Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Hochzeit - Wie wir beten, so leben wir

Trauspruch Ps 91,11f: Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;

Hinweis: Die Feier war von den Brautleuten vorbereitet und die Schrifttexte von ihnen ausgewählt worden. Beide sind praktizierende Katholiken. Der mittlere Teil der Predigt stammt vom 7. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A.

1. Sara und Tobias

  • Lieber Bräutigam, ich glaube es dir nicht. Niemand hier wird es dir glauben, wenn Du Dir die Rede aus der Lesung zu eigen machst und behaupten würdest, was Tobias in seinem Gebet behauptet: Ich habe mir Sara nicht aus Lust zur Frau genommen. - Wer die Braut kennt und erlebt, würde es Dir geradezu zum Vorwurf machen, sich nicht lustvoll zur Frau zu nehmen. Obwohl, im Text der Lesung steht es ja ein wenig genauer: Er nimmt Sara „nicht aus reiner Lust zur Frau". Das wird es wohl besser treffen. Lust ist dabei. Auf jeden Fall aber hat Tobias das Gefühl, es kann nicht schaden, bevor er mit seiner Sara zusammenkommt, erst einmal zu beten.
  • Was in dem Abschnitt, den wir vorgelesen haben, nicht steht, ist, warum es dem Tobias dringlich ist, erst einmal zu beten. Denn: Sara war, das hat sie mit der Braut des Tages gemein, offensichtlich von äußerst temperamentvollem Wesen. Im Detail mag noch einmal ein Unterschied liegen. Denn von Sara wird berichtet, dass sie schon sieben Mal einen Mann bekommen hatte - und keiner der sieben hat auch nur die Hochzeitsnacht überlebt.
    Kein Wunder, dass Tobias, bevor er das Wagnis eingeht, erst einmal betet: Er spricht ein Lobgebet auf Gott, der die Welt so wunderbar erschaffen hat. Er preist seinen Gott, der den Menschen nicht in Einsamkeit schmachten lässt, sondern ihm inmitten einer Schöpfung voll wunderbaren Reichtums einen anderen Menschen gegeben hat, auf dass die beiden zusammen leben, dass sie sich helfen und ergänzen. Er betet zu Gott, er bekennt, dass er seine Sara nicht aus reiner Lust zur Frau genommen hat, sondern aus wahrer Liebe. Darum, so bittet er Gott, „hab Erbarmen mit uns", das heißt: Darum, o Gott, sei Du in unserer Ehe mit dabei! Und gemeinsam mit Sara spricht Tobias zu diesem Gebet das Amen
  • Es ist zwar nicht die Hochzeitsnacht, bei der es heutzutage schon auf der Kippe steht. Und auch ist es zumindest mir verheimlicht worden, wenn die Braut schon sieben Freier auf dem Gewissen hätte. Aber ich verstehe, warum Ihr Euch diese Lesung ausgesucht habt. Ihr beginnt miteinander einen Weg, von dem es nicht selbstverständlich ist, dass er gelingt. All der wunderbare Aufwand dieser Feier, alle Musik und alle Blumen bewahren Euch nicht davor, dass Eure Liebe sich bewähren muss. Deswegen, genau deswegen beginnt Eure Ehe mit einem Gebet, mit diesem Gottesdienst. Zusammenleben, das habt Ihr festgestellt, kann man auch so. Dass aus dem Zusammenleben aber ein Bund der Liebe und Treue wird, dafür müssen wir den engen Rahmen der Zweisamkeit überschreiten und die Liebe für einander öffnen hin auf den einen Gott, der uns von innen her kennt, weil er jede und jeden von uns geschaffen hat.

2. Sprache

  • Sprache formt den Menschen. Eine soziale Beziehung, die sich nicht ausdrückt, gibt es nicht. Gerade dort, wo Sprachlosigkeit herrscht, wird das bestätigt. Durch sprechen drückt sich Liebe aus und Hass, Herrschaft und Unterwerfung, Distanz und Nähe. Wenn laut einer Statistik die Hälfte deutscher Ehepaare nicht mehr als zehn Minuten täglich miteinander spricht, erklärt das Vieles.
  • Ich werde selbst aber auch durch mein Sprechen geprägt. Wer verächtliches Reden sich zur Gewohnheit macht, wird verachten. Wer liebevoll spricht, schafft die Basis der Liebe.
  • Gebet ist deswegen die Grundlage des religiösen Lebens. Wie Sie beten - oder nicht beten! - so leben Sie.
    Es gibt auch das stumme Gebet, in dem ich nicht anders als vor Gott einfach nur da bin. Dies ist vielleicht sogar die höchste Stufe des Gebetes. Auch zwei Menschen, die sich sehr gut verstehen, können schweigend miteinander stundenlang da sein. Aber dieses schweigende Einverständnis ruht auch nur auf dem auf, was wir einander sagen.

3. Frucht bringen

  • In dem, was Jesus seinen Jünger sagt, finden wir ein Bild für Gemeinschaft. Eines von vielen, mit denen Jesus versucht uns heranzuführen an diese ungeheure Gabe, Gemeinschaft zu haben miteinander und mit Gott. Wie der Rebzweig am Weinstock ist, so lädt uns der Herr ein, in ihm zu bleiben.
  • Dieses Bild ist so sprechend, weil es deutlich macht, wie ausgedörrt ein Leben ist, wenn es die Verbindung zur Quelle des Lebens verbunden hat. Die Weise aber, wie wir mit dieser Quelle verbunden bleiben ist unsere Gemeinschaft im Glauben und insbesondere im Gebet. Wie kann irgend etwas zwei Menschen mehr verbinden als die Gemeinschaft mit dem Einen, von dem wir unseren Lebensatem haben?
  • So wünsche ich Euch, dass ihr voll Lust und Freude gemeinsam entdeckt, was Euch möglich ist, dass ihr mit der Quelle verbunden bleibt, die Eure Liebe nährt und erhält und in die Ihr hineingepflanzt seid durch das Sakrament, das ihr einander spendet. Amen.