Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Taufe: Wiedergeboren in der Taufe

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27. September 2026 - Mariae Geburt, Traubing

Predigt

1.

  • Die beiden Lesungen aus der Bibel haben sich die Eltern ausgesucht – oder ausgegoogelt. Und es ist schön, dieser ökumenische Geist: Ihr habt (bewusst oder versehentlich) die Lutherübersetzung gewählt. Die hat eine sehr schöne Sprache. Die katholische Übersetzung ist meistens etwas moderner gehalten, aber diese starke Luthersprache hat etwas.
  • Zu dem Pharisäer, der nächtens zum Gespräch mit ihm gekommen war, sagt Jesus "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen."
  • Wie ein Mensch geboren wird, weiß die Mutter gerade sehr genau. Es ist erst vier Wochen her, dass ihr miterlebt habt, wie das ist, wenn ein Mensch geboren wird und jemand gebären muss.

2.

  • Dass Christen neu geboren werden müssen, ist ein ganz zentrales Anliegen der freikirchlichen, evangelikalen Christen. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal in einer freien evangelischen Gemeinde waren. Da ist noch einmal ein anderer Pep drin als in einem katholischen Gottesdienst. Und eines der Dinge, die man dort immer wieder hört, ist: Als Christ muss man wiedergeboren werden. Man muss sich bekehren, neu geboren werden und endlich anfangen, wirklich Christ zu sein.
  • Vielleicht kennen Sie das Lied „Amazing Grace“. Es ist geradezu der Inbegriff einer solchen Wiedergeburt. Gedichtet hat es im 18. Jahrhundert ein Kapitän, der ein Sklavenschiff gefahren hat. Jahrelang hat er sehr gut davon gelebt, Sklaven über den Atlantik zu schippern, und viel Geld damit verdient. Dann hatte er ein Glaubenserlebnis, hat sein ganzes Leben (de facto: langsam) umgestellt und gesungen: „Amazing Grace“. Welch wunderbare Gnade, dass Gott einen Schuft wie mich erwählt hat! Und jetzt will ich als Christ leben.
  • So, sagen die evangelikalen Christen, müsste es eigentlich sein: wiedergeboren werden im Geist. Und deshalb, sagen sie, sollte man auch nur Erwachsene taufen. Denn bei aller Verehrung, liebe Cecilia: Ich glaube, die Themen, die dich im Moment beschäftigen, haben sehr viel mit Schlafen und Essen zu tun und sehr wenig mit irgendetwas anderem. Außer vielleicht damit, andere Leute anzulächeln. Das machst du schon sehr gut.

3.

  • Diese Betonung der Wiedergeburt hat nur ein Problem: Auch wenn man heute wiedergeboren wird, kommt danach der nächste Tag und der übernächste. Und da ist eine katholische Spiritualität ganz hilfreich, die Routinen ins Leben bringt. Routinen, die einem helfen, wenn ein bisschen vom alten Schlendrian aus der Zeit vor der Wiedergeburt doch wieder durchschlägt. Aus dem, was wir gemeinsam haben, aus Riten und Traditionen, aus dem Hören auf Gottes Wort in der Bibel und aus dem gemeinsamen Gebet versucht man, sich Tag für Tag die Kraft zu holen, um das, was man im Evangelium gehört hat, auch wirklich im eigenen Leben zu leben.
  • Ich gebe den Freikirchlern recht: Das Normale wäre auch für mich die Taufe von Erwachsenen. Dass jemand dasteht, sagt „Ich glaube“ und sich taufen lässt. Gleich wird die Patin mit den Eltern hier stehen, „Ich glaube“ sagen und das Glaubensbekenntnis sprechen. Und damit sie damit nicht ganz so allein ist, lade ich Sie alle ein, es gemeinsam mit ihr zu sprechen. Denn genau das ist der Grund, warum ich es gut finde, dass wir Cecilia heute taufen, obwohl sie noch nicht ganz erwachsen ist: Glauben heißt immer, einen Weg miteinander zu gehen.
  • Die Gebete der Taufliturgie sprechen davon, dass Gott Dich mit der Taufe zum Leben befreit. Das feiern wir heute. Im Sakrament setzen wir einen Akzent: Wir vertrauen darauf, dass Gott es ist, der das bewirkt. Und wir vertrauen darauf, liebe Cecilia, dass dich in deinem Leben Menschen begleiten. An erster Stelle deine Eltern, gelegentlich vielleicht auch deine Geschwister, auf jeden Fall aber deine Patin. Und vielleicht auch noch andere unter denen, die heute hier sind. Ich lade alle ein, Cecilia zu helfen, den Weg des Lebens zu gehen. Heute soll sie wiedergeboren werden im Glauben, im Vertrauen darauf, dass Gott uns Tag für Tag begleitet. Liebe Cecilia, wir taufen dich heute im Vertrauen darauf, dass ein spannendes Leben vor dir liegt, in dem du Gott entdecken kannst, und dass du eine Gemeinschaft findest, in der du das feiern darfst. Amen.

Fürbitten

(von der Familie vorbereitet)

Guter und barmherziger Gott, heute empfängt Cäcilia das Sakrament der Taufe. Schenke ihr ein Leben voller Freude, Vertrauen und Liebe. Lass sie Menschen finden, die sie auf ihrem Weg begleiten, ihr zuhören, sie verstehen und ihr Halt geben. Lass sie immer wieder erfahren, dass du bei ihr bist und dass deine Liebe sie durch ihr ganzes Leben trägt. Du unser Gott! Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

Guter Gott, du hast Cäcilia ihren Eltern und ihrer Familie anvertraut. Schenke ihnen Geduld, Kraft und Zuversicht, damit sie Cäcilia mit Liebe begleiten, ihr Geborgenheit schenken und ihr helfen, ihren eigenen Weg im Leben und im Glauben zu finden. Du unser Gott! Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, unser Vater, wir danken dir für alle Menschen, die Cäcilia auf ihrem Lebensweg begleiten werden. Schenke ihren Paten und allen, die ihr nahestehen, ein offenes Herz und die Kraft, für Cäcilia da zu sein, wenn sie Freude erlebt, aber auch wenn ihr das Leben schwerfällt. Lass sie für Cäcilia zum Segen werden. Du unser Gott! Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

Barmherziger Gott, wir denken heute besonders an die Kinder, die ohne Geborgenheit, ohne Frieden oder ohne liebevolle Menschen aufwachsen. Schenke ihnen Schutz und Menschen, die ihnen beistehen. Hilf uns, Not und Einsamkeit nicht zu übersehen und dort zu helfen, wo wir gebraucht werden. Du unser Gott! Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

Guter Gott, wir denken heute auch an die Menschen, die Cäcilia gerne kennengelernt und diesen Tag mit uns gefeiert hätten, aber nicht mehr bei uns sein können. Nimm sie bei dir auf und schenke ihnen das ewige Leben. Lass die Erinnerung an sie in unseren Familien lebendig bleiben und begleite auch Cäcilia auf ihrem Lebensweg. Du unser Gott! Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.


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