Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Ihr seid Licht

1. Ihr, die Ihr heute hier seid

  • Ihr, die Ihr heute zu diesem Gottesdienst hier seid, die Ihr eine der begehrten Einladungen zur Hochzeit des Jahres bekommen habt, die Ihr Freunde oder Verwandte von P. und M. seid - Ihr könnt davon ausgehen, dass es den beiden wichtig ist und eine aufrichtige Freude, dass Ihr hier seid. Und ohne dass das auch nur entfernt arrogant klingt, ist unsere Hochzeitspaar überzeugt, dass sie, die beiden, Euch etwas bedeuten. Deswegen wollten sie Euch dabei haben, wenn aus ihrer ja doch schon über die Jahre sorgfältig gereiften Beziehung ein Sakrament der Ehe und eine Familie wird.
  • P. und M. wollten dass Ihr dabei seid, denn Sie sind der Überzeugung, dass sie etwas zu zeigen haben. Das ist das Besondere an diesem Tag, was ihn zum Wendepunkt in der Beziehung dieser beiden macht: Es soll öffentlich sichtbar werden, dass P. und M. es mit einander unternehmen wollen, vor Gottes und der Menschen Angesicht einen Bund zu schließen, einander zu lieben, zu achten und zu ehren, alle Tage ihres Lebens.
  • "Niemand zündet ein Licht an und stellt es in einen versteckten Winkel oder stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf einen Leuchter, damit alle, die eintreten, es leuchten sehen." Das ist das Bild aus der Bibel, das das Brautpaar sich ausgesucht hat, um auszudrücken, worum es ihnen geht. Dabei wissen sie darum, was für ein großes Geschenk dieses Licht ist, ihre Liebe. Deswegen ist es nicht hochmütig, sondern dankbar, wenn sie es auf den Leuchter stellen, "damit alle, die eintreten, es leuchten sehen."

2. Ihr, die Ihr einander liebt

  • Ihr, die Ihr heute die Hauptrolle spielt. Ihr spendet einander ein Sakrament und nehmt damit für Euch in Anspruch, was Euch in der Taufe anvertraut ist: priesterlich zu sein. Die Ehe ist ein Sakrament, ein Heilige Zeichen, in dem Gott in sinnlich wahrnehmbaren Zeichen sein unsichtbares Heil wirkt. Das Zeichen ist heute das Wort, das Ihr zu einander sprecht. Das Heil ist der Weg, den Gott mit Euch geht. Hier soll der Name Gottes sichtbar und konkret werden: Ich bin bei euch, Ihr seid meine geliebten Kinder, ich will in Treue Euer Gott sein!
  • Dieser Zusage Gottes antworteten wir Menschen, indem wir auf Gottes Gebote achten und seine Gerechtigkeit üben. Das ist theologisch gesprochen. Ihr beide habt aber genau das gemeint, als Ihr Euch als erste Lesung für diesen Gottesdienst aus dem Römerbrief des Apostels Paulus das Stück ausgesucht habt, in dem es heißt: "Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt", und "alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
  • Das ist eine Grundlage für Euer Leben, die Euch mitgegeben wurde und die Euch so wichtig ist, dass Ihr sie heute mit allen teilen wollt. Das ist ein Gott, auf den Ihr vertrauen könnt, und das Gesetz seines Bundes ist die Liebe. Deswegen kann im Ehebund, den Ihr heute schließt, der Gottesbund sichtbar werden, "damit alle, die eintreten, es leuchten sehen."

3. Die für die Ihr berufen seid

  • Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn Jesus spricht im Evangelium nicht nur vom Licht, sondern auch von der Dunkelheit. "Wenn dein Auge gesund ist, dann wird auch dein ganzer Körper hell sein. Wenn es aber krank ist, dann wird dein Körper finster sein." Das bedeutet: Ja, ihr könnt durch Eure Liebe ein Licht sein, aber auch: Wenn Euer Auge sich dem Licht verschließt, dann greift die Dunkelheit in Euch Raum. Und was hier mit Dunkelheit gemeint ist, lässt sich aus dem Gebrauch dieses Wortes an anderer Stelle in der Bibel (z.B. Mt 20,15) deutlich verstehen: Es ist die Dunkelheit dessen, der sich verschließt und nur seine eigenen Interessen sieht. Es ist vor allem der Neid.
  • Da reicht die Antwort nicht, dass zwei einander lieben. Denn erstens kann sich Liebe nennen, was in Wahrheit sehr egoistisch ist; das erkennt man daran, dass solche Liebe schnell ausgewechselt wird, wenn der Output nicht mehr stimmt. Und zweitens können auch zwei, die einander lieben, zusammen sehr egoistisch, verschlossen und neidvoll sein. Deswegen ist es keineswegs die Liebe zweier Verliebter, die Paulus meint, wenn er schreibt: "Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt". Vielmehr ist es ausdrücklich die Nächstenliebe, die Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter verdeutlicht. Der Samariter ist nicht in den verliebt, dem er die Wunden heilt. Und doch ist es genau dieser, in dem er den Menschen findet, dem er der Nächste wird. Nein, die Liebe in der Ehe ist nicht die besondere, christliche Nächstenliebe. Denn diese kann im Extremfall sogar den Feind meinen, den in seiner wie auch immer verschütteten und dennoch unverlierbaren Gotteskindschaft zu respektieren und für den zu beten ein Christ berufen ist.
  • Darin liegt die Schönheit der Liebe zweier Menschen, darin leuchtet sie und ist ein Licht: Dass sie sich nicht selbst genügt, sondern so tief und groß ist, dass sie ausstrahlen möchte, zur Nächstenliebe wird, die ein offenes Auge hat für die Menschen, die ihr begegnen und für die sie da sein möchte. Darin besteht, liebe P. lieber M. die Schönheit Eurer Liebe und darin ist Eure Liebe ein Sakrament und Abbild der Liebe Gottes: Dass sie den Armen sieht, der in Not ist, den Menschen, der nach Gerechtigkeit dürstet, die einsame Seele, die Kraft braucht - all das, was ihr geben könnt, weil Ihr einander Stütze seid, in guten und in schweren Tagen. Amen.