Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Wer Euch sieht, sieht Gott

1. Heiliges, priesterliches Mysterium

  • Wir feiern hier ein Sakrament. Das ist ein heiliges, priesterliches Mysterium. Für Katholiken (und orthodoxe Christen) ist das hier nicht einfach nur ein Segen vom Pastor; nicht einfach die Sahnefüllung und Zuckerguss für einen Trockenkeks vom Standesamt, damit es mehr was fürs Herz hat. Ja, es hat viel mit dem Herzen zu tun, was hier geschieht, natürlich. Aber ich versichere Ihnen, es ist mehr.
  • Sakrament nennen wir Christen es, wenn wir daran glauben, dass in äußerlichen Zeichen, in denen Menschen handeln, mehr steckt, als das Auge sieht. Bei Sakramenten wie der Taufe oder dem Abendmahl in der Heiligen Messe, handelt Gott in und unter diesen Zeichen. Deswegen sind es heilige Zeichen. Und sie sind priesterlich, denn der Job des Priesters ist es, im Auftrag Gottes Himmel und Erde in Verbindung zu bringen: Durch Gebete, durch gelebte Gerechtigkeit und Liebe und eben auch durch Sakramente.
  • Und so ein Sakrament ist die Ehe, die hier geschlossen werden soll: ein Sakrament, heilig, priesterlich und - das ist das Überraschende - die priesterlich Handelnden sind H. und A.!
    Heilige Handlung! In der Kirche! Ich habe den deutlichen Eindruck, dass das nicht gerade typisch ist, nicht für H. und ganz sicher nicht für A.. Dennoch lassen sich beide darauf ein. Etwas unsicher vielleicht, denn es ist ja das erste Mal und soll das einzige Mal bleiben. Aber auch A. sagt vernehmlich sein 'Ja', und nicht etwa nur nicht laut genug 'Nein'. Erstaunlich.

2. Ich und der Vater sind eins

  • Dürfen Menschen so etwas? Ist das nicht lächerlich, wenn H. und A. auftreten, ihren Trauspruch sagen und behaupten: Darin hat Gott gehandelt? Gott ist doch nicht irgend ein Teil unserer Welt, hier oder dort, irgendso eine Kraft nur größer? Wenn wir von dem einen, wahren Gott sprechen, dann ist er der Ursprung und Schöpfer von allem: Das Kleinste und das Größte gibt es nur, weil Gott es geschaffen hat und am Leben hält. Das ist Gott: Größer und anders, als alles, was wir uns mit unserem Menschenverstand vorstellen können. Und der soll jetzt hier sein?
  • Bei Jesus war es so, dass den Menschen aufgefallen ist, wie selbstverständlich er von Gott als "meinem Vater" (Joh 20,17) gesprochen hat. Vor allem dort, wo er Kritik an ungerechten Zuständen übte und Gottes Gerechtigkeit verkündete, hat er sogar die ganze Autorität Gottes in Anspruch genommen. Jesus ist in Vielem aufgetreten, wie der Messias Gottes, also der Mensch, den Gott vor allen anderen Menschen ausgewählt hat. Das hat vielen nicht gefallen. Irgendwie hatten sie recht, wenn sie gefordert haben: "Wenn du der Messias bist, sag es uns offen!" Beweise uns, dass Du im Namen von Gott sprechen darfst!
  • Jesus lässt sich auf die Forderung nicht ein: Was wäre gewonnen, wenn er irgend einen Beweis vorlegen kann? Wie sollte so ein Beweis aussehen. Statt dessen sagt Jesus: Die Leute, die mich näher kennen, die spüren dass das stimmt, was ich sage. Und dann kommt der Hammer-Satz: "Ich und der Vater sind eins!" Jesus behauptet also allen Ernstes, dass der ewige, allmächtige Gott in ihm so sehr gegenwärtig ist, dass man nur ihn anschauen muss, um zu verstehen, wie Gott ist (Joh 12,45).

3. In Liebe den Menschen dienen

  • Beweise uns, dass Du im Namen von Gott sprechen darfst! - Liebe H., lieber A.. Ihr müsst niemanden etwas beweisen. Schon gar nicht Gott. Denn er ist der Gott eurer Liebe. Gott hat euch geschaffen und liebt euch. Darauf könnt ihr bauen. Gott hat euch in der Taufe als seine Kinder angenommen. Das gibt euch das Recht, heute priesterlich und heilig einander das Sakrament der Ehe zu schenken.
  • Der Maßstab ist Jesus Christus. Denn ihn hat uns Gott gesandt, damit wir an ihm sehen können, wie Gott ist: Keiner, der sich auf Kosten anderer groß macht. Keiner, der andere klein macht. Sondern einer, der keine Angst hat, sich selbst zu schenken. In ihm sagt Gott zu uns Menschen: Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage deines Lebens!
  • An A. und H. können wir heute sehen, wie Gott ist. Von ihnen beiden gilt heute, was für das heilige Mysterium gilt: Da ist mehr drin, als man sieht. Aber gerade deswegen, wenn und weil sie nicht groß tun, gerade deswegen, wenn sie sich bemühen, für einander da zu sein, auch in Zeiten, in denen es schwer fällt, gerade deswegen dürfen wir dankbar in ihrer Liebe Gottes Liebe erkennen und Gottes Liebe und Treue feiern. Von ganzem Herzen, hier in der Kirche und die ganze Nacht hindurch! Amen.