Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Taufe am 22. Mai 2010 - Mt 18 - Werden wie die Kinder

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22. Mai 2010 - Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg

Predigt

1. In Gott geboren

  • Gott hat die Welt geschaffen. Wir sind von Gott geschaffen. Das klingt wie eine Information über ferne Vorzeit, wo am Anfang jemand im Kosmos gezündelt und den Urknall verursacht hat. Jedoch nicht einfach am Anfang hat Gott die Welt geschaffen, sondern im Anfang: im Ursprung und Grund von allem was ist, im Atem von allem was lebt erschafft Gott diese Welt. Jeder von uns ist in seinem Grund von Gott geschaffen; deswegen gibt es uns.
  • Deswegen gibt es Berenike und Anneliese, die wir heute taufen wollen. Es gibt sie, weil sie von Gott geschaffen sind. Ihr Atem kündet von Gottes Geist, jeder Blick ihrer Augen von Gottes Licht. Vielleicht ist das ein Geheimnis ihrer Kindheit, dass sie noch vor jedem Wort, das sie sprechen, Gott so nahe sind, wie es nur geht: Berenike erst wenige Monate und Anneliese kaum mehr als zwei Jahre.
  • Manche verwundern sich, dass wir bei der Taufe darum beten, dass Gott sie befreie von der Erbschuld und der Verstrickung in das Böse. Aber mit diesem Gebet sprechen wir genau das an, dass Gott Anfang und Ursprung dieser Kinder ist, und alles, was wir mit der Taufe tun, genau dies zum Ziel hat, dass die Reinheit und Liebe dieses Ursprungs bewahrt werde. Die Menschen sind nicht von Geburt an sündig (wie die Reformatoren Luther und Zwingli meinten), sondern haben im Anfang die Unmittelbarkeit zu Gott und sind ganz aus Gottes Liebe geboren. Erst das Hineinkommen in die Welt des Adam, in die Welt von uns Menschen, bedroht dieses Glück. Die Taufe ist daher Realismus und Hoffnung zugleich: Gottes Liebe will Berenike und Anneliese bewahren.

2. Im Reich der Himmel die Größten

  • "Wer ist im Himmelreich der Größte?" fragen die Jünger Jesus. Und Jesus überrascht sie, indem er ein Kind in ihre Mitte stellt und antwortet: "Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte."
  • Was von Anfang an jede Beziehung zerstört und was ohne Liebe ist, das ist das Bestreben sich groß zu machen: größer als die anderen, größer als Gott. Menschen haben Angst, zu kurz zu kommen, und versuchen andere klein zu machen, um selbst groß zu sein. Das Himmelreich aber ist das Königreich Gottes, das Jesus verkündet. Jesus bringt den Menschen die Botschaft, dass sie dort Königskinder sind, wo sie Gott als ihren Vater annehmen. Durch sein eigenes Leben zeigt uns der menschgewordene Sohn Gottes, dass Königskinder nicht um ihr Leben fürchten müssen, weil sie in Gott den Tod überwinden.
  • Im Evangelium wird uns verkündet, was wir vom Ursprung in Gott her sind: Königskinder, die groß sind, und sich daher nicht erst auf Kosten Anderer groß machen müssen. In der Taufe erfahren wir nicht nur diese Botschaft. In der Taufe geschieht und vollzieht sich, dass Gott in der Versuchung dieser Welt, die meint nur Größe könne siegen, Menschen als seine Kinder annimmt und bestätigt. Mit ihnen will Gott eine Gemeinschaft von Menschen bauen, die auf die Zusage des Evangeliums traut.

3. Vertrauen

  • Ihr Eltern und Paten werdet für Eure Kinder dem Bösen widersagen und den Glauben bekennen. Der Satan hatte Jesus in der Wüste in Versuchung geführt und alle Reiche dieser Welt angeboten, wenn er ihn anbete. Mit Jesus sollt Ihr dieser Versuchung widersagen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können.
  • So sehr es Gott ist, auf den wir vertrauen, so sehr sind wir Menschen es, die schon bei diesen Kleinen das Vertrauen verstellen können: Ihnen "Skandal" sein, wie Jesus es im Evangelium sagt. Dieses griechische Wort skandalon meint nicht einfach Versuchung, sondern Falle, in die man hinein gerät, Stein, über den man stolpert, Chance, die anderen verbaut wird. So sagt uns Jesus "Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum skandalon wird, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde." Wie leicht können Erwachsene Kinder für ihre eigene Zwecke und Interessen missbrauchen, sich auf ihre Kosten groß machen und Herrscher spielen. Wie leicht und wie schrecklich werden da Erwachsene schon den Kindern zum skandlon, zum Fallstrick für ihr Vertrauen.
  • Vertrauen jedoch kann nur wachsen, wo es geschenkt wird. Tatsächlich beginnt es damit, dass Gott uns vertraut. Jesus sagt von diesen Kleinen: "Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters." Gott lässt sie sein Angesicht schauen und offenbart sich ihnen. Unser Glaube beginnt damit, dass Gott an uns glaubt. Noch ohne Worte spüren diese kleinen Kinder das glaubende Vertrauen. Wir taufen sie ein in die Gemeinschaft derer, denen sich Gott ganz wörtlich in die Hand geben will: Sie werden, wenn sie alt genug sind das Geheimnis zu verstehen, mit ihrer Hand den Leib des Herrn in der Heiligen Kommunion empfangen. Sie als Eltern und Paten und wir als Gemeinschaft der Kirche bitten heute Gott darum, dass er uns seinen Geist schenkt, dass wir uns dem Geheimnis nicht in den Weg stellen. Wir können dies nur, wenn wir das Evangelium ernst nehmen und vertrauend glauben: Dass wir selbst werden müssen wie die Kinder, die nur vertrauen und glauben können, dass nicht eigene Macht und Herrschaft uns rettet, sondern allein die vertrauende Liebe, in der uns Gott im Anfang geschaffen hat. Amen.

Fürbitten

P: Du hast uns geschaffen, guter Gott, und bist uns nahe. Zu dir beten wir:

V: Wir bitten dich, lieber Gott, für Berenike und Anneliese, dass durch die Taufe auf den Namen des menschgewordenen Gottes  das Licht der Menschlichkeit in ihnen genährt wird,  damit sie ein wenig sicherer und glanzvoller leuchten können.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V:  Wir bitten dich, lieber Gott, für Berenike und Anneliese dass sie stets deine Liebe spüren und auch in schweren Zeiten Hoffnung im Glauben finden.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V:  Wir bitten dich, lieber Gott, für die Eltern und Paten unserer Neugetauften, dass sie mit ihrem Vertrauen auf Gott den Kindern ein Zeugnis ihres Glaubens geben.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V:  Wir bitten dich, lieber Gott, für die Gemeinde am Kleinen Michel, dass sie in ihren Gebeten und Gottesdiensten die Menschen dieser Stadt vor dein Angesicht tragen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V:  Wir bitten dich, lieber Gott, für  alle, die heute niemanden haben, der ihnen ein gutes Wort sagt oder ihnen hilft in Zeiten der Not, dass sie Kraft finden in dir.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

V:  Wir bitten dich, lieber Gott, für unsere Verstorbenen Verwandten und Freunde, dass sie in der Herrlichkeit des Himmels dir begegnen, auf den sie auf Erden vertraut haben.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

P: Du bist unser Gott von Anbeginn. Du bist die Mitte und das Ziel unseres Lebens. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit.
A: Amen.