Predigt zu Ostern am Tage 2026
5. April 2026 - Heilig Kreuz Feldafing
Predigt
1. Gott beginnt neu
- "Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt." Was Petrus in seiner Osterpredigt bekennt ist prägnant. Auferweckung meint mehr als eine späte Ehrenrettung und ist keine Berichtigung eines Justizirrtums. Innerhalb der Logik der Macht mag das Kreuz geradezu konsequent und richtig erschienen sein.
- Doch die Auferweckung durch Gott ist ein Anfang jenseits der Logik, die Jesus ans Kreuz gebracht hat. Denn wer kreuzigt, setzt ein Ende. Gott jedoch setzt einen radikalen Neuanfang.
- Auferstehung folgt keiner Rechnung der Stärke. Sie entsteht dort, wo etwas abgeschlossen schien. Darum wirkt Ostern verstörend: Das Gescheiterte bleibt präsent. Der von den Menschen aus ihrer Gemeinschaft Ausgeschlossene wird von Gott in die Mitte gestellt.
2. Zeugen stehen dafür ein
- „Gott hat uns geboten", sagt Petrus "dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten." – Zeugen verwalten keine Deutung. Sie stehen zwischen dem Geschehenen und einer Welt, die rasch zur Tagesordnung übergehen will.
- Der Auferstandene zeigt sich denen, die in ihren Herzen die Sehnsucht und das Vertrauen nicht aufgeben wollten. Gottes Wirklichkeit zeigt sich nicht den Beobachtern von außen. Daher heißt Zeugnis zu geben: Ich war dabei. Ich habe gesehen, was zerbrochen ist. Doch ich halte fest, dass Gott dort neu begonnen hat.
- So entsteht eine stille Form von Öffentlichkeit, unaufdringlich und beharrlich. Indem die Apostel Zeugen sind, erinnern sie an das Kreuz, verweisen aber auf die Gegenwart des Neuen in Gott. Das ist nicht unpolitisch in einer Welt, die gerne vergessen möchte und weitermachen will wie bisher.
3. Die Wirklichkeit spricht Recht
- „Er ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.“ Jenseits unserer Grenzziehung von Leben und Tod hat Gott den Auferstandenen gesetzt. Gericht bedeutet Klärung. Das Osterfest macht klar, dass die Welt sich nicht selbst gehört.
- Die eigentümliche Ostererfahrung ist: Er zwingt nichts. Gott bindet sich nicht an die herkömmliche Logik des Durchsetzens. Und doch ordnet sich alles neu, wo ich beginne, die Botschaft zu hören, zu verstehen und darauf zu vertrauen: An Ostern zeigt sich, dass Gottes Wirklichkeit weiter reicht als unsere Arrangements.
- Auferstehung ist ein Anfang, der offen bleibt. Seit Ostern entscheiden wir nicht mehr allein, was endgültig ist, was zählt, was verschwinden muss. Darum ist Ostern kein rein innerkirchliches Fest, sondern eine Anfrage an jede Ordnung, die festlegen will, wer Bedeutung hat und wer übergangen werden darf.
Fürbitten
P: Christus, aufgeweckt aus dem Tod. Gott hat dich zum Anfang neuen Lebens gemacht. In dieser Hoffnung bringen wir vor dich, was uns bewegt.
V: Christus, wir leben in einer Zeit, in der Gewalt wieder als Lösung erscheint und Härte als Stärke gilt. Zeige denen, die Verantwortung tragen in Sozialen Netzwerken und Medien, in Politik und Gesellschaft, dass Zukunft nicht aus Angst entsteht, sondern aus dem Mut, dem Leben zu dienen. (Kyrie-Ruf nach der Melodie "Christ ist erstanden")
V: Christus, viele Menschen spüren weltweit, wie brüchig Sicherheiten geworden sind: durch Krieg, Flucht, wirtschaftliche Not und die Erschöpfung unserer Erde. Mach uns zu Zeugen deiner Auferstehung, die nicht wegsehen, sondern handeln, wo Leben bedroht und Würde verletzt wird.
V: Christus, du sendest deine Zeuginnen und Zeugen nicht als Helden, sondern als Menschen, die gesehen haben, dass Gott Leben schafft. Stärke unsere Pfarreiengemeinschaft, damit sie ein Ort wird, an dem Hoffnung geteilt, Zweifel getragen und neue Schritte ins Leben gewagt werden.
V: Christus, durch deine Auferstehung ist der Tod nicht das Letzte. Wir bringen vor dich die Menschen, die in den Kriegen im Nahen Osten und in Europa ihr Leben verloren haben, und die Verstorbenen aus unseren Familien, um die wir trauern. Nimm sie auf in dein Leben bei Gott.
P: Nimm unsere Bitten an, o Herr, und lass uns leben aus der Kraft dessen, was Gott an dir getan hat. Dir sei Ehre und Lob, jetzt und in Ewigkeit. A: Amen.