Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 5. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A 2026 (Johannes)

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3. Mai 2026 - St. Ignatius, Frankfurt

Predigt

1. Der Weg ist nicht das Ziel

  • Der Weg sei das Ziel. Diese Sentenz wird wahlweise Konfuzius oder dem Buddha zugeschrieben. Der Satz klingt bedeutungsschwanger. Doch vielleicht verdeckt er nur, dass ich kein Ziel habe. So wird flugs der Weg zum Ziel deklariert, um die Leere zu kaschieren, wo das Leben ziellos ist.
  • Wenn es allein um Ethik geht – und vielleicht ist es Konfuzius so zu verstehen –, dann widerspricht, „Der Weg ist das Ziel“ zumindest dem Motto, das oft fälschlicherweise Ignatius zugeschriebenen wird, leider aber manchmal auch bei Jesuiten anzutreffen ist: „Der Zweck heilige die Mittel“. Das tut er ganz sicher nicht. Ja, es ist wichtig das Ziel zu kennen und geeignete Mittel zu suchen und das eine vom anderen unterscheiden zu können. Aber kein noch so moralisches Ziel rechtfertigt unmoralische Mittel.
  • Man muss das Ziel kennen. Chiara Lubich sagt: "Unser Leben soll eine Reise sein, den Blick allein auf Gott gerichtet."[i] Aber, ist es nicht ein wesentliches Element unseres Glaubens an Gott, das dieses Ziel, dieser Gott in jedem Fall größer ist, als alles was wir von ihm zu wissen meinen? Ist nicht der Gott von dem Menschen meinen, genau zu wissen wie er ist, ein selbstgemachter Gott, der nie das Ziel des ganzen Lebens sein kann? – Der Weg ist nicht bereits das Ziel. Dennoch gibt es gerade beim Leben aus dem Glauben hier einen tiefen Zusammenhang.

2. Nichts als den Weg

  • Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand, (keiner der sich auf mich einlässt) kommt zum Vater außer durch mich.“ Sehen ist nur möglich, wenn ich den Weg gehe, nicht aus einer Zuschauerposition, abwartend am Rand. "Zwei übereinandergelegte Holzscheite", meint Chiara Lubich, "geben Licht, solange sie sich verzehren"[ii]. Die Liebe Christi als Weg und Wahrheit für meine Liebe, nur dann gibt es Licht.
  • Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Gott begegnet uns nur dort, wo wir darauf verzichten, ihn besitzen zu wollen. Weil Gott eben nicht ein operationalisierbares Ziel ist, sondern der Ewige, der Unbegreifliche. Glaube als Besitzstand und jede Selbstgefälligkeit, die meint schon am Ziel zu sein, ist nicht nur nicht christlich, sondern gefährlich. Das gilt für jeden Glauben, gerade auch den, der meint auf Gott, den Schöpfer des Himmels uns der Erde verzichten zu können. Der Vater ist nicht irgendwie das Original, von dem Jesus ein Bild wäre, an dem sich alles erschöpfend ablesen ließe. Vielmehr ist Gott das Vertrauen, aus dem Jesus lebt. Gott ist der Sinn des Weges, den Jesus mit uns geht. Nur wenn wir versuchen, mit Jesus Gott zu vertrauen und auf sein Zeugnis hin diesen Weg zu gehen, lebe ich aus diesem Ziel, aus Gott. Das allerdings nicht irgendwann, sondern jetzt schon.
  • Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“ Dieser Satz, das sei nur angedeutet, gilt vielleicht von uns gemeinsam als Kirche. Dort – und nur dort! – wo diejenigen, die sich Christen nennen, auch vertrauen und glauben, werden die Werke von damals in Galiläa zu dem Größeren. In jeder Gemeinde und jeder christlichen Familie kann und wird das Wunder möglich.

3. Eine Bleibe als Ziel

  • Auslöser für die Selbstoffenbarung Jesu, der Weg die Wahrheit und das Leben, ist die Nachfrage des Thomas. Als Jesus beim Abschied sagt, er gehe voraus eine Wohnung zu bereiten und die Jünger wüssten bereits den Weg – das fragt Thomas warum. Wir wissen doch nicht, wohin Jesus geht. Wie sollen wir dann den Weg wissen. – Das Wort, das hier aus dem Griechischen mit Wohnung übersetzt wird, heißt: "eine Bleibe". Jesus geht in das Kreuz und die Auferstehung, um uns eine Bleibe zu bereiten, einen Ort, an dem wir bleiben können.

  • Ja, unser Leben hat ein Ziel. Und ja, Thomas hat recht, dass wir es nicht kennen, nicht wissen oder besitzen können. Und doch gibt es diese Bleibe, auf die unser unstetes Leben zuläuft. Wir können das Ziel nicht wissen, aber wir können es gehen.

    • Christus sagt: Schau auf mein Erbarmen. Sei barmherzig. Denn so ist dein Vater im Himmel.
    • Schau auf meine Treue. Lebe treu in deiner Liebe. Denn Gott ist Liebe
    • Schau auf mein Kreuz. Nimm dein Kreuz auf dich und lass dich ein auf das Experiment dem Gott zu vertrauen, dessen Namen wir nur kennen als "Gott mit uns auf dem Weg."
  • Die Bleibe, die himmlische Wohnung ist dort, wohin Jesus in der Auferstehung zum Vater vorausgegangen ist. Bleiben, Halt haben im Leben, aber können wir schon hier, indem wir den Weg gehen, der Christus selber ist. Der Weg, die Wahrheit und das Leben.


[i] Chiara Lubich: Spiel mit göttlichen Rollen, Neue Stadt Verlag München Zürich Wien 1974, S. 128.

[ii] Chiara Lubich: Mitten unter ihnen, Neue Stadt Verlag München Zürich Wien 1976, S. 64.



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