Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Ostermontag 2012

9. April 2012 - Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg

1. Todesbande

  • Ostern ist etwas Unmögliches. Wie soll man das heutigen Zeitgenossen noch erklären? Es wäre für viele noch nachvollziehbar, wenn wir Christen irgendwie nur daran glaubten, dass es nach dem Tod weitergehe, ob als Wiedergeburt oder bei Gott im Himmel könne man ja ohnehin nicht so genau wissen. So etwas allgemein Gehaltenes geht bei den Zeitgenossen durch. Aber Ostern ist unmöglich. Denn da wird gefeiert, dass einer, der als Verbrecher hingerichtet wurde und definitiv tot war, mitten in dieser Welt erfahrbar und erlebbar sei, obwohl er gleichzeitig nicht mehr in dieser Welt lebt. (Und als Zeichen seiner Auferstehung das Grab leer gewesen sei). Das klingt alles weit hergeholt und reichlich unmöglich.
  • Und dennoch berichtet uns die Apostelgeschichte aus der Bibel, habe ein gewisser Petrus nicht nur Ostern für möglich, sondern das Gegenteil von Ostern für unmöglich erklärt: "es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde".
    Wie kommt Petrus dazu? Er verweist auf die Erfahrung, die er und viele in den Jahren gemacht haben, in denen sie Jesus erlebt haben: In diesem Menschen wirkt Gott. Nicht eine abstrakte Göttlichkeit, sondern den in der Geschichte seines Volkes Israel handelnden Gott haben sie in Jesus erlebt, mit "Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat".
  • Wie machtvoll diese Gegenwart Gottes in Jesus war, haben nicht zuletzt die Mächtigen der Zeit bewiesen: Durch die Weise, wie sie ihn beiseite schaffen wollten, haben sie bezeugt, dass Jesus ihnen und ihrer Staatsideologie gefährlich geworden war. Mit irgendwelchen religiösen Gefühlen kann jede Staatsmacht gut leben. Einer dagegen, der mit göttlicher Autorität auftritt, wie Jesus von Nazareth, musste beseitigt werden, einer der Barmherzigkeit über die Gesetze stellte, Gehorsam gegenüber Gott über den Gehorsam gegen den Kaiser. Ihn haben sie "ans Kreuz geschlagen und umgebracht." Die Macht wollte über die Liebe triumphieren.
    Wenn Petrus nun über Jesus sagt, "es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde", dann bedeutet dies: Weil Gott Gott ist, ist es unmöglich, dass die Machthaber dieser Welt, diese Boten des Todes, triumphieren. Weil Gott treu ist, konnte sein Messias nicht vom Tod "festgehalten werden".

2. Auferstehungserfahrung

  • Dass Christus von den Toten auferstanden ist, ist eine historische Behauptung. Dass Christus lebt, betrifft die Gegenwart, damals wie heute. Dass Christus auferstanden ist, bezieht sich auf die Zeugen von damals. Aber auch für Petrus, Paulus und den anderen damals war die Erfahrung, dass er lebendig mitten unter ihnen ist, der Ausgangspunkt und das Ziel.
  • Lebendig sein bedeutet hier, wie immer im biblischen Glauben: In Beziehung sein. Zombies mögen lebendig scheinen; nur wer Liebe geben und Liebe empfangen kann, ist wirklich lebendig.
  • Wo Gott als Gott dieses Lebens erfahren wird, dort ist der Auferstehungsglaube zu Hause. Er bezieht sich auf das historische Ereignis, dass der Tod Jesus nicht festhalten konnte; der Auferstehungsglaube bezieht aber seine Kraft aus der Erfahrung im Alltag, dass gegen den Augenschein nicht die Macht der Gewehre und Ellenbogen, auch nicht die Macht des Todes, sondern Gott die stärkste Wirklichkeit ist - gerade dort, wo Gott ans Kreuz geschlagen wird.

3. Glaubensgemeinschaft

  • Wir werden in diesem Gottesdienst Kinder taufen. Wir vertrauen sie damit der Treue Gottes an. Die Eltern und Paten werden das Glaubensbekenntnis zusammen mit uns allen sprechen, weil es dieser Gott ist, dem wir vertrauen. Zuvor aber werden die Eltern und Paten versprechen, dass sie wollen, dass dieser Glaube praktisch wird durch das Lebenszeugnis. In ihrer ganz persönlichen Weise - jeder Mensch ist ja verschieden - wollen die Eltern und Paten für ihre Kinder erfahrbar machen, dass der Glaube in einer gelebten Beziehung zu Gott besteht. Sie erneuern ihre eigene Taufe, indem sie vertrauen wollen, dass es lohnt Jesus nachzufolgen.
  • Das bewährt sich im Angesicht des Todes, nicht erst des biologischen. Das Vertrauen in Gott bewährt sich dort, wo Menschen die Kraft finden, dem Trend zu wiederstehen, sich mit Macht gegen andere durchzusetzen. Die Nachfolge findet dort statt, wo Arme, Kranke, Behinderte und Heimatlose nicht ausgegrenzt, sondern angenommen werden. Das ist nicht selbstverständlich, weil der Blick auf das Leiden der anderen nicht zur Spaßkultur beiträgt. Dass der Karfreitag mit seinem Blick auf das Leiden umstritten ist, niemand aber den Ostermontag als Feiertag abschaffen will, könnte bezeichnend sein. Als Christen sollten wir daran festhalten, dass es ohne Karfreitag kein Ostern gibt.
  • Die Auferstehung Christi von den Toten kann nicht als Theorie bewiesen werden. Sie kann nur von denen erfahren werden, die sich mit Jesus auf den Weg des Vertrauens in Gottes Treue machen. Wir wünschen diesen Kindern alles erdenklich Gute: Gesundheit, eine behütete Umgebung, dass sie nicht Krieg und Vertreibung erleiden müssen, dass sie eine gute Bildung und ein sorgenfreies Leben haben mögen. Mehr als all das aber wünsche ich ihnen und bete darum, dass sie in jeder Situation, mit der sie konfrontiert werden mögen, erfahren dass Gottes Liebe und Treue stärker ist, und dass sie daher auf ihn vertrauen können. Amen.