Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Ostermontag 2016

28. März 2016 - Kleiner Michel (St. Ansgar), Hamburg

 
Der Film Batman v Superman: Dawn of Justice von Zack Snyder (2016) lohnt sich nicht wirklich. In dem Genre habe ich schon weitaus besseres gesehen. Aber was soll man machen, wenn einem für die dritte Osterpredigt in Folge keine andere Idee mehr kommt?
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1. Jungsträume

  • Wovon träumen kleine Jungs und nicht nur die? In den letzten Jahren wurden Phantasien in Bilder, Computerspiele, Blockbuster Kinogeschichten und Fernsehstaffeln umgesetzt, wie es das bislang noch nicht gab. Viele der Vorlagen dazu waren vor einem halben Jahrhundert noch Bildergeschichten, die Jugendliche heimlich unter der Bettdecke gelesen haben, Geschichten von Superman, Batman oder oder Wonder Woman. Heute kostet die Umsetzung dieser Bildergeschichten in ein Leinwandspektakel schnell mal eine Viertel Milliarde Dollar - und soll das auch wieder einspielen.
  • Da wird von den unterschiedlichsten Superhelden geträumt. Sie sollen die Welt retten, die jedes Mal, wenn die Helden gerufen werden, dabei ist in ihre Teile zu zerfallen. Ob die kleinen Jungs davon träumen selbst diese Helden zu sein, oder ob sie sich solch einen Helden wünschen, damit ihre kleine oder große Welt nicht zerfällt?
  • Der Befund ist in keinem Fall eindeutig. Braucht es den strahlenden Supermann, den einfachen, vertrauenswürdigen guten Kerl von nebenan, dem aber die Superkräfte gegeben sind, das Böse zu besiegen, bevor er anschließend bei Mama am Abendbrottisch sitzt? Oder tauchen in diesen Träumen eher die zwiespältigen Rachephantasien auf, die nachts schlaflos lassen, weil man sich ausmalt, wie mit grimmiger Entschlossenheit alles Böse niedergemacht wird. - Irgendwie ist es wahrscheinlich alles zusammen oder auch gegen einander.

2. Osterereignisse

  • In der Bibel gibt es eine ganze Reihe Versuche, uns nahe zu bringen, was am Ostermorgen geschehen ist und was das für uns bedeutet. Die ältesten Osterzeugnisse stammen von Paulus und sind knappe Formeln im Bekenntnis: "Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf." Es ist dabei immer auffällig, dass jede Schilderung von dem Ereignis der Auferweckung Jesu aus dem Grab vermieden wird. Was die Menschen sehen ist das leere Grab und die Leinenbinden, die dort liegen.
  • Deswegen fällt es so auf, dass das Matthäusevangelium dramatisch wird: "Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee." Das lässt sich verfilmen! Nur, es fehlt in dieser Szene auffällig der Hauptdarsteller. Nirgendwo ist hier in diesem Spektakel Jesus zu sehen. Es wurden hundert Jahre später extra weitere Evangelien geschrieben, die meinen diesen szenischen Mangel beheben zu müssen und lassen Jesus in strahlendem Licht auferstehen.
  • Aber gerade das macht deutlich, dass all das bei Matthäus fehlt. Er hat in direktem Kontakt zur ersten Generation der Apostel und Jünger gelebt und geschrieben. Seine Gemeinde beruht sicher auf der Gründung durch die ersten Apostel. Er weiß, dass es keine Augenzeugen der Auferstehung gibt, sondern nur das leere Grab und die Botschaft an die Frauen: "Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag."

3. Das leere Grab

  • Bei all den Superheldenschurkengeschichten, die in Filmen erzählt werden, fällt auf, wie oft dort religiöse Sprache verwendet wird. Irgendwie sollen die Helden Göttersöhne- und töchter sein, wenn nicht gar selbst ein Gott. Selten genug wird diese Gottesmetapher in den Geschichten selbst hinterfragt: Ist das wünschenswert, solch ein Gott? Dabei ist bei manchen dieser Götter sogar ein schwacher Widerschein christlichen Glaubens zu erkennen: Wenn das Ideal des Helden eigentlich der Menschensohn ist, ein Mensch wie du und ich. Doch dann wird daraus doch etwas anderes: Ja, ein Durschnittsmensch, nur irgendwie anders, stärker, mächtiger .. .eben Superman!
  • Es tut Not daran zu erinnern, dass dies nichts mit dem Einen zu tun hat, den wir als den Einziggeborenen vom Vater bekennen, wahrer Gott vom wahren Gott und doch Mensch wie wir. Das wird nicht nur am Kreuz deutlich - selbst das Kreuz wird in den Comicgeschichten immer wieder kopiert. Nein, das was den wahren Gott von den Märchengöttern unterscheidet ist, dass er an der entscheiden Stelle nicht mal eben eingreift und alles richtet. Gerade Ostern, wie Matthäus es schildert, macht das so deutlich. Der Engel und das ganze Erdbebenspektakel verweisen nur auf eines: Ein leeres Grab. Gott ist eben nicht ein Teil dieser Welt, nur einfach viel, viel größer. Wo Gott sich in Gestalt eines Menschen offenbart, dort ist er ein wehrlos liebender. Wo Gott sich als Herr über den Tod erweist, da ist nur das leere Grab.
  • Doch eines ist da natürlich dennoch. Die Frauen bleiben nicht am Grab und suchen nicht länger, was dort nicht zu finden ist. Vielmehr lassen sie sich senden: "Geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden!" Und da, wo sie sich aufmachen, begegnet ihnen der Auferstandene. Ganz ohne Blitz, Donner und Special Effect. Jesus kommt den Frauen, die sich aufgemacht haben, entgegen. Die Szene gleicht mehr einem Gottesdienst als einem Showdown. Denn die Begegnung mit dem Auferstanden findet dort statt, wo wir genau das nachvollziehen: Nicht auf den großen Helden warten, sondern uns selbst aufmachen im Vertrauen auf sein Wort: "Er ist auferstanden, wie er gesagt hat". Wer sich im Vertrauen darauf aufmacht, sein Evangelium zu leben, der wird erfahren: Der Herr ist wahrhaft auferstanden!