Slavgoroder Kreuzweg
März 2000 - Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Slavgorod (Altai/Sibirien)
Eröffnung
Eröffnung: "Wir danken dir, Herr Jesu Christ", Gotteslob 178
Gebet vor dem Altarbild (Kreuzigungs-Gruppe, Kopie des Isenheimer Altars):
V: Herr Jesus Christus, wir knien vor dem Kreuz, an dem Du gestorben bist. Die Augen sehen den geschundenen Leib, die Schmerzen und den Tod. Für die Welt bist Du gestorben. Wir knien vor Deinem hochheiligen Kreuz.
- Schweigen -
Lesung aus dem Johannes-Evangelium (Joh 16,16-22)
- Schweigen -
V: Herr Jesus Christus, wie die Jünger verstehen wir vieles nicht. Die Betrachtung Deines Kreuzes macht uns ratlos. Die Zeit, in der wir Dich nicht sehen, wird uns lang. Da hören wir Dein Wort. Das Leiden ist der Beginn von neuem Leben, wie die Wehen einer Frau. Wir ahnen die Freude, die Du uns schenkst und die niemand uns nehmen kann. Im Glauben bekennen wir: Im Tod ist das Leben, im Kreuz ist das Heil, Christus ist Sieger und König in Ewigkeit.
Liedvers: "Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit " (Gotteslob 564) 2 mal wiederholen
1. Station
Gebet vor dem Bild der Ersten Station.
V: Erste Station. Jesus wird zum Tod verurteilt.
- Schweigen -
V: Die Welt hat ihr Urteil gesprochen. Wer im Namen Gottes spricht und sich selbst zu Gott macht, ist schuldig. Wer der Macht des Kaisers gefährlich wird, ist schuldig. Wer die Regeln anzweifelt und den Armen das Heil predigt, ist schuldig. Die Begründung ist gefunden, der Beweis konstruiert, das Urteil gesprochen. Für die Welt ist der Fall erledigt. Pilatus wäscht sich die Hände. Was jetzt noch folgt ist nur noch Abwicklung; das kann man den Bürokraten und Soldaten überlassen. Jesus aber schweigt, nicht schuldbewußt, sondern souverän, nicht wie ein Verurteilter verhält er sich, sondern einer, dem das Urteil der Menschen nichts anhaben kann. Er trägt die Dornen wie eine Krone Und der Spott-Mantel wird ihm zum herrlichen Kleid, denn in diesem Verurteilten steht der Richter der Welt vor den Menschen.
Lied: "Christus Sieger, ... " (Gotteslob 564) 2 mal - 1. Strophe ("König der Völker...") - KV 2 mal
4. Station
Gebet vor dem Bild der Vierten Station.
V: Vierte Station. Jesus begegnet seiner Mutter
- Schweigen -
V: Der Verurteilte ist auf seinem letzten Weg. Für die Zuschauer ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er stirbt. Wenn er sich mit seiner Mutter trifft, scheint es für die Welt nicht mehr gefährlich. Die Leute sehen nur die Verlierer. Die an ihn geglaubt haben sind zum größten Teil weggelaufen und nur ein paar Frauen stehen am Rand, darunter seine Mutter. Für den Glauben aber ist Maria das Urbild der Kirche. Die Kirche sieht Jesus auf seinem Leidensweg. Die Kirche leidet selbst in den Menschen, die wegen des Glaubens verfolgt werden, die verspottet werden, weil sie sich dem Urteil nicht anschließen, das die Welt über diesen gesprochen hat, der sein Kreuz trägt. Der Glaube aber sieht , dass Gott denen nahe ist, die ihr Kreuz tragen müssen. Die Kirche begegnet ihrem Herrn nicht in den Palästen der Mächtigen, sondern in denen die hungrig sind, in denen die arm sind und krank , in denen die im Gefängnis sitzen, denen der Herr ein Bruder ist. So tröstet der Herr seine Mutter und seine Kirche.
Lied: "Christus Sieger, ... " (Gotteslob 564) 2 mal - 2. Strophe ("Abglanz des Vaters...") - KV 2 mal
9. Station
Gebet vor dem Bild der Neunten Station.
V: Neunte Station. Jesus fällt unter der Last des Kreuzes.
- Schweigen -
V: Die Welt sieht einen, von dem nichts mehr zu erwarten ist, der den letzten Weg nicht mehr gehen kann, in dem keine Kraft ist. Die Welt sieht auf ihn wie auf die vielen anderen, die am Boden liegen. "Um solche muss man sich nicht mehr kümmern, bestenfalls mitleidig auf sie herabschauen." Die am Boden liegen zählen nicht mehr, man schaut nur auf die Kräftigen, Jungen, Gesunden, die ein gutes Bild abgeben auf den Werbeplakaten. Der Glaube aber sieht im Ende der Menschenkraft die Offenheit für die Kraft Gottes. Wo nach Menschenermessen nichts mehr zu erwarten ist, wird für Gott alles offen und Zukunft, weil Gott selbst unter dem Kreuz gefallen ist, die Last auf sich genommen hat und nicht nach der Weise der Kräftigen und Mächtigen, sondern in der Demut des Kreuzes den Sieg davon trägt.
Lied: "Christus Sieger, ... " (Gotteslob 564) 2 mal - 3. Strophe ("Freund der Armen...") - KV 2 mal
12. Station
Gebet vor dem Bild der Zwölften Station.
V: Zwölfte Station. Jesus wird am Kreuz erhöht und stirbt.
- Schweigen -
V: Das Ende, draußen vor der Stadt. Er wurde unter die Verbrecher gerechnet und stirbt einsam. Nur seine Mutter steht bei dem Kreuz und nur einer der Jünger, einer von den vielen. Noch ein paar Frauen von Ferne, das ist alles, was von der jubelnden Menge übrig geblieben ist. Für die Welt zählt nur der Erfolg und dieser hier hat offenkundig verloren. Für den Glauben aber ist dieser erhöht, ist das Kreuz ein Thron auf dem der König der Welt erscheint. Christus hat das Leid und den Tod nicht abgetan hat das Leiden nicht ignoriert und die Schwachen nicht ausgegrenzt, sondern hat sich unter sie zählen lassen und selbst das Kreuz auf sich genommen. In dem Blut am Kreuz hat er Himmel und Erde verbunden. Das Kreuz ist aufgerichtet als Zeichen nicht der Schande, sondern des Sieges. Unter diesem Kreuz sammeln sich die Menschen aus allen Sprachen und Völkern zum neuen Bund Gottes mit den Menschen.
Lied: "Christus Sieger, ... " (Gotteslob 564) 2 mal - 4. Strophe ("Lamm für uns geopfert...") - KV 2 mal
14. Station
Gebet vor dem Bild der Vierzehnten Station.
V: Viertzehnte Station. Jesus wird ins Grab gelegt
- Schweigen -
V: Für die Welt ist der Herr gestorben, die Gefahr, die er darstellte, beseitigt, der Prophet mundtot gemacht, kreuzigt, getötet. "Sollen sie ihn begraben", so denken sie, und stellen Wächter vor das Grab, damit es geschlossen bleibt. Gott aber lässt sich nicht aufhalten, das Leben nicht festnageln und nicht in Gräbern verschließen. Die bis an die Zähne bewaffneten Soldaten werden kraftlos zur Seite fallen vor dem, der das Leben schafft. Der Glaube sieht im Grab nicht das Ende, sondern die Hoffnung. Im Herrn, der am Ostermorgen auferstanden ist, um seiner Kirche zu erscheinen hat das Reich begonnen, das sich vollenden wird, am Ende der Zeiten. Dann wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten und seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Lied: "Christus Sieger, ... " (Gotteslob 564) 2 mal - 5. Strophe ("Licht der Menschen...") - KV 2 mal
Abschluss
Gebet vor dem Hochaltar
V: Herr Jesus Christus, wir beten Dein hochheiliges Kreuz an, denn es ist uns nicht Ende, sondern Anfang des Lebens, nicht Verzweiflung, sondern Hoffnung. In Dir sehen wir den Vater im Himmel, mit dir erwarten wir das Kommen seines Reiches und wollen nichts mehr, als dass sein Wille geschehe. Den Vater bitten wir nicht, dass uns das Kreuz erspart wird, sondern um das, was wir zum Leben brauchen: Gottes Kraft, Gottes Liebe und Gottes Weisheit. Die Schuld soll weder uns noch andere festhalten in der Vergangenheit, noch soll uns in der Gegenwart falscher Glanz verführen, vom Weg der Gerechtigkeit abzuweichen.
Deswegen beten wir:
Vater Unser, im Himmel... Ehre sei dem Vater...
Schlusslied: "O Maria, sei gegrüßt", Gotteslob 582