Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Schüler-Predigt 'Vertrauen

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5. April 2022 - Aloisiuskolleg Bonn-Bad Godesberg (8. Klassen)

Predigt

1. Vertrauen

  • Wofür ich im Leben dankbar bin ist an erster Stelle: Vertrauen. Sicher hat das damit zu tun, dass ich keine extremen Verletzungen erleiden musste. Aber ich habe mich genug mit Gewalt und Macht beschäftigt, um zu wissen, dass es das gibt. Doch ich vertraue, dass das Vertrauen, das meine Eltern mit aus ihrem christlichen Glauben mitgegeben haben, trägt.
  • "Sorgt Euch nicht…" sagt Jesus nicht zu Menschen, die in Wohlstand aufgewachsen sind. Zu seinem Publikum damals gehörten viele Arme, für die es wirklich eine Frage war: "Was sollen wir essen?". Wenn ich mir heute versuche vorzustellen, was es bedeuten muss, von jetzt auf gleich ein behütetes Zuhause zu verlieren und vor dem Krieg auf der Flucht zu sein, dann weiß ich, wie wichtig dieses ganz tiefe Vertrauen ist.
  • Glauben bedeutet: Auf Gott vertrauen. Vertrauen ist ein Gedanke im Kopf: Ich denke darüber nach. Vertrauen ist auch ein Gefühl im Herzen. Und dann hat Vertrauen auch etwas mit den Füßen zu tun. Menschen, die Gott vertrauen bleiben nicht stehen, sondern machen sich auf den Weg.
  • Gott hat uns geschaffen und liebt uns. Deswegen können wir ihm vertrauen. Er kennt uns besser als wir uns selbst oder unsere Eltern. Und Gott liebt die Menschen, die er geschaffen hat. Er sieht in unser Herz. Er sagt uns: Da ist ganz viel Kraft in deinem Herzen. Mache dich auf den Weg. Beginne Dein Leben. Gehe in ein neues Land.

2. Aufbruch

  • Die Bibel erzählt uns von Abraham. Er lebte vor vielen Tausend Jahren. Er ist der erste, von dem berichtet wird, dass Gott ihm gesagt hat: Mache dich auf den Weg.
  • Damals blieben die Menschen bei ihren Eltern und in ihrer Heimat, auch wenn sie schon erwachsen waren. Zu Abraham sagt Gott: Verlasse das, was du bisher gekannt hast. Ich verspreche dir: Ich führe dich in ein neues Land. Ich bin mit dir auf dem Weg. Du kannst mir vertrauen.
  • Kinder dürfen meistens bei ihren Eltern und in ihrer Heimat bleiben. Das ist auch ganz in Ordnung. Manche Kinder aber müssen sich auch heute auf den Weg machen.
  • Sie fliehen vor Krieg und Armut. Dafür brauchen sie viel Vertrauen. Sie vertrauen: Dort, wo ich hingehe, finde ich Menschen, die mir helfen. Gott wird ihnen sagen: Sei ein Segen!

3. Segen

  • Bevor Abraham aufbricht bekommt er von Gott einen Segen. Gott sagt: Ich segne dich. Segnen bedeutet: Gott bleibt uns ganz nahe.
    Wenn die Mutter morgens zum Abschied am Kindergarten einen Kuss gibt, dann sagt sie: Hab keine Angst. In meinen Gedanken bin ich nahe bei dir. Segen ist ein Küsschen von Gott: Ich bin bei dir, du kannst mir vertrauen.
  • Damit ist Segen aber immer ein Auftrag. Gott sagt nicht: Geh los, egal wohin. Sondern Gott sagt: Geh los, und sei ein Segen für andere Menschen. Andere Menschen brauchen dich. Sie sollen dir vertrauen können. Ich segne dich und gebe dir die Kraft, für andere da zu sein. Jeder Segen ist ein Auftrag.
  • Manchmal fällt es schwer, für andere da zu sein. Manchmal fällt es leicht. Wenn Gott uns segnet, können wir auch Wege gehen, die nicht leicht sind. Wir können Gott vertrauen. Er sagt: Ich zeige dir ein Land, in dem du leben kannst. Es ist das Land der Liebe und des Lichtes. Wer dieses Land sieht, dessen Gesicht leuchtet vor Freude.
  • Nutzt die Stille Zeit heute, um dieser Sehnsucht nach Vertrauen in Euch selbst nachzuspüren. Schau in Dankbarkeit auf Deine Fähigkeit zu Vertrauen und die Menschen, die Dir dabei geholfen haben zu vertrauen. Achtet darauf, wie viel wir Menschen im Leben bei uns und bei anderen kaputt machen, weil wir nicht vertrauen wollen – die Lügerei ist da nur ein Beispiel. Erinnert Euch auch an enttäuschtes Vertrauen. Es geht nicht darum, naiv zu sein. Aber gerade dann lasst Euch von denen, die Euch enttäuscht haben, nicht bestimmen, sondern versucht für Euch zu bestimmen, wie ihr Vertrauen wollt. Dann schaut, wo Ihr in Eurem Leben – ganz konkret – zum Aufbruch berufen seid: dass Ihr nicht so weitermacht, sondern aufbrecht, etwas neu beginnt, etwas wagt, etwas vertraut.

Fürbitten

 

P: Du allein bist Gott. Dir vertrauen wir und bitten:

V: Gott, du hast uns geschaffen und bist uns nahe.
Das Vertrauen in dich macht uns frei, den eigenen Weg zu gehen.
Lass unser Vertrauen wachsen. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, du offenbarst deine Liebe
wie die eines guten Vater und einer liebenden Mutter.
Wir bitten dich für uns alle:
Sei uns nahe in guten und schweren Tagen. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, wir sind umgeben von Werbung,
die uns sagt was angeblich wichtig ist.
Wir bitten dich:
Lass dich und deine Liebe wichtiger sein im Leben. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, viele Menschen dürfen in Familien aufwachsen.
Andere haben keine Familie
oder werden in eine fremde Familie aufgenommen.
Lass alle Menschen verstehen, dass sie deine Kinder sind. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, wir bitten dich für die Suchenden und Heimatlosen,
besonders für die durch den Krieg aus der Ukraine Vertriebenen:
Schenke ihnen die Erfahrung,
dass du ihr Gott bist. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Gott, für die Armen und viele Menschen auch unter uns
ist mancher Tag eine große Plage.
Gib allen Menschen die Kraft und das Brot,
die sie zum Leben brauchen. - Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Wir bitten dich für die Menschen in der Ukraine,
lass sie nicht bitter werden und verzweifeln,
und bewahre vor allem diejenigen, die ihr Land verteidigen,
vor dem Gift von Gewalt und Hass.- Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V: Wir bitten dich für uns in Deutschland und am AKO.
Hilf uns einander mit Respekt zu begegnen,
und schenke uns Achtsamkeit, wo versucht wird,
Mitschüler aus Russland oder anderen Ländern
verantwortlich zu machen für einen Krieg, der nicht der ihre ist. –
Du unser Gott!
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

P: Allmächtiger Gott. Du weißt um Not und Mühsal des Lebens. Höre unsere Bitten und bewahre uns in der Treue zu deinem Namen alle Tage und in Ewigkeit. Amen.

 


Beichtspiegel

 

Stille Zeit – Gelegenheit zum Gespräch

Schau auf Dein Vertrauen – egal ob Du denkst, es ist groß wie ein Berg oder klein wie ein Hügel. Fällt Dir Vertrauen schwer? Nutze die Stille Zeit heute, um der Sehnsucht nach Vertrauen in Dir selbst nachzuspüren.

  • Schau in Dankbarkeit auf Deine Fähigkeit zu Vertrauen und die Menschen, die Dir dabei geholfen haben zu vertrauen.
  • Überlege aber auch, wie viel wir Menschen im Leben bei uns und bei anderen kaputt machen, weil wir nicht vertrauen können oder wollen (Beispiel: Lügen, weil wir nicht vertrauen, sondern meinen uns selbst schützen zu müssen)
  • Erinnere Dich auch, wo Dein Vertrauen enttäuscht wurde.
    Es geht nicht darum, naiv zu sein. Aber gerade dann lass Dich von denen, die Dich enttäuscht haben, nicht bestimmen, sondern versuche für Dich zu bestimmen, wie Du Vertrauen willst.
  • Dann schau, wo Du in Deinem Leben – ganz konkret – zum Aufbruch berufen bist: dass Du nicht so weitermachst, sondern den Aufbruch wagst, etwas neu beginnst, etwas wagst, etwas vertraust.

Worüber könntest Du im Gespräch oder in einer Beichte sprechen?
Wofür kannst Du um einen persönlichen Segen bitten?
Wofür bist Du dankbar?

 


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