Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Aufbruch zur Ehe

1. Schade eigentlich

  • Schade eigentlich. Wirklich schade. Ich meine natürlich nicht das allseitige Trauern der Hamburger Junggesellen, dass durch C.s entschlossenes Handeln B. nun nicht mehr auf dem Heiratsmarkt zu haben ist. Ich meine auch nicht, dass C. heute die letzte freie Woche seines Lebens hinter sich hätte, denn die wahre Freiheit beginnt erst jetzt im Bunde mit B..
    Nein, schade ist etwas anderes, nämlich das, was den Jüngern von Emmaus mit Jesus passiert. Denn im entscheidenden Augenblick sehen sie ihn nicht mehr. Dort, wo nun alles hätte beginnen können, dort entschwindet er ihnen. Schade eigentlich.
  • Denn wie hätte die Geschichte so viel schöner weiter gehen können, wenn er geblieben wäre. Die drei hätten noch so manches Viertelchen Wein miteinander geleert und in Anekdoten aus alten Zeiten geschwelgt und entspannt darüber geplaudert, was von diesem und von jener zu halten ist. Gegen Ende des Abend hätten sie Jesus die Gäste-Couch aufgezogen mit frischer Bettwäsche und Jesus wäre als dritter im Bunde dabei geblieben.
  • Irgendwie kann man sich ausmalen, wie schön das wäre, Jesus im trauten Heim dabei zu haben. Wahrscheinlich wäre es etwas unbequem mit dem Couch-Bett im Wohnzimmer; unter der Treppe wäre dann ja auch Platz. Da könnte es Jesus gemütlich haben. Zu bestimmten Zeiten kann er dann hervorkommen, nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, sondern um so ganz fein und wohlig zu säuseln und ein paar Taizè-Lieder mitzusingen. Es hätte so schön sein können. Schade eigentlich.

2. Für einander - für andere

  • Nein, es ist natürlich nicht schade. Zum Glück ist Gott nicht so. Auch wo wir bemüht sind, ihn zu knuddeln und es uns mit Gott einzurichten, zeigt sich Gott sperrig. Dort und in dem Maße, wie wir es nicht mit Abziehbildern, sondern mit dem lebendigen Gott zu tun haben, dort werden wir feststellen, dass Leben mit Gott nicht - zumindest nicht notwendig und nicht immer - gemütlich ist.
  • An erster Stelle ist für uns Christen die Beziehung zu Gott unter dem Zeichen der Taufe. Damit sind wir in einem Bund mit Gott. Wir können das ignorieren. Wir können das nach eigenem Wunschdenken ummodeln. Aber die Taufe ist immer, dass wir hineingenommen sind in die Geschichte Gottes mit seinem Volk, mit dem Volk Israel und mit der Kirche. Und Geschichte Gottes mit den Menschen bedeutet immer: Die Zusage Gottes, dass er da ist. Das bleibt verbunden mit der Aufforderung: Seid Ihr nun auch da für einander.
  • Wenn Katholiken die Ehe als Sakrament feiern, dann bedeutet das: Wir sehen die Ehe und die Familie als ein Teil der Sendung der Taufe: Ein Segen zu sein für einander und für andere. Und wie die Taufe Kraft, Halt und Heimat gibt, um für andere da zu sein, weil ich erfahre, dass Gott mich trägt, so kann die Ehe aus dem Miteinander Kraft und Halt geben - nicht um sich darin gemütlich einzurichten, sondern um dieses Geschenk der Liebe weiter zu geben: An Kinder, an Gäste, an Freunde und Fremde, im Engagement für diese Welt und besonders in der Offenheit für Arme und Not Leidende, ja, vor allem an Letztere.

3. Eine Ostererzählung

  • Liebe B., lieber C., Sie haben sich als Trauspruch den ersten Vers aus Psalm 16 ausgesucht: "Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.". Es ist vor allem die Vertonung von Jacques Berthier, die in Taizé gesungen wird, die Sie im Ohr haben. Aus dem Vers klingt vieles von dem, was Ihnen an Ihrem christlichen und katholischen Glauben wichtig ist und was Sie von Ihrer Ehe erhoffen: Gemeinschaft und Beheimatung.
  • Aber zu dem Psalmvers haben Sie sich das Evangelium ausgesucht, das all das übersteigt. Denn es ist ein Osterevangelium. Es erzählt davon, dass in die Beheimatung eine Wirklichkeit einbricht, die mehr ist als das Heim in Emmaus mit Jesus auf der Gäste-Couch. Die beiden Jünger (es könnte ja sein, dass es eine Frau und ein Mann waren), waren traurig losgezogen von Jerusalem. Unterwegs hatten sie die Erfahrung gemacht, dass Jesus ihr Herz bewegt, ja entflammt. Da ist die ganze Liebe und die ganze Begeisterung da. Er kehrt mit ihnen ein, als sie in Emmaus ankommen. Dann aber spricht er das Dankgebet und bricht Ihnen das Brot - der Ritus, von dem her auch wir heute die Heilige Messe feiern.
  • Spätestens an der Stelle wird mit dem Brot auch die Wirklichkeit aufgebrochen. Sie erkennen Jesus - "doch dann sahen sie ihn nicht mehr". Diese beiden Jünger haben begriffen, dass es falsch wäre, Jesus festzuhalten. Sie machen sich selbst auf. Sie gehen selbst neue Wege. Sie wissen, dass Gott nicht im Festhalten des Alten zu finden ist. Sie haben verstanden, dass Gottes Wirklichkeit, das was uns als Reich Gottes und Himmel verheißen ist, in diese Welt und unser Leben einbricht, wo wir uns auf das Risiko einlassen, was Gott daraus macht, wenn wir uns ihm anvertrauen. Das ist eine Ehe, die auf der Bitte aufbaut: Behüte uns Gott, denn wir vertrauen dir. Amen.