Predigt zum 2. Juli Mariae Heimsuchung 2026
02. Juli 2026 - Newman-Haus (Studierendenwohnheim), München
Predigt
1. Weg einer Freundschaft
- Zwei Frauen begegnen einander. Maria macht sich auf den Weg. Sie verlässt ihr Dorf, ihre vertraute Umgebung, und geht „ins Bergland“ zu Elisabeth. Das Evangelium erzählt damit nicht nur von einem Besuch. Es erzählt von Freundschaft. Maria geht nicht einfach zu irgendeiner Verwandten. In ihrer großen Familie hätte es wohl viele Verwandte gegeben. Dass sie gerade Elisabeth aufsucht, hat einen Grund. Zwischen den beiden besteht eine besondere Verbundenheit. Freundschaft heißt: Ich bleibe nicht bei mir selbst. Ich gehe aus mir heraus. Ich mache mich auf den Weg.
- Das Bergland wird nicht zufällig erwähnt. Der Weg ist beschwerlich. Maria nimmt ihn auf sich, obwohl sie schwanger ist. Die wertvollsten Freundschaften entstehen nicht von selbst. Man muss anrufen, schreiben, vorbeigehen, Zeit freihalten. Freundschaft kostet etwas. Sie beginnt damit, dass ich bereit bin, etwas einzubringen. Eine Freundschaft, in der ich nur erwarte und nichts gebe, wird kaum Bestand haben.
- Und als die beiden sich begegnen, geschieht etwas Bemerkenswertes: Beide werden größer. Elisabeth spürt neues Leben und neue Freude. Maria wird in ihrer Berufung gestärkt. Elisabeth bestätigt ihr, was Gott an ihr getan hat. Maria gewinnt Worte für das, was in ihr wächst.
2. Kennzeichen der Freundschaft
- Darin liegt ein Kennzeichen echter Freundschaft. Eine Räuberbande hält auch zusammen. Aber sie hält zusammen, damit das Schlechte stärker wird.
- Freunde dagegen helfen einander, im Guten zu wachsen. Nach einer Begegnung mit einem Freund sollte mehr Mut da sein, mehr Wahrheit, mehr Vertrauen, mehr Freude.
- Vielleicht ist das die wichtigste Frage an unsere Freundschaften: Bringen sie das Gute in uns hervor? Helfen sie uns, lebendiger zu werden? Oder machen sie uns kleiner, enger oder zynischer? Es gibt Beziehungen, in denen Menschen sich gegenseitig herunterziehen. Das Evangelium zeigt einen anderen Weg. Wahre Freundschaft lässt das Gute wachsen.
3. Offen für Gott
- Mit Freunden über vieles zu reden fällt leicht. Über Hobbys, Zukunftspläne, Sorgen. Aber mit Freunden zu beten? Das ist oft überraschend schwer. Da gibt es eine gewisse Scham. Und diese Scham ist nicht einmal ganz ungesund. Denn Beten zeigt etwas von dem, was mir wirklich wichtig ist. Es macht mich verletzlich.
- Doch gerade deshalb ist es bemerkenswert, was Maria und Elisabeth tun. Ihr Gespräch mündet ins Gebet. Maria singt das Magnificat. Sie spricht nicht nur über Gott. Sie spricht zu Gott. Ihre Freundschaft öffnet einen Raum, in dem Gottes Gegenwart Platz bekommt.
- Das Magnificat ist die Frucht dieser Begegnung. Maria findet Worte für ihre Erfahrung mit Gott. Sie erkennt: Gott erhöht die Niedrigen, richtet die Gebeugten auf und schenkt Zukunft. Freundschaft führt hier nicht zur Selbstbespiegelung. Sie öffnet den Blick für Gottes Wirken und schenkt ein Lob, das bis heute die Kirche begleitet.