Predigt zum 13. Sonntag im Lesejahr A 2026 (Römerbrief)
28. Juni 2026 - Heilig Kreuz, Feldafing
Predigt
1. Christus allein
- Nicht über irgendwie alle Menschen spricht Jesus im heutigen Evangelium. Sonst wäre das absurd, dass alles von ihm und der Verbindung mit ihm abhängig sein soll. Vielmehr spricht Jesus zu den Aposteln und damit zu denen, die getauft wurden. Nur hier gilt: nichts mehr lieben als Christus allein.
- Das lässt sich gut verstehen mit einem Blick auf die kurze Auswahl aus dem Römerbrief zum Thema Auferstehung. Denn auch Paulus weiß: Leben, Sterben und Auferstehen ist für die Getauften möglich nur mit Christus.
- Dagegen steht eine "atheistische" Vorstellung: Auferstehung und Ewiges Leben wäre in dieser verbreiteten Vorstellung ein Spiel nach Punkten. Hat man genug Pluspunkte, geht's nach oben. Ist die Bilanz im Minus, geht's nach unten. Gott kommt dabei bestenfalls als Punktrichter vor. Eine kosmische KI könnte ihn ersetzen.
2. Leben in Christus
- Christlicher Glaube ist anders. Wir glauben, dass es neben dieser Welt den Bereich gibt, in dem Gott gegenwärtig ist. Und diese Bereiche sind nicht getrennt - oder nur soweit, als die Sünde sie trennt. Denn Gott ist Liebe und Sünde alles, was davon trennt.
- Kann derselbe Mensch daheim liebenswürdig und fürsorglich sein und im Büro seine Mitmenschen wie Dreck behandeln? Ich mag nicht ausschließen, dass es das gibt. Aber es ist sehr wohl ausgeschlossen, Gott am Sonntag zu lieben, und den Menschen, der neben mir in der Bank sitzt, zu hassen.
- Hier sagt Paulus: Lass Dich hineintauchen ist Christus. Tauch in ihm unter, dass er Dich umgibt, wie das Wasser in das Du tauchst. Deswegen heißt das Sakrament der Christwerdung "Taufe". Wenn Du in diesem Wasser verwandelt wirst, strahlt das auf Dein ganzes Leben aus. Denn nichts verwandelt mehr als die tiefe Erfahrung geliebt zu werden. Das sollte - wenn Du als Kind getauft wurdest - die Frucht einer christlichen Erziehung sein. Manche machen die Erfahrung erst als Erwachsene. Und diese Erfahrung wird jedes Mal wirksam, wenn dich die Sünde neu versklaven will. In Christus ist Gottes Liebe in der Welt (und Menschen, die ihn nicht kennenlernen durften, schenkt Gott ebenfalls Zeichen seiner Liebe).
3. Römerbrief 6, 3–4.8–11
- Von hier aus möchte ich den Text der heutigen Lesung anschauen; wir haben ihn als Zettelchen ausgeteilt. Dieser Abschnitt aus dem Römerbrief lohnt es, ihn mitzunehmen: „Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ – Taufe heißt hier: hineingetaucht werden in die Lebenshingabe Jesu. In diesen frühen Jahren des Christentums hat das Wort "Tauchen" – unsere Taufe – noch den Klang dessen, was es bedeutet ganz in ein frisches Wasser einzutauchen.
- Paulus beschreibt es so: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“. Christus hat die Sünde – auch die Gewalt und den Hass der Menschen – auf sich genommen und verwandelt. Seine Hingabe durchbricht die Macht der Sünde. Darum gilt: Was uns belastet – erlittene oder eigene Schuld –, soll sterben. Wir werden hineingetaucht in neues Leben, „damit auch wir, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln“. Und das gilt jetzt. Nicht erst nach dem Tod, sondern heute, wenn wir aus der Beziehung zu Gott leben.
- Paulus sagt weiter: „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“ Dieses „werden“ ist stark: Wer wirklich mit Christus verbunden ist, kann gar nicht anders, als aus diesem Leben zu leben. Das Alte verliert seine Macht. „Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.“ „Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde; sein Leben aber lebt er für Gott.“ Das ist keine abstrakte Idee, sondern Hoffnung: Leben mit Christus verbindet uns schon jetzt mit Gottes Wirklichkeit – und diese Liebe ist stärker als der Tod. Darum die Konsequenz: „Haltet euch für Menschen, die der Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“ Versteht euch so. Lebt so. Amen.
Fürbitten
P: Herr Jesus Christus, du hast uns in unserer Taufe mit dir verbunden, hineingenommen in dein Sterben und Auferstehen. Zu dir rufen wir voll Vertrauen:
V: Für deine Kirche: dass sie aus der lebendigen Verbindung mit dir lebt und den Menschen glaubwürdig bezeugt, dass dein Leben stärker ist als Sünde und Tod. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
V: Für alle Getauften: dass sie sich neu als Menschen verstehen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben – getragen von deiner Liebe. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
V: Für unsere Welt: dass Gewalt, Hass und Schuld nicht das letzte Wort behalten, sondern verwandelt werden durch Menschen, die aus deiner Hingabe leben. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
V: Für alle, die unter ihrer eigenen Schuld oder unter erlittenem Unrecht leiden: dass sie erfahren, dass sie in dir neu anfangen dürfen und Heilung finden. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
V: Für unsere Gemeinden: dass wir nicht nur von dir sprechen, sondern in dir leben – aufmerksam füreinander, versöhnt und geprägt von respektvoller Liebe. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
V: Für unsere Verstorbenen: dass sie vollendet werden in der Gemeinschaft mit dir und in deiner Herrlichkeit leben. — Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
P: Denn du bist der Herr unseres Lebens. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.