Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt 1. Adventssonntag Lesejahr A 2025 (Jes)

Zurück zur Übersicht von: 1. Advent Lesejahr A

30. November 2025 - Sankt Pius, Pöcking

1. Schwerter zu Pflugscharen

  • Schwerter zu Pflugscharen, Lanzen zu Winzermessern. Dieses Bild des Propheten Jesaja ist stark. Es steht für einen Bewusstseinswandel.
  • Am Ende der Zeiten – so die Hoffnung des Propheten – werden all die vielen verschiedenen Völker sich zur Wallfahrt zum Berg Gottes, dem Zion in Jerusalem, treffen. Das wird bewirkt durch die Erkenntnis: Gott ist nur einer für alle Völker. Aus der Erkenntnis des Einen Gottes wächst die Erkenntnis, dass alle Menschen seine Kinder sind.
  • Diese Hoffnung auf sollten wir nicht aufgeben. Die Wallfahrt des Papstes zu den vielen Völkern ist ein Zeichen des Friedens, aber ebenso die großen gemeinsamen Wallfahrtsorte der Christenheit. Gemeinsames Beten kann Bewusstsein ändern und dazu führen, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden

2.  Gottes Geschichte

  • Und doch ist da mehr. Nicht nur ein aus der Erfahrung Gottes kommender Bewusstseinswandel, der zu einer neue Praxis führt.
  • Als Christ glaube ich, dass Gott aus unseren Schwertern Pflugscharen machen kann. Im Rückblick auf die Geschichte dieser Welt – so vertrauen wir – wird sich zeigen, dass Gottes Macht größer ist als die Macht der Schwerter der Menschen. Das wird sich daran erweisen, dass wir sehen werden, wie Gott selbst aus Unrecht und der Gewalt sein Heil wirken kann. "Im Kreuz ist Heil" ist die christliche Kurzformel für dieses Vertrauen.
  • Dass Gott Schuld verwandeln kann, rechtfertigt nicht die Schuld. Dass Gott auf krummen Zeilen seinen Text schreibt, macht die Zeilen nicht gerade. Aber der Glaube vertraut darauf, dass sich darin Gottes Macht erweist.

3. Advent

  • Das soll nicht billig vertrösten, wo Menschen Gewalt erleiden. Im Gegenteil macht Gott das Unrecht offenbar. Das soll schon gar nicht billig entschuldigen, wo Menschen Gewalt ausüben. Gott "wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen".
  • Wohl aber gibt es Kraft, der Gewalt zu widerstehen und ihr nicht zu verfallen. Wenn ich weiß, dass Gott am Ende der Herr des Lebens ist – dann gibt das Kraft, in dem Vertrauen auf ihn zu leben.
  • Im Bild zu bleiben: Der Advent lädt ein im Zurückschauen nach vorne zu schauen. Zurückzuschauen und zu entdecken, wo Gott zum Pflugschar für Neues gemacht hat, wo wir nur das Schwert geschwungen haben. Nach vorne schauen und in der wachen Bereitschaft auf ihn hin zu leben, der kommt als Herr der Geschichte. Das ist Advent.