Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Beerdigung Bonn 7. Februar 2020

1.   Das größte Zeichen ist nur ein Zeichen

  • Viele haben gesehen, was Jesus getan hatte, und kamen zum Glauben an ihn. Damit schließt der Abschnitt aus dem Johannesevangelium, der von Lazarus, dem Freund Jesu, erzählt. Viele kamen zum Glauben an ihn, und es ist diese Gemeinschaft des Glaubens, zu der auch Lazi sich zählen durfte und zu der er uns heute hier versammelt hat.
  • Dieser Glaube weiß um den Tod. Der ist eben so schmerzhaft Realität, wie der Tod auch für jeden von uns sicher ist.
    Selbst das größte der Zeichen, die Jesus auf dem Weg nach Jerusalem getan hat, wird Lazarus nur für einige Jahre wieder zurück in dieses Leben rufen. Dann wird auch er sterben.
  • Doch neben dieser Realität ist Marta, die Schwester des Lazarus. Sie ist es, die den Glauben an die Treue Gottes über den Tod hinaus bekennt. Sie ist es, der Gott sich offenbart in Jesus, der selbst die Auferstehung und das Leben ist.
    Auch Jesus wird einen bitteren Tod sterben. Und dennoch ist er das unumstößliche Zeichen, das nicht der Tod sondern das Leben der Ursprung und das Ziel von allem ist.

2.   Zeichen sprechen in Begegnung

  • Diese Zeichen sind nicht an eine Konfession gebunden. Sie werden überall dort sichtbar, wo die Schöpfung sich ihres Ursprungs erinnert und ausstreckt nach dem Ziel, was in Gott der ganzen Schöpfung gesetzt ist.
  • Die Zeichen, die Jesus tut, die Wunder, die er wirkt, sie weisen auf etwas hin. Sie allein können nie den Glauben fruchtbar machen. Das kann nur die Begegnung. Marta und Marta, die beiden Schwestern des Lazarus, sind gute Freunde Jesu. Ihr Haus ist der Ort, an dem er ausruhen kann. Hier findet er ein ganz tiefes Vertrauen in die Gegenwart Gottes, das auch ihn, Jesus trägt und durchdringt.
  • Deswegen sind es auch die Begegnungen, wo wir in der Erinnerung an einen Verstorbenen nach den Zeichen Ausschau halten dürfen, dass dieses Leben über sich selbst hinausweist – Zeichen für das ewige Leben, das Gott in seiner Schöpfung angelegt hat, weil er ewig die Liebe ist.

3.   Der größere Gott

  • Die Zeichen des Ewigen in unserer Zeit sind konkret und sinnlich.
    Es ist also nicht so, als seien nur das Leid und der Tod konkret, und das Reden über den Himmel eine Vertröstung. Vielmehr ist in diesen Zeichen, aus dem konkreten Erfahrung der Schöpfung heraus, das Ziel erfahrbar, das Gott uns verheißen hat.
    Unsere Zuversicht, dass Lazi nun bei Gott im Himmel ist, erschöpft sich nicht damit, dass wir sagen, er hat ihn sich verdient. Dazu ist unser Leben zu durchwachsen.
    Unsere Zuversicht gründet sich vielmehr darin, dass die Zeichen verlässlich sind und auf den immer größeren Gott verweisen, dessen Liebe und Allmacht größer ist als unsere Zerbrechlichkeit.
  • So ist das größte aller Zeichen der Gegenwart Gottes die Menschwerdung in Jesus Christus – selbst im Zeichen der Zerbrechlichkeit.
    Sie haben Jesus am Kreuz gebrochen. Auch das was bei Lazarus am Grab geschieht, steht im Zeichen des bevorstehenden Kreuzes Jesu. Aber es ist gerade diese Bereitschaft Jesu, sich für seine Freunde brechen zu lassen, durch die aus seinem Tod heraus machtvoll die Auferstehung bereits verkündet wird.
  • Ebenso ist das Brot, das wir in dieser heiligen Feier brechen, ein Zeichen, wo aus dem gebrochenen Brot, der Gebrechlichkeit unserer Welt, heraus bereits machtvoll verkündet wird: Deinen Tod o Herr verkünden wir und dich, die Auferstehung und das Leben preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. Amen