Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 14. Sonntag im Lesejahr A 2026 (Sacharja)

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05. Juli 2026 - Heilig Kreuz, Feldfing

Predigt

1. Gewalt ist die Regel

  • Vor 20 Jahren ist in Moskau ein Roman erschienen, den zu lesen ich nicht empfehlen kann. Es war schwer erträglich. Die Erzählung spielt in der Zukunft des Jahres 2027. Geschildert wird einen Staat und eine Gesellschaft, die zutiefst von Gewalt und Gewaltsprache durchzogen sind. Was, habe ich mich bei der Lektüre vor einigen Jahren gefragt, geht im Kopf eines solchen Buchautors vor? Heute weiß ich, er hatte einfach nur eine gute Wahrnehmung davon, was in diesem Staat im Kommen war. Die unerträgliche Gewaltsprache hört man mittlerweile aus den obersten Regierungskreisen.
  • Das Phänomen ist nicht auf Moskau und Russland beschränkt. In vielen Ländern, von denen man eigentlich dachte, dass sie christlich sind, ist es zumindest in den sozialen Netzwerken, aber manches Mal bis in die Kreise von einflussreichen und mächtigen Männern üblich geworden, nicht nur im Kategorien von Gewalt und Macht zu denken, sondern auch ganz ungehemmt eine solche Sprache zu pflegen. Aller Erfahrung nach Folgen auf die Sprache auch Taten.
  • Gewalt abzulehnen ist, so muss ich eingestehen, nicht die Regel sondern die Ausnahme. So auch in Ländern, von denen man dachte, dass dort der christliche Glaube Wurzeln geschlagen hätte. Die Regel ist die Gewalt, und die Überzeugung, dass der als mächtig zu gelten hat, der sich gewaltsam gegenüber anderen durchsetzen kann. Manche hoffen, dass das ein reines Problem der Männerherrschaft ist und es besser würde, wenn diese gebrochen sei. Diese Hoffnung bedarf noch eine Bestätigung in der Praxis.

2. Transformation der Macht

  • Die heutige Lesung aus dem Buch des Propheten Sacharja gehört sicher zu den Texten, in denen Jesus seine eigene Sendung ausgedrückt gefunden hat. Dass er beim Einzug nach Jerusalem einen Esel als Reittier wählt, ist dafür ein klares Zeichen. So wie es Sacharja schildert möchte Jesus ein Anders-König für Israel sein: "Gerecht ist er und demütig und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin."
  • Es ist eine Herrschaft, die Jesus ankündigt und antritt, das Reich Gottes. Wörtlich: Das Königreich Gottes. Jesus hat also keineswegs Machtlosigkeit im Sinn. Das mag so klingen, wenn Sacharja die radikale Abrüstung zum Programm erhebt: "Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen." Das Königtum Gottes zerstört diese Waffen, nicht deshalb, weil diesem König Macht fehlt, sondern weil seine Herrschaft auf einer anderen Grundlage ruht. Das ist keine Resignation, sondern eine Transformation von Macht.
  • Jesus verkörpert die Macht, die auf andern beruht. Sein Demut ("ich bin gütig und von Herzen demütig") begrenzt nicht die Herrschaft des Messias; vielmehr ist gerade die Demut die Form seiner Herrschaft. Der Esel und die Weltherrschaft widersprechen sich nicht. Der Friede "von Meer zu Meer" entsteht nicht durch überlegene Waffen, sondern durch die Macht der Liebe, die Gerechtigkeit erfüllt und Gewalt überwindet. Das ist die eigentliche Logik des Reiches Gottes. Deus Caritas Est.

3. Friedenstauglich

  • Es gibt historische Situationen, in denen einer aggressiven Gewaltbereitschaft deutlich gemacht werden muss, dass man fähig ist, sich zu wehren. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Aber diese Abwehrbereitschaft ist ein gefährliches Gut. Wir verfallen der Logik der Waffen, wenn wir nicht zuerst wissen, was die Grundlage des Friedens ist.
  • Friedenstauglich ist eine Familie, eine Gesellschaft, eine Nation oder eine Kultur nur, wenn sie im Inneren nicht auf Gewalt gebaut ist, wenn sie weder die Sprache, noch die Kultur der Gewalt pflegt. Daran scheitert augenblicklich die Politik des Staates Israel: Dem Vernichtungskampf der äußeren Feinde kann diese Politik keine Kultur der Gerechtigkeit, des Respekts und der Demut entgegensetzen.
  • Friedenstauglich ist aber die Macht der Demut auch nur dann, wenn sie sich nicht über andere Menschen stellt und keinen Menschen ausschließt. "Von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde" herrscht der König, den Sacharja verheißt. Alle Menschen lädt Jesus ein, von ihm zu lernen und den Weg mit ihm zu gehen. Amen.

Fürbitten

P: Herr Jesus Christus, vor dich bringen wir die Welt mit ihren Kriegen und Verletzungen, mit ihrer harten Sprache und ihrer Sehnsucht nach Frieden.

V: Für die Regierenden und Mächtigen dieser Welt: dass sie nicht der Logik der Gewalt verfallen, sondern Wege der Gerechtigkeit suchen und den Mut haben, Frieden höher zu achten als die eigene Stärke. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für alle, die unter Krieg, Terror und Hass leiden: für die Menschen in den Krisengebieten unserer Zeit, für die Verletzten, die Trauernden und die Vertriebenen. Stärke ihre Hoffnung und bewahre ihre Würde. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für unsere Gesellschaft: dass wir der Sprache der Verachtung und der Aggression nicht Raum geben, sondern einander mit Respekt begegnen und das Wort zum Werkzeug des Friedens machen. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für Familien, Gemeinschaften und Freundeskreise: dass nicht Rechthaberei und Machtkämpfe das Zusammenleben bestimmen, sondern Geduld, Versöhnungsbereitschaft und die Achtung vor dem anderen. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Kirchen und für alle, die an dich glauben: dass sie glaubwürdige Zeugen deiner demütigen Herrschaft werden. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Menschen im Heiligen Land, für Israel und Palästina, und für alle Völker, die in Feindschaft gefangen sind: schenke ihnen Politiker und Frauen und Männer des Ausgleichs, damit Gerechtigkeit und Frieden wachsen können. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für unsere Verstorbenen: dass sie Anteil erhalten an deinem Reich, in dem keine Gewalt mehr herrscht und der Friede kein Ende kennt. Du Fürst des Friedens – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

P: Herr Jesus Christus, du bist sanftmütig und von Herzen demütig. Dir sei Ehre und Herrlichkeit heute und in Ewigkeit. A: Amen.