Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Stark wie der Tod

1. Stark wie der Tod

  • Da hilft alles nicht. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. So sagt man. Oder wie es in der Bibel heißt: "Liebe ist stark wie der Tod" - bei dem einen wie bei dem andern kann man nichts machen. Wen die Liebe befällt, den hat sie. "Die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen". Das Hohelied, dieses wunderbar eigenartige Buch aus dem Alten Testament in der Bibel, malt das blumig in vielen Varianten aus: Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen.
  • Wahrscheinlich steckt dahinter die Erfahrung von Eltern, deren Kinder sich verliebt haben. Da hat sich das eigene Kind in einen Ausländer verliebt! Mögen sich die Eltern gedacht haben. Dann aber konnten sie beruhigt feststellen: 'Der Sohn bringt eine Freundin mit, die ist schön wie ein kaschubisches Mädchen!' Oder: 'Die Tochter bringt einen Freund mit, der ist stark wie ein echter Sizilianer!' - Ohnehin haben die Eltern noch nie viel Einfluss darauf gehabt, in wen sich das eigene Kind verliebt. Da hilft alles nicht.
  • Heute würde man ja sagen: Die Liebe ist unaufhaltsam wie ein Flüchtlingsstrom vom Balkan. Den kann man auch nicht so einfach aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, wie man darauf reagiert: Freundlich und großherzig, wie man es von seinen christlichen Eltern gelernt hat. Und dann muss man ganz pragmatisch sein und schauen, wie man das schafft. -
    Damit sind wir wieder bei C. und L.: Die haben sich zwar vor zehn Jahren verliebt - da kann man nichts machen! -, aber dann haben sie ruhig und bedächtig zusammen ihre Zukunft geplant, bis zum heutigen Tag. Denn es ist an der Zeit, jetzt zu heiraten und eine Familie zu gründen.

2. Treu in der Liebe

  • So wenig irgend jemand also Einfluss darauf hat, in wen man sich verliebt, so sehr liegt es an uns, wie wir damit umgehen. "Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt." Dieser Vers aus der Bibel besingt die Kraft der Liebe. Aber natürlich sind Gefühle allein noch nicht alles, und Gefühle sind nicht das höchste Gesetz: Das macht das besondere an dem Versprechen der Treue aus, die L. und C. heute einander versprechen.
  • Im Auf und Ab der Gefühle wollen sie sich auf einander verlassen können. Denn es gibt im Leben schwierige Phasen, und es kommt immer wieder einmal vor, dass man für einen andern Menschen Gefühle der Verliebtheit empfindet, als für den einen Menschen, dem man versprochen hat: "Ich will dich lieben und achten, alle Tage meines Lebens". Gefühle für einen anderen als den einen sind dann, sind dann halt nur was sie sind: Gefühle, mit denen man lernen muss umzugehen. Doch echte und treue Liebe ist dem gegenüber noch einmal mehr als irgend ein Gefühl.
  • Wie sehr die Liebe, aus der Sie beide heute einander die Treue versprechen, mehr ist als ein Gefühl, machen sie durch das Evangelium deutlich, das Sie bewusst ausgewählt haben (genauerhin: C. ausgewählt und L. zugestimmt hat). "Der Schöpfer hat die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen". Das bedeutet: Die Entscheidung, die Sie beide für einander getroffen haben, ist getragen von einer anderen Entscheidung. Vom Anfang her, vom tiefsten Grund ihrer Seele her, ist Gott bei Ihnen auf diesem Weg, den Sie mit einander gehen wollen, als Mann und Frau.

3. Stärker als der Tod

  • Daher würde ich das Sprichwort aus der Lesung dann doch noch mal anders lesen. Es gibt eine Liebe, die ist sogar stärker als der Tod! Das ist die Liebe, mit der Gott Euch liebt. Er will nicht nur in diesem Leben Euer Gott und Euer Leben sein. Er lädt Euch vielmehr ein, jeden Tag mit einander so sehr aus dieser Beziehung zu leben, dass keine Macht und kein Tod Euch trennen kann von der Liebe, die treu ist bis in das Ewige Leben.
  • Deswegen können Christen - manchen fällt das leichter, manchen weniger - auch an so einem Tag wie heute unbefangen vom Tod reden. Jeder von uns weiß von der Begrenztheit des menschlichen Lebens. Niemand ist davon ausgenommen. Schönheit ist nicht immer und Stärke kann zur Schwäche werden. Die einzige Kraft, die in allem treu bleiben kann, ist jene Liebe, die mehr ist als nur Gefühl, weil sie ein entschiedenes Ja sagt: "Ich will dich lieben, achten und ehren, alle Tage meines Lebens, bis dass der Tod uns scheidet!"
  • Vor Gottes Angesicht dürfen wir L. und C. in aller ruhigen Entschiedenheit - wie sie so sind - diesen Satz sagen. Sie vertrauen darauf, dass selbst dort, wo sie schwach sind, Gottes Liebe weiter trägt. Mit ihm verbunden zu sein; gemeinsam und miteinander im Gebet die Beziehung zu Gott zu pflegen; ihn gegenwärtig zu wissen, wo sie anderen Menschen in Liebe begegnen, wo sie Gastfreundschaft üben und Bedürftigen beistehen; ihn als Schöpfer der eigenen Liebe - L. und C. - und ihn als Ziel des ganzen Universums zu loben - all das macht die Liebe stärker als den Tod. Amen.