralen Satz im Evangelium: "Fürchtet euch nicht!". Alles, was Jesus für uns will ist, dass wir lernen, mit ihm Gott, seinem und unserem Vater zu vertrauen. "Fürchtet euch nicht!"
  • Ja, das gilt auch für das Bekenntnis zu Jesus, dem Christus. Felix Nmecha, 25 Jahre alt, hat das durch seine Geste vor aller Welt gemacht. Er weiß, dass er dafür in Deutschland auch angefeindet wird. Aber in den Interviews bekennt er sich dazu. Er fürchtet sich nicht. Praise the Lord!
  • Für mich und uns bleibt die Frage, ob hinter meiner Zurückhaltung über den Glauben zu sprechen, vielleicht doch etwas Furcht "vor den Menschen" steckt. Es kann Respekt vor anderen sein, dass ich ihnen nicht immer und überall meinen Glauben auftische. Kann sein. Aber wie das Bekenntnis braucht auch solcher Respekt vor der Verschiedenheit der Menschen zuletzt das eine: Vertrauen in Gott, unseren Vater.

Fürbitten

P: Und du führst uns den Weg, der durch Vertrauen ins Leben führt. Zu dir kommen wir mit unseren Bitten:

V: Stärke deine Kirche, dass sie dich bekennt mit klarem Wort und glaubwürdigem Leben. – Christus, höre uns! A: Christus, erhöre uns.

V: Richte alle auf Gerechtigkeit und Frieden aus, die in Politik und Wirtschaft, in den Medien und den digitalen Netzwerken Einfluss haben. – Christus, höre uns! A: Christus, erhöre uns.

V: Sei nahe allen, die Angst haben vor Zukunft, Krankheit oder Verlust, und mach Du unsere Kirche zu einem Ort, an dem wir Vertrauen in deinen himmlischen Vater lernen. – Christus, höre uns! A: Christus, erhöre uns.

V: Wandle unser Herz, dass wir in unserem Handeln nicht taktieren und berechnen, sondern rein aus dem Vertrauen in Gott leben. – Christus, höre uns! A: Christus, erhöre uns.

V: Nimm unsere Verstorbenen auf in deine Herrlichkeit und vollende in ihnen die Gemeinschaft mit dir, die in diesem Leben begonnen hat. – Christus, höre uns! A: Christus, erhöre uns.

P: Herr Jesus Christus, du gehst uns voran auf dem Weg ins Leben. Dir vertrauen wir unsere Bitten an, heute und alle Tage. A: Amen.