Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Aus Gott und für die Menschen

1. Eins sein

  • "Sie sollen eins sein .... vollendet sein in der Einheit". Dieses Stück aus dem Johannesevangelium in der Bibel haben sich A. und J. für ihre Hochzeit heute ausgesucht. "Eins sein", das ist nicht so abgenutzt wie manche andere Worte und Bilder, die Menschen suchen, um ihre tiefe Sehnsucht und Liebe zu beschreiben.
  • Das Eins-Sein hebt nicht die Verschiedenheit auf. Die beiden sind denkbar verschieden von ihrer Herkunft und Kultur aus Norddeutschland und Ecuador, samt all den Unterschieden als individuelle, geprägt Menschen, Mann und Frau, A. und J. eben. Keine Frage, dass die beiden zwei sind, zwei verschiedene, ganz selbstständige Menschen.
  • Aber die beiden erfahren miteinander, welch ein großes Glück es für einen Menschen ist, bei solcher Verschiedenheit so sehr angenommen zu sein, dass die eine nicht mehr ohne den anderen, der eine nicht mehr ohne die anderen sein will. Da sagt ein anderer sein Ja. Nicht mal eben, nicht unter Bedingungen, nicht auf Widerruf, sondern ganz: Ja!
    Das ist höhere Einheit als jede Uniform. Das ist eine Einheit, die Menschen wollen, weil sie sich lieben. Zugleich ist diese Einheit aber viel mehr als ein Gefühl der Liebe. Es ist die Bereitschaft, das eigene Leben hineinzugeben in diese Gemeinschaft, darum zu kämpfen, darin zu streiten, sich tragen zu lassen und immer wieder mit neuer Freude zu entdecken, welche Geschenk der andere ist.
    Und diese Einheit haben J. und A. nicht aus sich selbst und sie wollen sie auch nicht nur für sich selbst haben.

2. Wie ich eins bin mit dir

  • J. und A. heiraten bewusst heute in der Kirche als zwei getaufte Christen. Das ist ihnen wichtig und sie freuen sich sehr, dass auch diejenigen dabei sind, denen das erst einmal fremd ist. Die beiden sind auch nicht so sehr Menschen, die das groß mit Worten erklären wollen. Sie wollen es durch diese Feier und das, was sie für diesen Gottesdienst ausgewählt haben, zeigen.
  • So auch das Evangelium. Es ist ein Gebet von Jesus in der Stunde, als er von seinen Freunden Abschied nimmt. Er verbindet sich in diesem Augenblick ganz mit Gott, den er seinen Vater nennt, und bittet darum, dass in dieser Verbundenheit die Gemeinschaft mit seinen Freunden bleibt, ja sogar wächst und über den Tod hinaus Bestand hat. "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein".
  • Für die Ehe von J. und A. bedeutet das: Sie dürfen sich in dem, was sie heute tun, darauf verlassen, dass sie durch ihre Taufe mit Jesus verbunden sind, der eins ist mit Gott im Himmel. Auf diese Verbindung können sie bauen, jeder Zeit. Es ist nicht wie irgend eine Freundschaft unter Menschen. Sie ist heilig. "Sanctum nomen Domini magnificat anima mea!" will A. daher heute singen, bevor sie J. das Ja-Wort gibt: Wir singen aus ganzer Seele dem heiligen Namen Gottes, der größer ist als alles, weil er alles geschaffen hat. Wir singen dem heiligen Namen Gottes, der alles liebt, was er geschaffen hat, und daher die Liebe zu tragen vermag, die heute A. und J. zu einem Bund der Einheit verbindet.

3. Für andere

  • Diesen Bund der Einheit schließen J. und A. nicht aus sich selbst und nicht nur für sich selbst. Sie wollen, dass ihre Liebe und ihre Freude sich für andere mitteilt. Fast könnte man sagen: Sie heiraten für uns, für unsere Freude und dafür, dass wir etwas mit nehmen von dem Vertrauen, das J. und A. bei sich selbst entdeckt haben.
  • Jesus betet: "Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." Menschen glauben ja alles mögliche. Aber der Glaube, von dem Jesus hier spricht, der Glaube der allein wirklich christlich ist, ist ein Glaube der vertraut und liebt. Alles andere wäre nur Theorie. In dem "Dass du mich gesandt hast" klingt mit, dass es damals schon seinen Freunden schwer fiel darauf zu vertrauen, dass dieser Jesus wirklich ganz aus Gott kommt, obwohl er doch nach Maßstab von Menschen in seinem Gottvertrauen am Kreuz gescheitert ist. Erfolg im irdischen Sinne hatte er nicht gehabt, nicht Reichtum, nicht Ansehen, nicht einmal Gesundheit und immer gute Laune. Aber irgendwie etwas, das größer ist, als all das andere zusammen.
  • Der heutige Tag soll viel gute Laune bringen und viel Freude und viel Erfahrung von Freundschaft und Gemeinschaft. Aber all das soll hier und jetzt, wo A. und J. gleich stehen werden, bis in die ganze Feier des Abends und der Nacht hinein getragen sein von der Einheit, auf die unser Brautpaar baut, den Bund der Einheit, den sie mit einander schließen, die Einheit, die aus dem göttlichen Urgrund allen Lebens kommt und der ausstrahlen soll in das Leben hinein. Amen.