Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Hochfest Allerseelen 2026 (mit Studierenden)

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5. November 2026 - Kapelle des Newman-Haus, München

Predigt

1. Der eine, der zählt

Was bedeutet der Tod, und was meinen wir mit ewigem Leben? – Jesus fragt: Wer von euch lässt nicht die neunundneunzig zurück, um das eine verlorene Schaf zu suchen? Die ehrliche Antwort lautet: Niemand. Jesus gibt hier keine Arbeitsanweisung für Hirten. Er sagt bewusst etwas Unerhörtes. Niemand lässt neunundneunzig wegen einem verlorenen Schaf zurück. Und Gott tut es trotzdem.

Nicht, weil ihm die neunundneunzig gleichgültig wären. Hier zeigt sich der Gott, aus dem Jesus lebt und dessen Gesicht er ist: ein Gott, dem ein Einzelner so wichtig ist wie die ganze Welt. Dass Gott die Welt geschaffen hat, lässt sich auch philosophisch begründen. Diese Liebe zum Einzelnen aber erschließt sich nur dem, der sie erfährt.

Wer diesen Gott wirklich für sich entdeckt hat, kommt davon nicht mehr los. Es ist wie bei zwei Menschen, die unter Milliarden wissen: Wir gehören zueinander. Dann fragt man nicht mehr nach anderen. Dieser einen Liebe gehe ich nach. Darin liegt der Sinn meines Lebens.

2. Ewiges Leben

Ewiges Leben ist deshalb nicht etwas, das nach dem biologischen Leben irgendwie weitergeht. Es ist eine Beziehung, die nichts zerstören kann. Paulus arbeitet das heraus, und Jesus verweist immer wieder darauf: Wer sich als geliebtes Kind Gottes angenommen weiß, darf darauf vertrauen. Es sei denn, er sagt selbst: Ich habe Nietzsche gelesen, ich brauche keinen Gott.

Diese Beziehung geht von Gott aus, der stärker ist als der Tod. Wie sie jenseits des Todes aussieht, kann ich mir nicht ausmalen. Aber ich darf sie schon jetzt beginnen und mich von Jesus in sein Vertrauen zum Vater hineinführen lassen. Allerheiligen erinnert daran: Sie gilt unzähligen Menschen und doch jedem ganz persönlich.

Die große Tradition der Kirche hat stets betont, dass dieses Geschenk der Gnade eine freie Antwort braucht. Wer sich von Gott alles vergeben lässt, aber zuschlägt, sobald ihm ein anderer etwas schuldet, weist Gottes Liebe zurück. Gott zwingt niemanden. Doch er ist unbeschreiblich erfinderisch darin, uns immer wieder zu sagen: Es geht nicht um dich. Meine Liebe ist größer. Ich bin für dich da.

3. Ein guter Tod – Allerseelen

Gestern kam die Nachricht vom Tod Hubert Aiwangers, mit 55 Jahren. Ich kannte ihn nicht, aber sein plötzlicher Tod geht mir nahe. Ich kenne einige, die in diesem Alter von einem Augenblick auf den anderen gestorben sind. Früher gab es in den Gemeinden Gebetsgemeinschaften um einen guten Tod. Gemeint war ein Tod, auf den man sich vorbereiten kann.

Die westliche Kirche hat darauf eine Antwort versucht: Wer unfertig stirbt, darf darauf vertrauen, dass Gott mit ihm einen Weg über den Tod hinaus geht, hinein in seine Liebe. Nüchtern hat sie diesen Weg als schmerzvoll beschrieben: als Purgatorium, im Deutschen Fegefeuer, als Reinigung von allem, was noch vom Himmel trennt. Mit der Hölle hat das nichts zu tun. Für manche beginnt diese Reinigung schon in schwerer Krankheit.

Bei einem plötzlichen Tod vertraue ich darauf, dass Gott diese Verwandlung auch jenseits des Todes schenkt. Denn im Himmel herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte. So dürfen wir erfahren, worum es geht: dass ich ein unendlich geliebtes Kind Gottes bin und dass mir alles gegeben wird, was ich zum Leben brauche.


Fürbitten


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