Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Das Ja Gottes

14. Juni 2014 - Evangelisch-Lutherische St. Christophorus Kirche Oese

1. Ein eindeutiges Ja

  • "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein", meint Jesus in der Bergpredigt. Es gibt aber Situationen, und eine einvernehmlich sorgfältig vorbereitete Hochzeit gehört dazu, in denen wir eher sagen würden: Dein Ja sein ein Ja, und - ein Nein hättest du dir früher überlegen sollen! Ich gehe davon aus, in dem Punkt mit dem Bräutigam einer Meinung zu sein.
  • Das Stück Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium kann sehr schnell nahe gebracht werden. Viele Menschen haben es satt, dass an so vielen Stellen ein Ja nicht eine Ja und ein Nein nicht ein Nein ist, sondern jeder Gedanke und jedes Wort danach bemessen und zurecht gebogen werden, wie es den Interessen nützt, für mehr Profit oder mehr Einfluss oder mehr Karriere oder was auch immer umgebogen und uminterpretiert wird. Demgegenüber fordert Jesus die Grundhaltung, nicht strategisch sondern wahrhaftig und ehrlich zu kommunizieren. Sag, was du denkst, und steh dazu!
  • Das mag konservativ sein. Es ist trotzdem richtig, nicht alles mit Halbwahrheiten aufzuweichen und so lange weichzuklopfen, bis es sich den eigenen Strategien beugt. Alexander und Antoinette dagegen wollen meinen, was sie sagen, und sind gerne konservativ, wenn das Ja, das sie heute einander sagen, mutig als ein Ja gemeint ist und gelten soll
    Allerdings, das sei augenzwinkernd am Rande erwähnt, sind die beiden natürlich nicht konservativ-konservativ, sondern postmodern-konservativ. Das bedeutet: Man fühlt sich den alten Traditionen streng verpflichtet, aber sucht sich recht frei aus, was als Tradition zu gelten hat. So haben sie für heute bewusst nicht nach eigenem Geschmack Lesungen aus der Bibel ausgesucht, sondern die Lesungen der Heiligen Messe vom Tage genommen; dann haben sie sich mit den Texten, die vorgegeben sind, auseinander gesetzt und sie für sich angenommen - nicht eigene Hochzeitslesungen, sondern die Lesungen nach der Tradition der Kirche für heute, den Samstag der 10. Woche im Jahreskreis. Der Witz nur ist der, dass die Tradition der Kirche ausdrücklich für Trauungsgottesdienste nicht die Texte vom Tage, sondern eigene, selbst gewählte vorsieht.

2. Mit anderen leben

  • Auch so: Die Message kam über. Lexi und Medi wollen als getaufte Christen miteinander die Ehe als Sakrament feiern. Bei Lexi, dem Katholik, klingt das für manche konservativ; bei Medi, der Lutheranerin, mag das einen Beigeschmack von revolutionär haben. Aber von der Sache her ist die Ehe als Sakrament nichts, was Lutheraner und Katholiken trennt, sondern etwas, das uns verbindet. Denn die Ehe ist nur Sakrament, heiliges Zeichen in dem Gott wirkt, insofern sie teilhat an der Taufe, die uns als Christen verbindet. Deswegen hat es sich gut ergeben, dass wir den Gottesdienst mit einer Erinnerung an das Geschenk der Taufe begonnen haben. In der Taufe hat uns Gott, Lutheraner wie Katholiken, berufen sein Volk zu sein. In der gemeinsamen Taufe wollen Medi und Lexi mit einander auf dem Weg sein.
  • Das Miteinander ist entscheidend. Jeder ist für sich getauft und erfährt an sich die Gnade Gottes, der uns als geliebtes Kind annimmt. Aber die Taufe ist immer zugleich und grundlegend ein Geschenk für andere. Keiner wird nur für sich selbst getauft, sondern immer ist damit die Sendung verbunden, ein Segen für andere zu sein. Ich nehme dich an - sagt Gott, und er sagt damit zugleich: Ich sende dich, ein Segen zu sein für andere. Das ist nun das Sakrament der Ehe, in dem sich für Euch beide verwirklicht und konkretisiert, woraufhin Ihr getauft seid: Für einander ein Segen zu sein und gemeinsam für eure Kinder, für die Menschen die Euch Freunde und Gäste sind, für die Not Leidenden, die an Eure Tür klopfen. So schafft Gott aus der Berufung einzelner Gemeinschaft.
  • Damit das zum Ausdruck kommt, war sehr wichtig, dass alle, die bei dieser Feier dabei sind, die kleinere Teilgemeinde hier in der Kirche, die größere Teilgemeinde ein paar Meter weiter im Zelt vor der Leinwand, erfahren, dass sie hier nicht nur Zuschauer mit Gesangseinlagen sind, sondern Mitfeiernde, die selbst gefragt sind, aktiv dabei zu sein.
    Wir versuchen mit der Tauferinnerung am Anfang und dem gemeinsamen Segen am Schluss auch für die im Zelt dieses Miteinander und Füreinander im Segen erlebbar zu machen. Die tätige Teilnahme am Gottesdienst ist in alter kirchlicher Tradition nicht nebensächlich, sondern drückt aus, woraufhin wir getauft sind. Und das soll auch mit der Feier des Sakramentes nicht zu Ende sein; vielmehr trägt jedes Sakrament Frucht erst im Alltag, der aus der Kraft dieser Feier gelebt wird. Durch die Teilnahme am Gottesdienst werden daher alle, die hier sind, in die Pflicht genommen, die Ehe und Liebe von Lexi und Medi durch ihre Freundschaft und ihr Gebet zu stärken und zu schützen, in guten und in schlechten Tagen.

3. Nicht bei Gott schwören, sondern dankbar sein

  • Es geht ganz um Medi und Lexi, die sich das Sakrament spenden - und doch geht es im Kern ganz um Gott, der dieses Sakrament wirkt. Damit sind wir noch einmal bei dem Evangelium aus der Bergpredigt. Denn darin geht es ja nicht einfach um Wahrhaftigkeit, sondern darüber hinaus um etwas anderes. Jesus erhebt doch vor allem dagegen Einspruch, Gottes Namen in Anspruch zu nehmen, wenn man schwört.
  • Wir hatten vor Zeiten hier im Norden einen Ministerpräsidenten, der vor laufender Kamera sein Ehrenwort gegeben hat - um zu lügen. Wir hatten unlängst einen Bischof, der vor Gericht einen Eid geleistet hat - um eine Lüge zu vertuschen. Es ist auf dieser Linie, den Namen Gottes und Heilige Dinge für sich zu gebrauchen, letztlich egal ob man gerade lügt oder die Wahrheit spricht. Schon der Grundansatz ist falsch. Euer Ja, sei ein Ja. Benutzt nicht Gott und das Heilige dafür. Auch werdet Ihr dieses Ja nur leben können, wenn Euch Gott und wenn Euch das Sakrament und wenn Ihr einander heilig seid: Nichts, was uns Menschen zur Verfügung steht. Heilig ist das Unverfügbare.
  • So ist denn das, was von allem strategischen Denken, von der Zentriertheit um sich selbst heilen kann die Dankbarkeit gegenüber Gott. "Seid dankbar!", wie es im Trauspruch aus Kol 3,15 heißt.
    Das klingt jetzt vielleicht wieder allzu schlicht und konservativ. Aber es ist der Kern von allem. Dass Ihr einander habt, ist eine Gnade, die allein Gott Euch schenken kann. Ihr besitzt einander nicht, so wenig die Kinder, die Gott Euch schenken möge, Euer Besitz sein werden. Aber wir sind einander anvertraut, für einander Segen zu sein, Tag für Tag. Und das ist reine Gnade, Sola Gratia. Amen.