Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Fest des Apostels Bartholomäus 2026

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24. August 2026 - St. Bartholomäus, Maising

Predigt

1 . Unter dem Feigenbaum

  • "Unter dem Feigenbaum", sagt Jesus dem Natanaël, habe er ihn gesehen. Und schlagartig wird aus dem zynischen Mann einer, der vertrauen kann und bekennt: Jesus, du bist der Sohn des lebendigen Gottes. Kurz davor hatte er noch seinem Freund Philippus gesagt: "Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?". Wie Zyniker das machen: alles etwas ins Lächerliche ziehen. Nur ja nicht sich auf etwas einlassen.
  • Nennen wir Natanaël wie die Tradition nach seinem Vater, dann heißt er Bartholomäus, "Sohn des Tholomäus". Wir feiern sein Fest als Patrozinium unserer Kirche.
  • Dieser Bartholomäus also scheint unter dem Feigenbau gesessen zu haben – und das vielleicht lange. Auf jeden Fall muss es eine wichtige Zeit gewesen sein. Eine Zeit, wo er nicht das Schutzschild des Zynikers und Witzboldes hochgezogen hatte, sondern war, wie er ist: verletzlich, suchend, vielleicht gerade gescheitert, vielleicht gerade verliebt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Hier gesehen zu worden zu sein ist für Bartholomäus so zentral, dass es sein Leben verändert.

2 . Sehen und gesehen werden

  • Wir müssen uns erst wieder daran erinnern, dass sehen mehr ist als ein kurzes Video, das weggewischt dem nächsten Clip weicht. Wirklich sehen kann Bedeutung haben. Wirklich gesehen werden, kann unter die Haut gehen.
  • Vielleicht sollten wir "christlich glauben" so verstehen: Ich glaube, dass es gut ist, wenn Gott mich sieht. Wenn ich die Augen schließe und mir klar mache, dass Gott mich nicht nur oberflächlich sieht, sondern so wie ich bin, dann gibt es zwei Reaktionen: Entweder ich finde das furchtbar, wehre mich, leugne Gott, laufe weg vor ihm. Oder aber ich bin dankbar und spüre, dass Gott mein Leben trägt und ich ihm vertrauen kann.
  • Natanaël Bartholomäus hat offenbar das letzter gespürt. Jesus hat zu ihm gesagt, er habe ihn unter dem Feigenbaum gesehen – dort wo Bartholomäus meinte, sich ganz zurückgezogen zu haben. Da wusste er, dass er unter diesem Blick leben kann. Er gehörte ab da zu den ersten, die Jesus nachgefolgt sind.

3 . Nicht nur Oberfläche

  • Der Apostel Bartholomäus hat das Evangelium im Gebiet des heutigen Armenien gepredigt – das Land, das als erstes das Christentum angenommen hat. Bartholomäus scheint langfristig überzeugend gewesen zu sein. Zunächst aber ist es ihm gegangen wie fast allen Aposteln, die wie Jesus erfahren haben, mit welcher Gewalt Menschen reagieren können, wenn sie sich Gott vom Hals halten wollen. Bartholomäus ist als Märtyrer gestorben. Dass er durch Abziehen der Haut bei lebendigen Leib gestorben sein soll, ist historisch leider nicht auszuschließen.
  • In der Erinnerung und im Glauben aber ist aus der grausamen Folter ein ganz anderes Symbol geworden. Bartholomäus wird dargestellt mit dem Messer und oft auch der Haut, die ihm angezogen wurde. Er hält sie demonstrativ im Arm. Er sagt damit: Schaut her, dass ist die Oberfläche, die ihr alle meintet zu sehen.
  • Darunter aber ist der eigentliche Mensch. Der Mensch den Gott sieht und der Mensch, der Gott vertraut und sich ansehen lässt, wie er ist. Und der sich dann senden lässt, für andere da zu sein, zu vertrauen, zu hoffen, zu versuchen. Das Gute zu wagen, zusammen mit anderen, wie Bartholomäus mit seinem Freund Philippus. Amen.

Fürbitten

P: Herr Jesus Christus, du hast dem heiligen Bartholomäus die Augen für dein Geheimnis geöffnet und ihn in deine Nachfolge gerufen. Im Vertrauen auf dich kommen wir mit unseren Bitten:

V: Stärke uns als deine Kirche, dass wir nicht zuerst auf Ansehen bauen, sondern auf die Wahrheit, auch wo es unbequem ist. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

V: Schenke allen Menschen, die Verantwortung tragen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, aber auch denen, die im Internet Einfluss haben, ein aufrichtiges Herz, das den anderen dient und nicht dem eigenen Vorteil. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

V: Bewahre uns vor Vorurteilen und vorschnellen Urteilen und lehre uns, in jedem Menschen zuerst das Gute und von Gott Geschenkte zu sehen. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

V: Segne unsere Dorfgemeinschaft und alle, die in Maising leben, arbeiten und beten; lass uns miteinander Wege des Vertrauens, der Hilfsbereitschaft und des Glaubens finden. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

V: Öffne unsere Augen für deine Gegenwart in den Menschen, denen wir heute begegnen, und gib uns den Mut, deinem Ruf zu folgen. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

V: Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Reich und vollende in ihnen die Gemeinschaft mit dir, die in diesem Leben begonnen hat. – Christus, höre uns!

A: Christus, erhöre uns.

P: Herr Jesus Christus, du kennst uns und rufst uns beim Namen. Dir vertrauen wir unsere Bitten an, heute und alle Tage.

A: Amen.