Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Beerdigung C. F. Löwenstein 30.4.2010

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30. April 2010 - Kleinheubach

Predigt

Hinweis: Der Verstorbene kam 43jährig bei einem Sportautorennen ums Leben und hinterlässt eine Familie mit vier kleinen Kindern zwischen 2 und 11 Jahren. An sie richtet sich die Predigt.

1. Hochzeit zu Kana

  • Liebe Augustina, lieber Nicodemus, lieber Laurentius, liebe Kiliana. Wir haben eben aus dem Evangelium gehört, dass Jesus zu Besuch war bei einer Hochzeit. Dieses Evangelium wurde schon einmal vorgelesen, vor 12 Jahren als Eure Mami und Euer Papi geheiratet haben. Da ward Ihr natürlich noch nicht dabei. Aber auch damals waren viele, viele Leute aus der Familie da, genauso wie heute. Aber damals haben sich alle Leute gefreut, weil Eure Eltern geheiratet haben. Und heute sind wir alle furchtbar traurig, weil Euer Papi gestorben ist. Damals haben wir uns gefreut und heute sind wir traurig, und irgendwie ist das aus dem selben Grund, weil wir uns lieb haben.
  • Deswegen haben wir heute die selbe Geschichte aus dem Evangelium gelesen wie damals. Die Geschichte erzählt von einer Hochzeit, bei der ganz viele Menschen gefeiert haben. Dabei haben die Erwachsenen viel Wein getrunken - so viel, dass auf einmal kein Wein mehr da war. Das hat Maria, die Mutter von Jesus gemerkt. Sie hat den Leuten gesagt: Achtet auf das, was Jesus euch sagt. Und Jesus hat den Dienern gesagt: Nehmt diese großen Krüge, füllt sie mit frischem Wasser und bringt die Krüge den Hochzeitsgästen. Und siehe da: Aus dem Wasser ist köstlicher Wein geworden. Nur die Diener wussten, dass da ursprünglich nur Wasser drin gewesen ist, bevor Jesus gesagt hatte, man soll es den Leuten bringen.
  • Das ist schon ein ziemliches Wunder, wenn aus Wasser auf einmal Wein wird. Vielleicht war ja auch ein Krug für die Kinder dabei, der dann wunderbar auf einmal mit köstlichem Saft gefüllt war. Jesus kann so ein Wunder wirken. Deswegen ist es merkwürdig, dass im Evangelium nirgendwo die Rede davon ist, dass hier ein Wunder geschehen wäre. Vielmehr heißt es dort, dass Jesus ein "Zeichen" gewirkt hat. Bei einem Wunder sagt man: Toll! Aber bei einem Zeichen fragt man: Worauf zeigt dieses Zeichen? Was soll ich tun, wohin soll ich gehen, wenn ich dieses Zeichen sehe? Ein Zeichen zeigt immer auf etwas anderes. Wenn aus Wasser durch Jesus auf einmal Wein wird, dann zeigt dieses Wunder darauf, dass aus unserem Leben, auch wenn es nur so etwas Einfaches wäre wie Wasser, köstlicher Wein werden kann - oder für Euch vielleicht köstlicher Saft. Mit Gott kann das im Leben passieren, dass viel mehr, viel Schöneres und ganz anderes daraus wird, als wir gedacht haben.

2. Siegespreis der größeren Liebe

  • Ich erzähle Euch das, weil das etwas Wichtiges ist, das Ihr verstehen könnt. Menschen haben ihre Familie und ihren Beruf. Sie haben andere Menschen die sie ganz besonders lieben und sie haben ihre Arbeit, die sie jeden Tag treu und sorgfältig machen. Als Kinder habt ihr noch nicht so viel Arbeit, aber bei Erwachsenen ist das so. Es ist für Erwachsene schön, wenn sie eine Familie mit Kindern haben, die sie lieben und eine sinnvolle Arbeit, die sie gerne tun. Das ist für sie wertvoll.
  • Und trotzdem ist in unserem Herzen etwas angelegt, das darüber hinaus geht. Wir suchen dann noch etwas mehr. Nicht weil das, was wir jeden Tag tun, langweilig wäre (mit Kindern im Haus ist es das nie!), oder weil es nicht viel wert wäre. Aber wir spüren in unserem Herzen, dass uns Gott eine Sehnsucht gegeben hat, die noch mehr will, etwas ganz Extremes. Denn dort, wo es ganz spannend wird, dort, wo wir uns völlig konzentrieren müssen, dort, wo wir alle unsere Kräfte brauchen, vielleicht gerade auch dort, wo es gefährlich wird, dort spüren wird, wie wertvoll das Leben ist, das Gott uns geschenkt hat. Ich glaube, so war das auch bei Eurem Papi. Natürlich fragen wir uns jetzt: Warum musste er diese Autorennen fahren? Er hat doch eine Familie, die er liebt! Ich glaube, wenn Papi so beim Rennen war, dann hat er dort gelernt, wie sehr er Euch liebt. Das war seine Weise, nicht zu vergessen, wie wertvoll das Leben ist.
  • Der Apostel Paulus hat das auch gespürt. Er hat gespürt, wie nahe er denen ist, die er liebt, gerade in den Situationen, wo es für ihn selbst gefährlich wurde. Dabei ist Paulus natürlich nicht mit dem Auto gefahren, aber er erzählt dass er dreimal miterlebt hat, wie sein Schiff untergegangen ist (2Kor 11,25). So ein Moment erinnert mich als Mensch daran, dass ich die Sehnsucht in meinem Herzen habe. Dann "strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen bemühe ich mich um den Siegespreis". Dieser Siegespreis ist, wenn wir erleben, wie sehr wir lieben und wie sehr wir geliebt werden. Das ist unsere "Berufung vom Himmel, die Gott uns in Christus Jesus immer wieder schenkt".

3. Sehnsucht bewahren

  • Erinnert Euch an das "Wasser, das zu Wein geworden war". Dieses Wunder, das Jesus getan hat, ist ein Zeichen, ein großer Wegweiser. Gott zeigt uns mit diesem Zeichen, dass wir immer die Sehnsucht im Herzen haben sollen. Wasser ist gut und wichtig. Wir sollen uns aber nicht nur mit Wasser zufrieden geben, sondern nach dem köstlichen Wein der Liebe sehnen, den Gott uns gibt.
  • Jetzt seid ihr traurig, weil Euer Papi tot ist. Ihr spürt, wie sehr Ihr ihn liebt und wie sehr er Euch liebt. Wenn heute viele Tränen fließen, dann denkt daran, dass Gott auch das Wasser der Tränen in Wein verwandeln wird. Jesus selbst hat viel erlitten und ist gestorben. Das hat Papi jetzt mit Jesus gemeinsam. Mit Paulus weiß ich, dass Jesus keinem Menschen mehr "aus seinem Leiden zuteilt", als er tragen kann. Für die Mami und Euch vier Kinder ist das eine schwere Zeit mit vielen Tränen. Ihr merkt aber heute auch, wie viele Menschen bei Euch sind. Viel mehr noch: Ihr merkt heute, wie sehr Gott selbst Euch liebt. Und weil Gott auch den Papi liebt, ist er jetzt nur für uns tot. Für Gott ist er nicht tot, sondern lebt im Himmel. Das ist das Wunder der Auferstehung, das Gott wirkt. Auch das, so meine Hoffnung, hat Euer Papi jetzt mit Jesus gemeinsam. "Christus will ich erkennen, seine Auferstehungsmacht und das, was er mir aus seinem Leiden zuteilt; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung vom Tod zu gelangen."
  • Dieses Wunder ist für Euch ein Zeichen. Geht Euren Weg. Vergesst Euren Papi nicht, dem Gott so viel Kraft und Sehnsucht gegeben hat. Auch wenn Ihr manchmal denkt, weniger Sehnsucht wäre besser gewesen: Das ist Euer Papi, so war Carl-Friedrich. Wenn Ihr wachst und groß werdet, dann wir er im Himmel für Euch beten und Gott bitten (mit dem Segenswunsch, der auf der Hochzeitskarte Eurer Eltern stand): Dass jede Gabe, die Gott Euch geschenkt hat, wachse mit den Jahren und dass ihr mutig die Gipfel der Berge erreichen könnt und dass ihr gerade da ganz in Gottes Nähe bleibt! Amen.

Fürbitten

P: Voll Vertrauen beten wir zu unserem Herrn Jesus Christus, den Gott von Toten auferweckt hat:

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Da wir zu verzweifeln drohen, lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Damit dankbare Erinnerung über die Verzweiflung siegt, lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Wenn es uns schwerfällt, an dich zu glauben und zu vertrauen dass du uns immer nahe bist, dann lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.



Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Damit wir für einander Halt sein können, uns gegenseitig stützen, damit wir den Anderen in seiner Traurigkeit tragen und ertragen können und damit wir im Gedenken an Carl-Friedrich in der Liebe zusammenhalten, dazu lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Damit der Schmerz von Augustina, Nicodemus, Laurentius und Kiliana und von allen Kindern, die jemanden vermissen, geheilt wird, lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Wir bitten für Carl Friedrich, dieses wunderbare Kind Gottes, schau auf das Glück, das er uns so reichlich geschenkt hat, und schenke ihm auf immer deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Herr, wir bitten, komm und segne uns.

Und wenn auch unser eigenes Leben auf Erden zu Ende geht, dann lege auf uns deinen Frieden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

P: Um all das bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.

A: Amen.


Segensgebet

Dieser Segen wurde bei der Hochzeit des Vorstorbenen vor 12 Jahre gelesen.
Angesichts seines Todes zeigt sich, dass dies ein Segenswunsch ist, der trägt.

 

Nicht, dass keine Wolke des Leidens über dich komme,
nicht, dass dein künftiges Leben ein einziger Weg von Rosen sei,
nicht dass du niemals eine Reueträne vergießen mögest,
nicht dass du niemals Schmerz fühlen solltest ...
nein, das alles wünsche ich dir nicht.
Denn Tränen reinigen das Herz, Leid adelt die Seele.
Mein Wunsch für dich ist:
dass du in deinem Herzen immer die leuchtende Erinnerung an
jeden reichen Tag deines Lebens bewahrst. Dass du tapfer bist
in der Stunde der Prüfung, wenn das Kreuz auf Deine Schultern
gelegt wird, wenn der Berg, den Du besteigen musst, überhoch scheint
und das Licht der Hoffnung sehr fern.
Dass jede Gabe, die Gott dir geschenkt hat, wachse mit den Jahren
und dass sie dir dazu diene,
die Herzen derer, die du liebst, mit Freude zu erfüllen.
Dass du in jeder Stunde einen Freund hast,
der die Freundschaft wert ist,
dem du vertrauend die Hand reichen kannst, wenn es schwer wird,
mit dem du den Stürmen trotzen
und die Gipfel der Berge erreichen kannst und
dass du in Gottes Nähe bleibst!