Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A 2026 (Veteranenjahrtag)

Zurück zur Übersicht

19. April 2026 - Mariae Geburt, Traubing

Predigt

1. Veteran und Ostern

  • Veteran bedeutet, was früher war. Ostern hingegen ist ganz nach vorne gerichtet. Auf den ersten Blick haben die beiden Themen also nichts gemeinsam. Zusammen mit dem Veteranen- und Soldatenverein Traubing feiern wir heute diesen Gottesdienst – und die christliche Osterbotschaft sollte sich gerade auch bei diesem Anlass des Veteranenjahrtags bewähren.
  • Veteran bedeutet, was früher war. Die Kameraden von früher, die Erlebnisse von früher, das was sie geprägt hat, aber auch die Wunden, die es hinterlassen hat, die körperlichen und die seelischen. In diesem Sinn können wir alle das Evangelium fragen: Was bedeutet die Auferstehung Christi von Ostern für uns, die wir Veteranen unserer Biographie und unseres bisherigen Lebens sind. Veteranen des Lebens, in dem manche Frauen und Kinder mehr Leid erlebt haben, als die Kameraden in der Kaserne. Was früher war.
  • Ostern hingegen ist Auferstehung zu neuem Leben. Aber, das ist für die erste Jünger und Apostel zentral und sollte es bis heute sein: Es ist der Gekreuzigte, der von Gott zum Leben auferweckt wurde. Der verklärte Leib des Auferstandenen ist ein Leib mit seinen Wunden, die ihm geschlagen wurden. Ein wichtiger Teil der christlichen Hoffnung auf Auferstehung ist, dass die Vergangenheit nicht ausgeblendet ist, besonders nicht die Wunden, die Ungerechtigkeit und das Leid. An den Veteranen des Lebens vorbei gibt es keine Ostern.

2. Mit Christus

  • Auch wenn das vielen nicht klar ist, so ist doch ganz deutlich: Christlich ist nicht die irgendwie vorgestellt Hoffnung, dass es nach dem biologischen Tod weitergeht mit einem ewigen Leben. So als folge mechanisch auf die mühsame Phase A auf Erden die nicht endende Phase B im Himmel (oder für die Bösewichter: in der Hölle).
  • Vielmehr spricht die ganze Bibel von einer Beziehung des Vertrauens. Glauben ist ein Trauen und Vertrauen. Die Bibel ist eine lange Geschichte die von dem – oft auch gescheiterten – Versuchen erzählt, das Leben und das Zusammenleben aus dem Vertrauen in Gott zu gestalten. Jesus versteht seine eigene Sendung so, dass er durch sein Vertrauen in Gott, seinen Vater und unseren Vater, so lebt, dass er uns gleichsam mitnimmt.
  • Daher ist dies die beste Weise von Ostern zu sprechen: Das Vertrauen Jesu war: Gott "steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke." Die Mächtigen haben ihn gekreuzigt. Doch durch die Auferweckung wurde er in seinem Vertrauen bestätigt. Er lebt in der Gegenwart Gottes – und aus dieser Gegenwart heraus reicht er uns die Hand, um uns mit Gott zu verbinden. "Mit Christus auferstehen" ist meine Hoffnung. Und ich weiß, dass ich damit nicht warten muss, bis ich hier auf Erden gestorben bin.

3. Gemeinschaft

  • Ein Osterglaube vergisst also nicht die Vergangenheit, sondern überwindet sie in der Kraft Gottes. Ein Osterglaube vertraut also, dass Gott stärker ist als der Tod. Und ein drittes: Der Osterglaube ist immer ein Vertrauen in Gemeinschaft. Alleine kann ich vielleicht alles mögliche glauben. Auf Gott vertrauen kennt den Weg über die Gemeinschaft der Menschen, mit denen zusammen ich glaube, die mir den Glauben vermittelt haben bis zu den frühesten Zeugen und Jesus selbst – der ja auch als Mensch inmitten des Volkes Gottes gelebt und vertraut hat.
  • Das hat Konsequenzen für einen Veteranenverein, der christlich sein will. Ihre Gemeinschaft muss so sein, dass sie einander helfen, nicht auf die Kraft von Menschen allein zu vertrauen, sondern in allem und im Letzten auf Gott. Ihre Gemeinschaft muss so sein, dass in ihr die Ungerechtigkeit und das Leid nicht ausgeblendet und verschwiegen werden muss, sondern benannt werden kann. (Das könnte auch bedeuten, besonders ehrend derer zu gedenken, die unehrenhaft aus einer Wehrmacht entlassen wurden oder desertiert sind, weil sie sich an grauenvollem – ehrlosem! – Unrecht beteiligt hat.)
  • Das Fest, das wir hier in der Heiligen Messe feiern, gilt diesem Gott, dem wir vertrauen dürfen auch und gerade in Zeiten wie diesen. Wo allerorten Krieg wieder möglich ist oder möglich scheint, brauchen wir uns nicht kirre machen zu lassen. Aus der zuversichtlichen Hoffnung auf Christus, der mit uns auferstehen will, können wir heute vertrauen: Jeder Einsatz für mehr Frieden, mehr Vernunft, mehr Verlässlichkeit und Freundlichkeit lohnt sich – und den Rest vertrauen wir Gott an.

Fürbitten

P: Gott, unser Vater, du siehst jeden Menschen ohne Ansehen der Person. In der Hoffnung der Auferstehung bringen wir dir unsere Bitten:

V: Für die Kirche: Dass sie in einer verwundeten Welt glaubwürdig von Hoffnung spricht, tröstet, Versöhnung stiftet und zum Frieden ermutigt. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für alle Veteranen, für Soldaten, Reservisten und alle Frauen und Männer, die ihrem Land gedient haben und dienen: Hilf ihnen Recht von Unrecht zu unterscheiden und schenke ihnen Anerkennung, einen guten Platz in der Mitte der Gesellschaft und Menschen, die ihnen zuhören. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für alle, die Verwundungen tragen — sichtbare oder unsichtbare: Hilf uns, unsere Mitmenschen mit körperlichen Verletzungen, mit belastenden Erinnerungen und Traumata nicht auszugrenzen, sondern geduldig zu begleiten und mitzutragen. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für die Verantwortlichen in Politik, Diplomatie und Militär: Gib ihnen Weisheit, Maß und Mut zu gerechten Entscheidungen, damit Konflikte eingedämmt, Menschen geschützt und Wege des Friedens gesucht werden. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für unsere Gemeinde und alle Vereine, die heute mit uns feiern: Lass das gemeinsame Erinnern nicht verhärten, sondern vertiefen: dass aus dem Gedenken am Kriegerdenkmal ein Auftrag wächst, Unrecht zu wehren, Frieden zu bewahren und Versöhnung zu suchen. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für alle Opfer von Krieg und Gewalt, für die Gefallenen, die zivilen Opfer der Bomben, für alle, die in den Lagern ermordet wurden und für alle Verstorbenen, an die wir heute besonders denken: Nimm sie auf in dein Licht, tröste die Trauernden und schenke ihnen Frieden in deiner Ewigkeit. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Für uns: Dass wir mit wachem Gewissen leben, die Würde jedes Menschen achten und im Alltag an einer Kultur des Friedens mitbauen. A: Wir bitten dich, erhöre uns.

P: Guter Gott, du kennst unsere Bitten, bevor wir sie aussprechen. Nimm an, was wir dir anvertrauen, und stärke in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. — Amen.